In der Gartenkolonie häufen sich die Einbrüche

Von: Christina Handschuhmacher
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Nicht unbedingt gemütlich, aber abschreckend: Laubenbesitzer Josef Prost und Schäferhündin Luna schieben Nachtwache in der Kleingartenkolonie. Der Grund: In den vergangenen Wochen haben sich Prost, Herbert Prehler (unten links) und die anderen Besitzer immer wieder über Einbrüche geärgert. Foto: Handschuhmacher

Eschweiler. Große Salatköpfe wachsen in Reih und Glied. Daneben sprießen Weiß- und Grünkohl aus der Erde, eine Reihe weiter sind die Möhren bald reif für die Ernte. Die Sonne scheint heiß vom Himmel an diesem Vormittag. Auf den Rasenflächen der einzelnen Gärten sind bunte Sonnenschirme aufgespannt.

Ruhe liegt über der Anlage, nur ab und an hört man das Donnern eines vorbeirauschenden Zugs. Doch die Idylle in der Kleingartenkolonie an der Röthgener Straße trügt.

Denn in den vergangenen Wochen ist es vor allem nachts ziemlich unruhig geworden auf dem Gelände, das von der Deutschen Bahn verpachtet wird und direkt unterhalb der Bahntrasse liegt. Eingeschlagene Fensterscheiben, aufgebrochene Türschlösser und durchtrennte Maschendrahtzäune zeugen davon, was in der Kleingartenanlage los ist, wenn die Freizeitgärtner nachts in den heimischen Betten liegen. „Wir haben in den vergangenen vier Wochen 14 Einbrüche bei der Polizei gemeldet“, sagt Josef Prost, Vorsitzender des Unterbezirks Eschweiler der Bahn-Landwirtschaft Köln.

Die Liste des erbeuteten Diebesgutes ist nicht besonders lang: Ein Akkuschrauber und eine Handkreissäge sind verschwunden, hinzu kommen die Reparaturkosten für aufgebrochene Schlösser und zerstörte Zäune. Eine Schadenssumme wollen weder Prost noch Herbert Prehler, Kassierer des Vereins, schätzen. Fest steht: Kaum eine der Lauben ist versichert, denn die Kosten für eine Versicherung liegen in den meisten Fällen weit höher als der Wert der Einrichtung.

Was bei Prehler, Prost und den anderen Laubenbesitzern viel schwerer wiegt als der bloße Sachschaden ist die Wut auf die nächtlichen Besucher. „Es macht uns zu schaffen, dass hier nun ein paar Idioten Randale machen“, sagt Prehler. Und man merkt an seinem Tonfall, dass der oder die Einbrecher wohl nichts mehr zu lachen hätte, wenn er ihm in die Hände fallen würde.

Doch was lockt die ungebetenen Besucher an, wenn sie doch wissen, dass in den Gartenlauben nichts wertvolles zu holen ist? „Die Diebe mögen gekühltes Bitburger und Koteletts ganz gerne“, sagt Prehler und lacht einmal laut auf. „Die holen sich beim einem das Bier, im nächsten Garten finden sie die Holzkohle und dann noch ein Kotelett und dann machen die sich hier nen gemütlichen Abend“, sagt Prost. Hinzu kommt: Die Zäune und Mauern, die die Gartenanlage begrenzen, stellen kein wirkliches Hindernis dar. Einzig von der Seite des Bahndammes ist kein Zugang auf das Gelände mit den 29 Parzellen möglich.

Und die Gemütlichkeiten der Eindringlinge gehen auch nachts noch in den Lauben weiter. Eine Besitzerin fand die Fenster ihrer Laube am Morgen komplett verdunkelt vor. Die Eindringlinge hatten mit den Bezügen der Gartenmöbel ein Bett gebaut. Im Häuschen selbst lag eine vergessene Jeans und ein Damenschuh. Überbleibsel, die nun beschlagnahmt bei der Polizei liegen.

Die kann gegen die Einbrüche allerdings wenig tun, wie Prost und Prehler berichten. „Die Polizisten kommen vorbei und nehmen unsere Anzeige auf.“ Aber konkrete Spuren, die zu den Tätern führen? Fehlanzeige! Aber wer sind die Täter? Prehler vermutet: „Das sind junge Burschen, die sich hier vergnügen wollen und ein bisschen Abenteuerdurst haben.“

Was also tun? Von Selbstjustiz hat die Polizei den Hobbygärtner dringend abgeraten, obwohl Prehler und Prost da schon die eine oder andere Idee gehabt hätten. Ein mit langen Nägeln bestücktes Brett an der Eingangsmauer etwa oder andere Fallen.

Aber die beiden Rentner haben sich für die legale Variante entschieden. Sie zeigen nun auch nachts auf ihren Anwesen Präsenz. Nahezu alle Laubenbesitzer beteiligen sich an der Nachtwache. Seit eineinhalb Wochen schlafen die Hobbygärtner in ihren Lauben oder campieren in den Gärten. Eine nicht gerade bequeme, aber wirkungsvolle Alternative, wie sie finden. Seit einer Woche nämlich sei alles ruhig in dem Kleingärtner-idyll.

„Uns bleibt ja eigentlich nichts anderes übrig“, sagt Josef Prost.„Wenn wir morgens in unsere Gärten kommen, dann ist ja eh schon alles gelaufen.Wir finden dann nur noch die Spuren vor.“ Aufgeknackte Türen, benutztes Geschirr, leere Bierkästen, die am Vorabend noch voll waren – darauf haben Prost und Prehler keine Lust mehr. Sie wollen, dass in ihrer Gartenkolonie wieder Ruhe einkehrt – auch nachts.

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