Aachen 2025

IGBCE-Mitglieder diskutieren Flüchtlingssituation

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
13073250.jpg
Berichtete über Einwanderung im historischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Kontext: Ewald Braun, Arbeitskreis „Bildung“ der IGBCE Alsdorf. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist eine Frage, die in Deutschland seit Jahrzehnten ernsthaft diskutiert werden müsste, um deren klare Beantwortung sich die politisch Verantwortlichen aber ebenso lange drücken: „Deutschland, ein Einwanderungsland?“

Während ihrer Mitgliederversammlung widmeten sich nun auch die Mitglieder der Ortsgruppe Dürwiß/Neu-Lohn/Kinzweiler der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) diesem Thema, das auf Grund der aktuellen Flüchtlingssituation mehr denn je im Fokus steht.

Der Vorsitzende Norbert Keutmann begrüßte in der Begegnungsstätte an der Nagelschmiedstraße in Dürwiß mit Ewald Braun einen Mitarbeiter des Arbeitskreises „Bildung“ der IGBCE Alsdorf, der seinen Zuhörern im Rahmen eines kurzen Vortrags den Begriff „Einwanderung“ sowohl unter historischen als auch rechtlichen Gesichtspunkten näherbrachte und dabei auch die Unterschiede zur Zuwanderung, zur Migration und zum Asyl aufzeigte, bevor sich eine lebhafte Diskussion unter den Gewerkschaftsmitgliedern entwickelte.

Immer wieder Einwanderung

„Das Gebiet des heutigen Deutschlands ist historisch immer wieder Ziel von Einwanderungswellen gewesen. So wurden bereits im 16. und 17. Jahrhundert die in Frankreich aus religiösen Gründen verfolgten Hugenotten als fähige Handwerker offensiv vom Staat Preußen angeworben. Nicht wenige von diesen Zuwanderern sind auch in unserer Region ansässig geworden“, blickte Ewald Braun zu Beginn seiner Ausführungen weit in die Vergangenheit.

Weitere Beispiele folgten: Im Zuge der Industrialisierung seien im 19. Jahrhundert polnische und italienische Arbeiter gekommen, während gleichzeitig mehr als fünf Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert seien. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hätten dann zwölf Millionen Heimatvertriebene aus dem Osten den Weg sowohl in die Bundesrepublik als auch in die Deutsche Demokratische Republik gefunden.

„Auf Grund des Arbeitskräftemangels während des Wirtschaftswunders hat die Bundesrepublik dann Menschen vor allem aus dem Süden Europas angeworben, die fälschlicherweise als Gäste auf Zeit angesehen wurden, aber in Deutschland blieben“, erklärte der Bildungsbeauftragte.

Der Zerfall der Sowjetunion und die Kriege im ehemaligen Jugoslawien seien Ereignisse der jüngeren Vergangenheit, die Menschen veranlasst hätten, zu versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Doch warum tun sich die Menschen in Deutschland so schwer mit dem Begriff Einwanderung? „Ich denke, in vielen Köpfen ist fest verankert, kein Einwanderungsland sein zu wollen!“, so Ewald Braun.

Dabei könnten Migranten eine wichtige und positive Rolle bei der Bewältigung des Problems „Demographischer Wandel“ spielen. „Der geburtenstärkste Jahrgang wurde 1964 verzeichnet. Die damals Geborenen sind nun 52 Jahre alt und gehen in absehbarer Zeit in Rente. Jeder kann sich also ausrechnen, was dies bedeutet!“ Die Migranten könnten eine große Hilfe sein. Voraussetzung sei allerdings eine gelingende Integration.

Und genau dort sei in der Vergangenheit vieles falsch gemacht worden. „Diese Fehler haben dazu geführt, dass zahlreiche Migranten der dritten Generation in Deutschland nach wie vor nicht angekommen sind. Als Folge sind Parallelwelten entstanden, die soziale Unruhen verursachen“, stellte Ewald Braun besorgt fest, um kurz darauf rechtliche Grundlagen der Einwanderung zu benennen.

So beabsichtige ein Einwanderer im Gegensatz zum Zuwanderer, der vor allem seit Inkrafttreten des Freizügigkeitsgesetzes im Jahr 2006 aus der Europäischen Union stamme, nicht nur dauerhaft seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland zu unterhalten, sondern auch die Staatsbürgerschaft anzunehmen. Als Beispiel für ein Einwanderungsland führte Ewald Braun Kanada an, das konsequent auf Einwanderung setze, sich „seine“ Einwanderer aber nach einem Punktesystem gezielt aussuche und dabei hohe Anforderungen in Sachen Qualifizierung stelle.

„In Deutschland ist dagegen die Abneigung gegen Einwanderung groß. Ängste, aber auch Unwissen spielen dabei eine entscheidende Rolle!“ Nach Meinung von Ewald Braun durchaus unbegründet, schließlich biete das auf der Welt einmalige Duale Berufsausbildungssystem große Chancen, Zuwanderer hervorragend einzubinden. Ein Lichtblick sei das Land Baden-Württemberg, das besonders unter dem vielbeschworenen Fachkräftemangel leide und im Herbst dieses Jahres einen Pilotversuch starte, per Punktesystem Zuwanderung zu steuern.

Integrationspolitik gescheitert

Im Laufe der Diskussion äußerten die Gewerkschafter die Meinung, dass es die deutsche Industrie versäumt habe, Fachkräfte in ausreichender Zahl auszubilden. Das Anwerben von Fachkräften und die Integration von Flüchtlingen ohne Ausbildung seien zwei vollkommen verschiedene Dinge. Darüber hinaus sei die Integrationspolitik der zurückliegenden 40 Jahre komplett gescheitert, was nicht zuletzt auf eine schwerfällige Bürokratie zurückzuführen sei.

Die Integration von Menschen, egal ob Ein- oder Zuwanderer, Migranten oder Asylsuchende, fordere viel von allen Beteiligten. Auf beiden Seiten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert