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Indestädterin veranstaltet Krimi-Stammtisch in „Vignas Landladen“

Von: Sonja Essers
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Pauline Vigna (links), Inhaberin von „Vignas Landladen“ und Maren Holdt, Initiatorin des Krimi-Stammtisches, freuen sich, wenn immer mehr Krimibegeisterte den Weg zu ihnen finden. Foto: S. Essers

Eschweiler/Hamich. Es geschah an einem Dienstagabend. Es war bereits dunkel, und ein leichter Nieselregen prasselte auf die verlassenen Straßen. Nur in einem kleinen Landladen brannte noch Licht. Die Eingangstür quietschte ein wenig.

Drinnen wartete bereits Maren Holdt, die die Gäste zum Krimi-Stammtisch begrüßte. Regelmäßig trifft sich die Indestädterin mit Gleichgesinnten, um sich mit ihnen über ihre größte Leidenschaft auszutauschen.

Wie kam sie auf die Idee einen Krimi-Stammtisch zu gründen? „Ich habe so einen Kreis immer vermisst“, sagt die 36-Jährige und entschloss sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Nachdem man sich das ein oder andere Mal am Eschweiler Markt getroffen hatte, entdeckte Holdt durch Zufall „Vignas Landladen“ in Hamich. Da der Stammtisch größtenteils aus Krimifans aus Eschweiler und Stolberg bestehe, erschien ein Treffen in Hamich ideal.

Beim Betreten des Ladens wird schnell deutlich, dass Maren Holdt bestens vorbereitet ist. Auf den Tischen hat sie Leseproben ausgelegt. Außerdem gibt es für die Besucher noch eine kleine Überraschung. Auf einem Tisch am Fenster stapeln sich haufenweise Krimis, an denen sich die Teilnehmer des Stammtischs bedienen dürfen. Diese stammen entweder von Maren Holdt oder von Verlagen, die ihr Werke zugeschickt haben.

Doch so professionell sich das auch anhört, zum Beruf hat Holdt ihre Leidenschaft nicht gemacht. Die Grundschullehrerin nutzt die Zeit am Wochenende und in den Ferien, um neue Werke zu lesen, die sie dann am Krimi-Stammtisch vorstellt. Auch an diesem Abend hat sie verschiedene Werke dabei. Diese bespricht sie mit den Anwesenden und liest auch daraus vor. Bei der Auswahl der Werke sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings versucht Holdt stets. nicht zu beliebte Werke vorzustellen. „Die, die ,gehypt‘ werden, nehme ich nicht, denn die kennt ja sowieso schon jeder“, sagt sie.

Holdt selbst liest am liebsten Krimireihen, erinnert sich auch noch gut daran, wie ihre Leidenschaft damals begonnen hat. Mit 14 Jahren begann sie die „Inspector Jury“-Krimis von Martha Grimes zu lesen – seitdem ist es um sie geschehen. Fortan setzte sie sich mit skandinavischen und amerikanischen Krimis auseinander, bis sie vor rund zwei Jahren bei den Werken deutscher Autoren landete. Für die Gäste an diesem Abend hat sie jedoch eine gemischte Auswahl an Büchern zusammengestellt. Dazu zählt auch der Ostfriesenkrimi „Ostfriesen-Blut“ von Klaus-Peter Wolf. Diesen hat Holdt durch Zufall im Supermarkt entdeckt. Er gefällt der 36-Jährigen jedoch gut. „Ich war dort schon mehrmals in Urlaub und kann so auch die Orte nachverfolgen“, sagt sie. Während Holdt aus den Büchern vorliest, hören die Gäste gespannt zu.

Im Werk „Todesfrist“ von Andreas Gruber geht es um einen Mörder, der seine Opfer nach der Art des Struwelpeters umbringt. Gleich mehrere Seiten liest Holdt daraus vor. Im Landladen ist es so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Zwischendurch legt die 36-Jährige immer wieder Sprechpausen ein, um die Spannung noch etwas zu erhöhen. Dann sagt sie: „Carmen war bis zum Kopf eingemauert.“ Weitere Informationen gibt es für die Gäste nicht, schließlich sollen diese kurzen Auszüge sie selbst zum Lesen anregen.

An diesem Abend haben sieben Krimibegeisterte den Weg in „Vignas Landladen“ gefunden, beim Stammtisch im vergangenen November waren 14 anwesend. Maren Holdt kann auch einem kleineren Personenkreis etwas Positives abgewinnen. „Mit weniger Leuten kann man intensiver diskutieren“, ist sie sich sicher.

Doch nicht nur Bücher stehen beim Krimi-Stammtisch im Vordergrund. Für diesen Abend hat sich Holdt noch etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Geburtstag hat sie das Spiel „Stadt, Land, Tod“, das an das bekannte „Stadt, Land, Fluss“ angelehnt ist, geschenkt bekommen. „Ich habe überlegt, mit wem ich das spielen kann“, erklärt die 36-Jährige und fügt hinzu: „Da dachte ich mir, die nächsten Opfer sind Sie.“ Fleißig überlegen die Gäste, was sie in die Kategorien Täter, Mordmotiv, Tatwaffe, Tatort, Fluchtfahrzeug, Todesursache und Art des Verbrechens eintragen könnten. Dabei laufen die Teilnehmer zu Höchstform auf. So könnte ein ganz neuer Krimi entstehen, in welchem der Gärtner aus Gier im Garten einen Mord mit einer Gießkanne begeht. Sein Opfer kommt durch einen Genickbruch um. Der Mörder flüchtet mit einem Geländewagen...

Neben den vielen spannenden Momenten, die dieser Abend beinhaltet, kommt auch der Spaß natürlich nicht zu kurz. Doch was macht einen guten Krimi überhaupt aus? „Es ist wichtig, dass die Handlung so dicht ist, dass man dranbleiben muss“, ist sich Holdt sicher.

Nach rund 90 Minuten hat Holdt den Gästen einen Teil ihrer Lieblingswerke vorgestellt. Doch vorbei ist der gemütliche Abend noch nicht. Es wird über Autoren, Werke und Verfilmungen diskutiert, und auch wenn die Anwesenden nicht immer einer Meinung sind, so sind sie sich doch sicher, dass dieser Abend ein voller Erfolg war. Den nächsten Krimi-Stammtisch will Holdt Mitte Mai veranstalten. Bis dahin gibt es nur eins für sie: lesen, lesen, lesen. Wie gut, dass da die Osterferien nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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