Eschweiler - Immer mehr verleihen Netzwerk Flügel

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Immer mehr verleihen Netzwerk Flügel

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Wollen das Netzwerk weiter mit Leben füllen: Mariethres Kaleß, Wilhelm Haustein, Ulrike Hochheim-Toporowski, Gaby Römers, Carmen Rosendahl-Küpper, Olaf Tümmeler und Gabi Brettnacher (v.l.). Foto: Nowicki

Eschweiler. „Flügelschlag“ nennt sich das Netzwerk, das Armut bei Kindern in Eschweiler nachhaltig bekämpfen will. Seit einigen Monaten arbeiten verschiedene Institutionen der Stadt eng miteinander, um Betroffene zu unterstützen. „Uns geht es nicht darum, nur Hilfen anzubieten, sondern den Menschen Wege zu zeigen, sich selbst zu helfen“, erläutert Gaby Römers, die sich als Vertreterin der Kampfkunstschule Chong Yong, im Netzwerk engagiert.

Seit Februar dieses Jahres nimmt das Netzwerk immer weitere Konturen an. Aber was noch wichtiger ist: Es verzeichnet erste Erfolge. „Ich spüre schon, dass die Arbeit deutlich effizienter wird“, berichtet Carmen Rosendahl-Küpper vom Sozialdienst katholischer Frauen. Die Kooperationspartner lernen sich und ihre jeweiligen Angebote immer besser kennen. Dies ist von großem Vorteil, weil viele Gefüge der Vergangenheit heute nicht mehr gelten. Die Formen der Lebensgemeinschaften sind bunt und vielfältig. Die Familie im traditionellen Sinne besteht kaum noch.

Erfahrungen bündeln

Dies hat Konsequenzen. Es gibt gute Gründe, alleinerziehenden Müttern Hilfen anzubieten. Kind und Beruf lassen sich nur schwer unter einen Hut bringen. Dort setzt der Kinderschutzbund in Eschweiler schon seit Jahren an, jetzt bringt er die Erfahrung mit in das Netzwerk ein. „Es ist wichtig, jedem zu zeigen, wo die eigenen Stärken liegen“, berichtet Marietheres Kaleß, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Eschweiler.

Aber das Netzwerk zeigt auch Wege auf, hilft bei der Suche nach einer Tagesmutter und entwickelt neue Möglichkeiten, Kinder in Betreuung zu geben. „Es kommt oft vor, dass die Betreuungsangebote die Arbeitszeiten nicht abdecken“, berichtet Kaleß. Dort will man ansetzen. An der Stelle kommen auch Betriebe mit ins Boot, die eine eigene Tagesstätte für Personalkinder nicht alleine stemmen können.

Inzwischen greifen viele Rädchen bei Kampf gegen Kinderarmut schon ineinander. Wer finanziell in arge Not gerät, landet ohnehin beim Jobcenter oder im Sozialamt. Das Begrüßungspaket gibt dem Jugendamt die Möglichkeit, früh auf Bedürftige zu treffen. „Die Hemmschwelle ist manchmal noch groß, sich an eine Institution zu wenden“, weiß Gabi Brettnachen, Leiterin des Jugendamtes. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass das Begrüßungspaket für Neugeborene in professionellen Händen liegt. Die Sozialarbeiterin sieht schnell, wo Probleme entstehen könnten.

Weitere Berührungspunkte liefert die tägliche Arbeit in einer Kindertagesstätte. In den sechs Familienzentren der Stadt bietet man schon seit Jahren Projekte an, um Eltern zu stärken. Mit Erfolg: „Inzwischen hat sich bei uns in der Einrichtung ein Bastelkreis aus solch eine Gruppe gegründet“, sagt Ulrike Hochheim-Toporowski. Ort muss nur der Anstoß durch eine Institution erfolgen, anschließend entwickeln sich regelmäßige Treffen.

Beispiele dafür gibt es in der Stadt weitere: Der Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ des Kinderschutzbundes in Arabisch mündete ebenfalls in einen lockeren Kreis, die „Familiengruppe“ für Alleinerziehende des SkF wurde zu einer Erfolgsgeschichte.

Diese Beispiele zeigen, wie breit das Netzwerk inzwischen aufgestellt ist. Dabei begann die Arbeit erst im Februar nach der Auftaktveranstaltung im Ratssaal. Im Mai wurde schließlich der Name „Flügelschlag – Starke Kinder an der Inde“ aus der Taufe gehoben. Im Juni trafen sich die Arbeitsgruppen-Moderatoren, die Leitung des Jugendamtes und Wilhelm Haustein zur Bildung der Steuerungsgruppe. Dass das Netzwerk seit August auch über ein Logo verfügt, ist dem Eschweiler Designer Christoph Häfner zu verdanken, der die blau-gelbe Zeichnung entwarf.

Weitere Projekte sind auf dem Weg: In Zusammenarbeit mit dem SkF sollen Familienpatenschaften entwickelt werden. Erfolgreiche Veranstaltungen waren auch das vom Lions-Clubs Ascvilare finanzierte Puppentheater und die Tauschbörse von Kinder- und Spielsachen.

Auch denken die Verantwortlichen im Netzwerk daran, im kommenden Sommer ein Zeltlager am Freibad Dürwiß anzubieten. Sämtliche Projekte haben das Ziel, der Familie Selbstvertrauen zu geben, sie zu stärken. „Deswegen kämpfen wir nicht nur gegen die Armut im herkömmlichen Sinne, den Armut kann unterschiedlich sein“, betont Gabi Brettnacher.

Weitere Spender gesucht

Für drei Jahre wird eine halbe Stelle im Jugendamt vom Landschaftsverband bezahlt. Was nach dem Jahr 2015 ist, weiß heute noch niemand. Inzwischen profitiert das Netzwerk auch von der „Rest-Cent-Spende“ im Rathaus, also der Aktion, bei der Mitarbeiter der Verwaltung jeden Monat freiwillig den hinter dem Komma stehenden Cent-Betrag ihres Gehaltes spenden. Weitere Spendentöpfe sollen in Zukunft gefunden werden.

Es passiert also viel, um dem Netzwerk weiter Leben einzuhauchen. Allerdings hoffen die Verantwortlichen, dass sich weitere Vereine und Institutionen anschließen, damit kein bedürftiges Kind übersehen wird. „Vor allem würden wir uns über mehr Vereine freuen, denn dort kann man schnell erkennen, wenn ein Kind Hilfe benötigt“, betont Gaby Römers.

Interessierte können sich beim Koordinator Wilhelm Haustein im Jugendamt der Stadt Eschweiler melden: Telefon 71390. Weitere Ansprechpartner entnehmen Sie bitte der Übersicht links.

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