„Hunde-Führerschein“: Frauchen geht mit dem Hund oder umgekehrt

Von: Sonja Essers
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Trainerin Birgit Busse und ihr zweijähriger Schäferhundrüde Ollex haben die Begleithundprüfung bereits erfolgreich bestanden. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Bergrath. Wenn Brigitte Krawerczinski mit ihrer Hündin Bonny spazieren ging, dann lief das nicht immer problemlos ab. „Bonny war ein Hund, der immer an der Leine gezogen hat“, sagt sein Frauchen und fügt hinzu. „Ich bin nicht mit ihr spazieren gegangen, sondern sie mit mir.“

Damit sich das ändert, macht Brigitte Krawerczinski nun mit ihrer Bonny den „Hunde-Führerschein“. Mittlerweile kann die Indestädterin über Bonnys Verhalten lachen, doch danach war der Hundeliebhaberin nicht immer zumute. Ihre zweijährige Hündin Bonny, die eine Mischung aus Beagle und Jack-Russel-Terrier ist, liebt das Jagen. Das wurde zum Problem. „Sobald ich sie von der Leine gelassen habe, ist sie über die Felder gerannt.“ Auf Rufe ihrer Hundemama hörte sie nicht und das wurde der Hündin fast zum Verhängnis. „Sie ist schon einmal angefahren worden“, sagt Brigitte Krawerczinski. Passiert ist ihr nichts.

Dass das Thema Hund auch negative Seiten mit sich bringt, weiß Ordnungsamtsleiter Edmund Müller. Anleinpflicht und Hundekot, der nicht weggemacht werde, seien in der Indestadt große Probleme. Wer dabei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld bis zu 30 Euro rechnen. Anleinpflicht gelte für die Vierbeiner überall dort, wo eine geschlossene Bebauung sei, sagt Müller.

In Parkanlagen sei dies jedoch anders geregelt. Dort können kleine Hunde – also Vierbeiner, die kleiner als 40 Zentimeter und leichter als 25 Kilogramm sind – ohne Leine laufen. Vorsichtig geboten ist auch in Feldern und im Wald. Dort dürfen die Tiere zwar ohne Leine laufen, müssen jedoch auf den Wegen bleiben.

Auf „Stress“ beim Spaziergang will Brigitte Krawerczinski künftig verzichten. Deshalb kommt sie jeden Samstag auf den Bergrather Hundeplatz. Auf dem Gelände der Ortsgruppe Eschweiler des Vereins für deutsche Schäferhunde nehmen sie und ihre Hündin am Kurs „Vom Hund zum Begleithund“ teil. Zum vierten Mal ist sie nun dabei und erzählt, dass ihre Hündin große Fortschritte gemacht hat. „Platz“ sagt sie und Bonny legt sich hin. Daraufhin streichelt die Besitzerin der Hündin liebevoll über das weiche Fell.

Die Indestädterin ist stolz auf ihre Bonny. Schließlich habe sie lange mit ihr geübt. Wie wichtig die regelmäßigen Wiederholungen für die Vierbeiner sind, weiß Melanie Oelbracht. Mit Auguste Oelbracht und Birgit Busse leitet sie den Kurs und meint: „Ein Hund braucht 100 bis 150 Wiederholungen um zu wissen, was er überhaupt machen soll. Bis sich eine Übung festigt, sind 1000 Wiederholungen nötig.“

Davon sind Mops Marly und sein Frauchen Margret Krauß noch weit entfernt. Das Gespann ist an diesem Tag zum zweiten Mal dabei. Die Kommandos „Sitz“ und „Platz“ klappen schon ganz gut. „Wichtig ist, dass man viel Geduld hat und versteht, dass es nicht von jetzt auf Gleich klappt“, meint Birgit Busse.

Neben dem Grundgehorsam und dem Gehen an der lockeren Leine, werden die Vierbeiner auch mit Alltagssituationen konfrontiert. Schließlich seien Spaziergänge eine besondere Herausforderung, sagt Melanie Oelbracht. An spielende Kinder, Fahrradfahrer, Jogger und Lärm können sich die Tiere so gewöhnen.

Die erfahrene Trainerin weiß, dass in den meisten Fällen nicht nur der Vierbeiner falsch reagiert. „Oft ist es das Herrchen, das sich umstellen muss.“

Der Kurs soll die Bindung zwischen Hund und Mensch stärken. „Man braucht für jedes Training eine Vertrauensbasis zwischen Hund und Hundeführer“, sagt Oelbracht und ergänzt: „Wir arbeiten über Motivation und Konsequenz, denn daran mangelt es oft.“

Momentan sind in der Inde-stadt rund 4000 Hunde gemeldet. Die Vierbeiner, die eine Größe von 40 Zentimetern und ein Gewicht von 25 Kilogramm überschreiten, beschäftigen auch das Ordnungsamt. Bei den größeren Hunden seien vor allem Golden Retriever und Labradore beliebt, bei den kleineren Vierbeinern seien Jack Russel Terrier häufig vertreten, sagt Edmund Müller.

Von den sogenannten gefährlichen Hunden, zu denen die Rassen Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier gehören, gibt es in der Indestadt 19 Exemplare. Zu den Hunden bestimmter Rassen, die auch gefährlich sein können, zählen die Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espagnol, Mastino Napolentano, Fola Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu zählen. Davon gibt es in Eschweiler 49 Tiere.

Diese Rassen müssen nicht nur überall angeleint werden, sondern auch einen Maulkorb tragen. Außerdem müssen die Besitzer beim Ordnungsamt nachweisen, dass sie mit dem Tier eine Verhaltensprüfung abgelegt haben.

Auf dem Bergrather Hundeplatz sind Hunde jeder Rasse willkommen. Nach einem kostenlosen Probetraining werden für zehn Einheiten 80 Euro berechnet. Auguste Oelbracht, Birgit Busse und Melanie Oelbracht verdienen daran jedoch nichts. „Wir machen das ehrenamtlich, weil es uns einfach Spaß macht“, sagt Melanie Oelbracht.

Nach zehn bis 20 Stunden sollen die Teilnehmer fit für die Prüfung sein. „Wenn die bestanden wird, bekommen die Besitzer eine Bescheinigung darüber, dass ihr Hund einen gewissen Grundgehorsam an den Tag legt“, sagt Melanie Oelbracht.

Doch auch der Spaß soll bei den Vierbeinern und ihren Besitzern nicht zu kurz kommen. Aus diesem Grund treffe man sich auch bei schlechtem Wetter. Schließlich bräuchten die Hunde auch dann eine sinnvolle Beschäftigung, sagt Melanie Oelbracht.

Die Möglichkeiten seien zahlreich. Besonders beliebt seien Intelligenzspiele, bei denen die Tiere versteckte Gegenstände suchen oder Dinge mit ihren Pfoten hin- und herschieben müssen.

Nach rund einer Stunde ist das Training beendet. Melanie Oelbracht ist zufrieden. „Es ist schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn der Hund etwas gelernt hat“, sagt sie.

Wer sich über den Kurs „Vom Hund zum Begleithund“ informieren will kann dies telefonisch bei Melanie Oelbracht unter Telefon 0170/9332596 oder im Internet unter www.sveschweiler1920.de tun. Interessierte können sich den Kurs auch samstags ab 13 Uhr auf dem Gelände des Schäferhundvereins Im Feld 20 in Bergrath anschauen.

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