Eschweiler/Mausbach - Industriebrache in Mausbach: eine „tickende Zeitbombe”

Industriebrache in Mausbach: eine „tickende Zeitbombe”

Von: Heike Eisenmenger
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Brandgefahr: Mehrfach wütete
Brandgefahr: Mehrfach wütete bereits das Feuer in den Gebäuden der früheren Fensterfabrik. Das Dach ist großflächig zerstört, Giebelwände sind einsturzgefährdet. Müll und Unrat sind eine stete Gefahr - zumal ein bei einem Großbrand Asbest aus alten Eternitplatten freigesetzt werden kann. Foto: H. Eisenmenger

Eschweiler/Mausbach. An einigen Stellen liegt der Müll meterhoch in den einstigen Produktionshallen einer Fensterbaufirma an der Gressenicher Straße. Das verwaiste Betriebsgelände ist über eine betonierte Zufahrt zu erreichen, von der Landesstraße aus erhascht man nur einen Blick auf das Gebäude und den Bauzaun.

Den hat die Stadt aus Sicherheitsgründen aufstellen lassen, denn Gebäude und insbesondere die Hallen sind in einem schlechten Zustand. Das Gebälk fehlt stellenweise gänzlich. Der freie Blick in den Himmel ist gepaart mit akuter Einsturzgefahr.

Immer wieder muss die Feuerwehr auf dem Gelände anrücken. Zuletzt war es zum Glück nur „ein kleiner Müllberg, der brannte”, erzählt Toni Sturz. Die Verursacher von Müll wie Feuer bleibten zwar unbestätigt, aber der Stadtbrandinspektor vermutet spielende Kinder oder Jugendliche als Verursacher. Eigentlich dürfte sich niemand auf dem Gelände aufhalten. Theoretisch zumindest. Doch Sturz weiß aus Erfahrung, dass ein leer stehendes Gebäude Jugendliche, Kinder und Obdachlose anzieht.

„Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Brand auch schlimmer hätte enden können”, sagt Sturz. Beispielsweise im November letzten Jahres, als ein Feuer im vorderen Teil des Objektes so wütete, dass seitdem ist der Dachstuhl zerstört, eine Giebelwand einsturzgefährdet ist. Oder in der Mainacht 2006, als Jugendlichen beim Maibaumschmücken das Grillfeuer außer Kontrolle geriet und das Feuer auf die Lagerhallen übergriff. Auf 70.000 Euro bezifferte die Wehr seinerzeit den Schaden.

Zwar versperrt mittlerweile ein Bauzaun das Gelände ab. Doch der hält letztlich niemanden ab, der unbedingt auf das Gelände will; das ist auch dem Ordnungsamt bewusst. Anwohner Reiner Müller hat mehrfach Kinder und Jugendliche auf dem Gelände angetroffen. „Wenn dort jemand verunglückt, kann jede Hilfe zu spät kommen”, hat Müller immer wieder versucht, die unbefugten Eindringlinge zu warnen und zu vertreiben. Alleine schon der unbedarfte Gang durch die zersplitterte Glastür ins Hauptgebäude ist gefährlich. Sie spitzen Scherben sind scharf wie gläserne Klingen.

Neben der akuten Verletzungsgefahr moniert Stolbergs Feuerwehrchef aber vor allem das hohe Brandrisiko. Das sorgt für ein weiteres Problem: „Die verbauten Eternitplatten sind stark asbestbelastet”, sagt Sturz. Bei einem Brand könnte Asbest freigesetzt werden. Eine Entsorgung der asbesthaltigen Materialien wäre aufwändig und kostenintensiv.

Die Übernahme der Verantwortung und der Kostenlast ist auch die entscheidende Frage bei der Entschärfung dieser „tickenden Zeitbombe” zwischen Gressenicher- und Gartenstraße. Fest steht ist, dass eine Fensterbaufirma bis zur Insolvenz bis Ende der 90er Jahre hier produzierte. Eine andere Stolberger Firma erwarb dann Grund und Boden; auch dieser zweite Betrieb geriet in finanzielle Schieflage. Ihr ehemaliger Geschäftsführer gilt im Rathaus zwar als Handlungsbevollmächtigter für die Abwicklung, aber im Handelsregister ist eine Anweisung zur Zwangsversteigerung durch die im Grundbuch als Gläubigerin eingetragene Bank eingetragen. Das bedeutet, dass ohne Zustimmung des Geldinstituts nicht gehandelt werden kann. Das aber hat die Stadt per Verfügung mit Fristsetzung eingefordert.

Sie versucht nicht nur ordnungs- und bauordnungsrechtlich ein waches Auge auf das Areal zu haben, sondern sie könnte der Industriebrache auch aus Sicht der Stadtentwicklung ihre Gefahr nehmen. Mit einem Bebauungsplan kann das Gebiet entlang der verlängerten Gartenstraße zu einem Neubaugebiet werden. „Dafür wäre das Grundstück zwar interessant, aber nicht zwingend erforderlich”, grenzt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt Wünschenswertes von Realisierbaren ab.

Alternativen in Mausbach

Denn der Siedlungsschwerpunkt Mausbach bietet im Gebietsentwicklungsplan der Stadt zahlreiche Alternativen. Die Freiflächen im Bereich Auenweg und Franzosenkreuz hinter dem neuen Verbrauchermärkten wären solche Alternativen, die die Stadtentwicklung vorziehen kann, wenn sich nicht in absehbarer Zeit eine positive Lösung für die Industriebrache an der Gressenicher Straße abzeichnet.
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