Eschweiler - Hormone halten die Ähren stark und kurz

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Hormone halten die Ähren stark und kurz

Von: Andreas Gabbert
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Zu kurz und zu dick: Der ehema
Zu kurz und zu dick: Der ehemalige Landwirt Albert von Broich glaubt, dass die kurzen Ähren auf den Einsatz der chemischen Keule zurückzuführen sind. Die Landwirtschaftskammer verweist auf die Witterungsbedingungen im Frühjahr. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Skeptisch blickt Albert von Broich auf die Ähren, die sich in der Nähe von Eschweiler sanft im Wind wiegen. Früher war der 57-jährige Wirt aus Dürwiß einmal Landwirt - 30 Jahre ist das jetzt her. Was er zurzeit auf den Feldern rund um Eschweiler sieht, gefällt ihm nicht.

Die Halme des Getreides sind seiner Meinung nach zu kurz und zu stabil. Er glaubt, dass hier massiv mit der der chemischen Keule zu geschlagen wurde, um das von den Landwirten gefürchtete Lagergetreide zu vermeiden. Die recht frischen Fahrspuren in den Feldern sind für ihn ein weiterer Beleg seiner Vermutung.

Von Lagergetreide spricht man, wenn die Ähren aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts von Wind und Wetter auf den Boden gepresst werden. Die Folge sind Verluste bei der Ernte, da die Pflanze Energie verbraucht, um sich wieder aufzurichten. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Körner durch die Nässe in Bodennähe anfangen zu keimen.

Auch wenn von Broich Vermutungen bei der Landwirtschaftskammer eher für Erheiterung sorgen, liegt er mit seiner Vermutung nicht ganz falsch. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und hormonellen Wachstumsreglern ist in der konventionellen Landwirtschaft gang und gäbe. In diesem Jahr sei aber die Witterung für die starken kurzen Halme verantwortlich, sagt Jörg Klingenmayer, Pflanzenbauberater bei der Landwirtsschaftskammer. Das Frühjahr sei sehr trocken und „lichtintensiv” gewesen. Deshalb seien die Getreidebestände in diesem Jahr kurz geblieben.

Vergleichbar sei das mit dem Vorkeimen von Kartoffeln, wenn die zuviel Licht abbekämen würden sie grün bleiben. Aufgrund dieser Entwicklung habe die Landwirtschaftskammer diesmal vom Einsatz von Wachstumsreglern abgeraten, bezeihungsweise nur geringe Mengen einzusetzen. „Die Produkte greifen in den Hormonhaushalt der Pflanze ein. Wenn die Pflanze Stress hat, wäre das eine zustätzliche Belastung und würde am Ende wieder zu geringeren Erträgen führen”, erklärt Klingenmayer. Die Halme seien in diesem Jahr auch stabiler, da aufgrund der Witterungsbedingungen weniger Halme pro Quadratmeter gewachsen seien.

„Wachstumsregler stellen ein wichtiges Betriebsmittel für die intensive Planzenproduktion dar. Ihr optimaler Einsatz setzt Kenntnisse über ihre Wirkungsweise voraus. Denn Wachstumsregler greifen in unterschiedlicher Weise in den Hormonhaushalt der Getreidepflanzen ein und steuern so deren Wachstum”, heißt es in einem Leitfaden zum Einsatz von Wachstumsreglern der Firma Bayer. Bedenklich findet Klingenmayer das nicht, der Einsatz von Hormonen dürfe nicht dramatisiert werden: „Viele Frauen nehmen ja auch die Antibaby-Pille.”

Albert von Broich sind aber nicht nur die Getreidefelder rund um Eschweiler aufgefallen, den Zustand der Kartoffeläcker findet er ebenso bedenklich. In der ganzen Umgebung gebe es kaum noch ein grünes Kartoffelfeld, viele seien bereits braun oder gar schwarz, sagt von Broich. Er findet das nicht normal. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Produkt, was da rauskommt nicht schädlich für die Verbraucher ist”, sagt der ehemalige Landwirt mit Blick auf ein schwarzes Kartoffelfeld. Er vermutet, dass hier nachgeholfen wurde.

Einsatz von Herbiziden

Diese Vermutung kann Klingenmayer bestätigen. Normalerweise stirbt das Kraut der Pflanzen am Ende der Vegetationszeit ab. Es ist aber durchaus üblich, dass das Kraut abgetötet wird, wenn die Knollen groß genug sind. Diese so genannte Abreifebehandlung kann mechanisch oder durch den Einsatz von Heribiziden erfolgen.

Dafür gibt es laut Klingenmayer mehrere Gründe. Zum einen verlange der Handel Kartoffeln mit einem Durchmesser von 30 bis maximal 60 Millimeter. „Der Landwirt muss irgendwann etwas unternehmen, bevor die Knollen zu groß werden”, sagt Klingenmayer. Zum anderen darf die Kartoffel nicht zu mehlig werden, damit sie beim Kochen nicht auseinander fällt. Solange das Kraut noch grün ist, wandelt die Pflanze Sauerstoff in Stärke um. Außerdem sollen die Kartoffeln schalenfest sein, „der Markt besteht darauf”. Die Knolle gerät aber erst richtig zur Reife, wenn das Kraut bereits abgestorben ist.

Das Wachstum der Kartoffel müsse also rechtzeitig gebremst werden, um diese Anforderungen zu erfüllen, sagt Klingenmayer. Und das sei in diesem Jahr eben oft schon Ende Juli geschehen, da die Pflanzen bedingt durch die Witterungsverhältnisse im Frühjahr schnell gewachsen seien.

Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft sind im ökologischen Anbau keine synthetisch hergestellte Dünger und Pflanzenschutzmittel zugelassen. Das sei ein wichtiger Bestandteil der Regularien, sagt Christoph Dahlmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Abgestorbene Kartoffelfelder seien aber auch dort zu beobachten, zum Beispiel könnten schlechte Witterungsverhältnisse die Kraut- und Knollenfäule mit sich bringen.
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