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In Aachen wirds eng: Eschweiler hat Platz

Von: Rudolf Müller
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BWL-Studentin Jacqueline Gensr
BWL-Studentin Jacqueline Gensrich profitiert bereits von den Angeboten der Indestadt für wohnungssuchende Studenten. Derzeit absolviert sie ein Praktikum im von Dietmar Röhrig (rechts) geleiteten Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Jacqueline Gensrich stammt aus Düren. Und studiert in Aachen: Betriebswirtschaftslehre an der RWTH. Die ständige Hin- und Her-Pendelei war die 23-Jährige bald leid: zu zeitaufwendig. Jetzt wohnt sie auf halber Strecke zwischen Heimat- und Studienort in Weisweiler, in unmittelbarer Nähe der Euregiobahn-Haltestelle.

Die Bahn bringt sie in 30 Minuten zur RWTH. Optimal, findet die junge Frau. Optimal - das trifft für den Studenten-Wohnort Eschweiler auch in anderer Hinsicht zu: Neben sehr guten Nahverkehrsanbindungen finden sie hier Mieten, die deutlich - bis zu zwei Euro - unter dem in Aachen üblichen Quadratmeterpreis liegen. Sie finden eine Umgebung mit ansprechender Lebensqualität und als „Sahnehäubchen” sogar ein Förderprogramm, das ihnen unter Umständen finanziell kräftig unter die Arme greift.

Elke Ariëns ist Hochschulbeauftragte der Stadt Aachen. Sie berichtet vom Ergebnis einer groß angelegten Umfrage unter Studenten zum Thema Lieblingswohnort: Da stehen Aachen und Vaals selbstredend an der Spitze - gefolgt von Eschweiler. Des ÖPNVs, der Mietpreise, des „Nachtlebens” und der Infrastruktur wegen.

Jacqueline Gensrich hatte doppelt Glück: Ihr Vermieter wies sie auf ein Angebot hin, das die Stadt bereits seit fünf Jahren vorhält: Wer an einer Aachener Hochschule - Jülich inbegriffen - immatrikuliert ist, seinen Erstwohnsitz in Eschweiler nimmt und bereit ist, pro Semester ein 35- oder 50-stündiges Praktikum bei der Stadt zu absolvieren, den unterstützt die Stadt mit bis zu 500 Euro pro Semester. Mit der Summe also, die bislang an Studiengebühren fällig wurden.

Ein Angebot, von dem auch die Stadt zu profitieren hofft: weil junge Leute neue Ideen einbringen, und weil auch vielleicht der eine oder andere nach dem Studium hier seine Zukunft sieht: „Wir suchen händeringend qualifiziertes Personal in allen möglichen Fachbereichen”, betont Bürgermeister Rudi Bertram. Fünf Studenten haben vor Jacqueline Gensrich in den zurückliegenden Jahren bereits von diesem Förderprogramm Gebrauch gemacht. Ihre Fachrichtungen: BWL, Sozialpädagogik, Informationstechnologie.

3500 Wohneinheiten nötig

„Die von Studenten bevorzugte Wohnung hat etwa 30 Quadratmeter, kostet höchstens 300 Euro - und das am besten warm - und liegt in der Pontstraße”, sagt Elke Ariëns augenzwinkernd. Dass Aachen auch weit abseits der studentischen Vergnügungsmeile die Nachfrage nach Wohnraum für bildungshungrige junge Leute binnen kurzem nicht mehr befriedigen kann, liegt auf der Hand. Die Kaiserstadt, die schon jetzt weit über 40.000 Studierende zählt, erwartet aufgrund des Doppel-Abiturjahrgangs zum Wintersemester 2013/14 wie auch bedingt durch den Wegfall von Wehr- und Zivildienst einen nie gekannten Studenten-Ansturm. Allein bis 2015, so Ariëns, sagen Prognosen einen Anstieg um 7000 Studenten voraus. 2018 sollen es mehr als 9000 sein. Etwa die Hälfte davon bleibt erfahrungsgemäß im „Hotel Mama” wohnen und pendelt, die übrigen suchen eine Bleibe nahe der Hochschule. Ein Wohnraumbedarf, den Aachen allein nicht abdecken kann.

Die Kaiserstadt sucht deshalb den Schulterschluss mit umliegenden Kommunen dies- und jenseits der Grenzen. Die Indestadt, die bereits um Studenten warb, als Aachen noch auf Solopfaden wandelte, ist nun der wohl wichtigste Partner. Neben Aachen/Vaals ist Eschweiler mit dem größten Wohnungsangebot auf der eigens eingerichteten Internet-Plattform „extraraum” vertreten. Was nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken ist, dass die Stadt Eschweiler in persona Bürgermeister Rudi Bertram, Wirtschaftsförderer Dietmar Röhrig und Rechtsrat Dieter Kamp schon vor Jahresfrist den Haus- und Grundbesitzerverein Eschweiler mit ins Boot geholt hat.

Werbung bei Hausbesitzern

Dessen Vorsitzender Hans Graaf warb in der Mitgliederzeitschrift bei den fast 1000 Vereinsmitgliedern wie auch öffentlich per Broschüren darum, Wohnraum für Studenten anzubieten. Die ersten Ergebnisse finden sich auf „extraraum”. „Wir werden den Aufruf in Kürze wiederholen”, sagt Graaf und betont, dass es nicht nur die klassische Kleinstwohnung sein muss, die hier angeboten werden sollte, sondern auch größere Wohneinheiten, die sich für Wohngemeinschaften eignen.

Die gleichen Wünsche hat die Stadt auch bereits an die in Eschweiler tätigen Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften gerichtet. Die haben ohnehin die Zeichen des demografischen Wandels erkannt, der einen erhöhten Bedarf innerstädtischer Kleinwohnungen wie auch wohngemeinschaftsgeeigneter Immobilien vorsieht. Nicht nur für Studenten - vor allem für Senioren.

Wer Wohnraum für Studierende anzubieten hat, der kann dies im Internet tun. Die „extraraum”-Plattform bietet dazu eine Vielzahl von Informationen zu nahezu allen möglichen Themen.
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