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Immer mehr Menschen nehmen Berufseingliederungshilfe in Anspruch

Von: ran
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Sehen in der Betreuung von Menschen mit psychischer Behinderung eine wachsende Herausforderung für die Gesellschaft: Nicole Bongartz (links), Fredi Gärtner und Liliane Siebert. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die im Jahre 2009 zwischen dem Landschaftsverband Rheinland sowie der Caritas-Behindertenwerk GmbH geschlossene Zielvereinbarung sieht vor, vor allem den Übergang der Mitarbeiter aus der Werkstatt auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern und zu forcieren.

Ein hoch gestecktes Ziel, zeigt die Erfahrung des Alltags doch, dass heutzutage zahlreiche junge Menschen als „nicht ausbildungsfähig” angesehen werden müssen. Dies gilt nicht nur für Personen mit einer geistigen Behinderung, sondern in zunehmenden Maße auch für Menschen, deren emotionale Entwicklung und soziale Kompetenz unzureichend sind. „Wir sprechen bei dieser Gruppe von Menschen mit herausforderndem Verhalten”, erklärt Fredi Gärtner, Leitung Sozialer Dienst und Fachberater Berufliche Bildung der Caritas-Behindertenwerk GmbH.

Um sich auch diesen Werkstattmitarbeitern intensivst widmen zu können, wurde vor rund zwei Jahren eine sogenannte „Service-Gruppe” ins Leben gerufen, in der sich die Bezugsbetreuer Jasmin Jörres und Leonhard Hammes um bis zu acht Jugendliche kümmern. „Auch hier lautet unser Ziel, die Gruppenmitglieder in den Arbeitsbereich zu platzieren. Doch zunächst sollen sie einmal ankommen, eine Beziehung zu den Betreuern aufbauen. Im Vordergrund steht eindeutig die Verbesserung der sozialen Kompetenz”, so Ferdi Gärtner, dem bewusst ist, dass die gesellschaftliche Entwicklung ein weiteres Problem mit sich bringt. „Wir treffen immer häufiger auf Menschen mit einer psychischen Behinderung.”

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 1997 mit sieben Personen in Röhe gestartet, werden inzwischen im Werk 4 in Weisweiler 100 Menschen mit einer psychischen Behinderung betreut. Um den steigenden Bedarf abdecken zu können, wurde nun vor wenigen Wochen das Werk 4a in Herzogenrath-Kohlscheid eröffnet, in dem momentan 50 Mitarbeiter der GmbH beschäftigt sind. „Unsere Klienten leiden unter anderem unter Depressionen, Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen wie Zwängen oder Phobien”, macht Betriebsleiterin Liliane Siebert deutlich. Und: Viele von ihnen haben bereits eine berufliche Karriere hinter sich, wurden aber durch private oder berufliche Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen.

„Wir betreuen Akademiker, aber auch Handwerker, die viele Fähigkeiten mitbringen, aus bestimmten Gründen aber derzeit nicht für den allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen”, ergänzt Nicole Bongartz, Mitarbeiterin Sozialer Dienst.

Ist die Anmeldung in der Werkstatt erfolgt, geht es zunächst ins Erstkontaktgespräch, bei dem die Vorstellung des Klienten zu seinem weiteren Werdegang im Mittelpunkt steht. „Dann stellen wir unsere Arbeitsbereiche vor. Die entscheidende Frage lautet, welcher Beruf macht für den Patienten Sinn? Hat er zum Beispiel Mobbing-Erfahrungen machen müssen, kann es durchaus sein, dass wir uns in eine völlig andere Richtung als bisher orientieren”, erläutert Nicole Bongartz.

Ein wichtiger Aspekt bei der Betreuung von Menschen mit psychischer Behinderung sei aber die Tatsache, dass nicht wenige von ihnen dazu neigten, sich zu überschätzten. „Deshalb ist eines der Module im Berufsbildungsbereich die Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheit”, betont Liliane Siebert.

Bietet die Caritas-Behindertenwerk GmbH den Menschen mit psychischer Behinderung einen strukturierten Tagesverlauf, leben die Klienten abseits des Arbeitsplatzes meistens in autarken Wohnformen, sei es alleine (mit geringfügiger Betreuung) oder in Wohngemeinschaften. Auch hier steht über allem das Ziel, den Klienten wieder in die Lage zu versetzen, am allgemeinen Arbeitsmarkt teilnehmen zu können.

„Manchmal dauert dies viele Jahre, manchmal geht es schneller”, weiß Nicole Bongartz. Der Zeitraum von zwei Jahren, der für die berufliche Rehabilitationsmaßnahme vorgesehen ist, reicht allerdings nur in sehr seltenen Fällen aus. „Die Rückkehr in den beruflichen Alltag ist oft äußerst angstbesetzt”, nennt die Mitarbeiterin Sozialer Dienst das Problem. „Aus diesem Grund brauchen wir Arbeitgeber als Partner, die bereit sind, sich darauf einzulassen, einen Menschen mit psychischer Behinderung einzustellen”, weiß auch Fredi Gärtner um die Schwierigkeit. Und bleibt realistisch: „Eine Rückkehr in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ist und bleibt die Ausnahme.”

Besser sieht es bei den sogenannten „betriebsintegrierten Arbeitsplätzen” aus. Hier bleibt der Klient Angestellter der Caritas-Behindertenwerk GmbH, arbeitet aber an einem anderen Arbeitsplatz. Dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Menschen mit psychischer Behinderung in Zukunft weiter steigen wird, liegt für Liliane Siebert, Nicole Bongartz und Fredi Gärtner auf der Hand. Deshalb dürfte der Ausbau des Werks 4a in Herzogenrath-Kohlscheid schon bald auf der Tagesordnung stehen.

Arbeitsangebote an Privat- und Großkunden

Die Arbeitsbereiche in den Werken 4 (Weisweiler) und 4a (Herzogenrath-Kohlscheid) sind Küche, Wäscherei (für Privat- und Großkunden), Industrienäherei, Gartengruppe (ebenso für Privat- und Großkunden), Montage und Verpackung, Elektromontage, Büro und Organisation, Lager und Logistik, Mediencenter sowie Einzelarbeitsplätze bei der Städteregion, im Kindergarten und im Krankenhaus.

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