Eschweiler - In der Welt der Bücher sind sie zu Hause

In der Welt der Bücher sind sie zu Hause

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Kinder sollen die Welt der Bü
Kinder sollen die Welt der Bücher entdecken: Buchhandlungen in ganz Deutschland verschenken heute über 1 Million Exemplare des Buches „Ich schenk dir eine Geschichte” an Schulklassen der Klassen 4 und 5. Foto: imago/blickwinkel

Eschweiler. Bücher sind ihre Welt. Wie viele sie in ihrem Leben bereits gelesen haben, kann keiner von ihnen genau sagen - es müssen Tausende gewesen sein. Das bringt ihre Arbeit in der Stadtbücherei oder einer der Eschweiler Buchhandlungen mit sich.

Trotzdem gibt es Exemplare, die Michaele Schmüling-Kosel, Hannelore Wolter und Jörg Drescher ganz besonders an Herz gewachsen sind. Sich auf ein einziges Lieblingsbuch festzulegen fällt ihnen aber schwer. Anlässlich des heutigen Unesco-Welttag des Buches, an dem die Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterten deutschlandweit ein großes Lesefest feiern, geben sie einen Einblick, in die Bücher, die sie am meisten faszinieren.

„Das Lieblingsbuch gibt es bei mir eigentlich nicht”, sagt die Leiterin der Eschweiler Stadtbücherei, Michaele Schmüling-Kosel. Es gibt einige Bücher, die sie zu bestimmten Zeiten in ihren Leben begleitet oder im Jugendalter fasziniert haben. Dazu gehören zum Beispiel Tolstois „Krieg und Frieden”, Tolkiens „Herr der Ringe”, die Bemmann Romane wie „Mit Stein und Flöte” oder Döblins „Alexanderplatz”.

Üppig und temporeich

Heute liest sie berufsbedingt durch alle Genres, inklusive der Jugend- und Kinderbücher. Neben den „Tributen von Panem”, die inzwischen auch viele Erwachsene kennen, haben sie in jüngster Zeit vor allem Carlos Ruiz Zafons „Marina” und Daniel Glattauers „Ewig Dein” fasziniert. „Die Sprache ist üppig und temporeich, die Geschichte schaurig spannend, und der Leser kann sich durch die immer wieder eingeflochtenen wunderbaren Beschreibungen die Stadt Barcelona wirklichkeitsnah vorstellen”, sagt die Büchereileiterin über „Marina”.

Über „Ewig Dein” sagt sie: „Trotz aller Spannung und Erstaunen über die psychologische Beeinflussbarkeit von Partnern fand ich als Frau das Ende tröstlich und gut. Sprachlich psychologisch und von der Spannung her überzeugend mag ich an diesem Buch die doch immer wieder zum Vorschein kommende Ironie.”

Momentan liest sie „Die Untersuchung” von Philippe Claudel. Dabei handelt es sich um einen düsteren Roman mit Gesellschaftskritik: niemand trägt einen Namen, alle werden auf Funktionen wie „der Ermittler”, „der Polizist” und „der Wächter” reduziert. „Die Stimmung erinnert an Kafka aber auch ein bisschen an Orwell und die Entfremdung des Menschen in der modernen Welt.”

Die Leiterin der Buchhandlung Librodrom, Hannelore Wolter steht dazu: Auch als Erwachsene schaut sie immer wieder in ein Märchenbuch. Ihre derzeitige Lieblingsausgabe ist eine komplette Sammlung der Grimmschen Märchen aus dem Sauerländer-Verlag. In ihr seien neben den bekannten Märchen wie Rotkäppchen, Aschenputtel und so weiter auch „viele unbekannte aber wunderschöne” wie die „Fallada” oder die „Die weiße Schlange” zu finden. „Ein richtig dicker Schmöker für Große - und Kleine nur bedingt, denn eigentlich sind manche Märchen ja sehr grausam. Und wer wird schon gerne vom Wolf gefressen”, sagt Wolter.

Jörg Drescher hat sich „Der Parzival des Wolfram von Eschenbach” von Dieter Kühn ausgesucht. „Nachdem ich im Alter von 17 Jahren sämtliche Stephen King-Romane durch hatte, drückte mir mein heutiger Kollege Manfred Engels, damals Geschäftsführer der Eschweiler Bücherstube, den Parzival mit ein paar warmen Worten in die Hand. Wahrscheinlich wollte er mich niveaumäßig auf eine höhere Stufe upgraden. Ein anspruchsvolles und dazu noch unterhaltsames Buch über das deutsche Mittelalter? Solche Sachen waren damals noch die Ausnahme, bis kurze Zeit später Umberto Ecos Name der Rose erschien und einen bis heute anhaltenden Boom historischer Romane auslöste”, sagt Drescher.

In seinem Buch nimmt Dieter Kühn den Leser mit auf eine Zeitreise zurück in die Zeit des Wolfram von Eschenbach. Obwohl einer der größten Dichter deutscher Sprache, ist von seinem Leben nur das wenige bekannt, was er in seinen Werken über sich preis gibt. Und das sind gerade mal ein paar Sätze. Wie schreibt man also eine Biografie über einen Unbekannten? Kühn wendet dazu eine geniale Methode an. Von seinem Wohnort Abenden in der Eifel macht er sich auf den Weg nach Wolframs-Eschenbach in Franken, dem mutmaßlichen Geburtsort des Dichters. Dabei stellt er sich vor, er würde mit jedem zurückgelegten Kilometer ein Jahr in die Zeit zurück reisen, bis er im Jahre 1220 am Ziel ist.

Persönliche Begegnung

Eine besondere Ehre war es dem Buchhändler dann, einem der größten deutschen Gegenwartsautoren persönlich zu begegnen. Gemeinsam mit dem Eschweiler Geschichtsverein veranstaltete er vor einigen Jahren zwei Lesungen mit Dieter Kühn im Talbahnhof, bei denen er aus dem „Parzival” vortrug und erzählte. Kühn schreibt Werke über Clara Schumann, Goethe und Schiller sowie mehrere zeitgenössische Romane, Kurzgeschichten und Hörspiele.

Genauso gerne wie über den „Parzival” hätte Drescher auch über seine anderen Lieblingsbücher erzählt: „Krabat”, „Tadellöser & Wolff”, „Die Bücherdiebin”, alles von Patricia Highsmith und Hans Fallada, „Die Liebe in den Zeiten der Cholera”, „Die Borribles”, „Per Anhalter durch die Galaxis” und und und...

Der Welttag des Buches

Buchhandlungen in ganz Deutschland verschenken am Montag über 1 Million Exemplare des Buches „Ich schenk dir eine Geschichte” an Schulklassen der Klassen 4 und 5.

Der Welttag des Buches, zugleich auch Todestag von Shakespeare und Cervantes, soll auf die Bedeutung des Buches in der Informationsgesellschaft hinweisen.

Die Idee zu diesem Welttag geht auf eine katalanische Tradition zurück. Dort werden seit den 20er Jahren am 23. April, dem Sankt-Jordi Tag, Bücher und Rosen verschenkt und ein großes Volksfest rund um das Buch gefeiert.

Die Buchhandlung Oelrich & Drescher lädt zur Feier dieses Tages alle jungen Leser zu einer Abenteuer-Schnitzeljagd ein. Vom 23. bis 30. April können die heranwachsenden Leseratten an verschiedenen Stationen Rätsel lösen und einen von vielen attraktiven Preisen gewinnen.

Die Stadtbücherei setzt die Reihe zum Thema „Gebrüder Grimm - 200 Jahre Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen” fort. Die Eschweiler Figurentheatermacher „Rosenfisch”, Stefan Wunsch und Vera Viehhöver, werden für Kinder ab vier Jahren am Montag heute von 10 bis 11 Uhr das Märchen „Hase und Igel” aufführen. Die Veranstaltung wird gesponsert vom Förderverein der Bücherei.

Im Anschluss an das Figurentheater werden neun „Eschweiler Lesefreunde” ihre Lesepakte erhalten. 33.333 Lesefans konnten sich online bei der Aktion „Lesefreunde” registrieren und aus einer Liste von 25 Büchern einen Titel wählen, den sie verschenken möchten. Jeder Schenker erhält ein Paket mit 30 Exemplaren.

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