Hommage an Chopin: „Literarisch-musikalische Revue”

Von: jope
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Otto Rampelt schaffte es, das Leben und Werk Frédéric Chopins an einem Abend im Kulturzentrum Talbahnhof kurzweilig vorzustellen: in Wort, Musik und Bildern. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. „Chopin-Jahr?” Ach ja, da war doch etwas - nämlich der 200. Geburtstag von Polens großem Musensohn, der sich und sein Genie der ganzen Welt schenkte. Fast wäre dies nach Würdigungen rund um seinen Gedenktag im vergangenen Spätwinter wieder vergessen, wenn nicht im Kulturzentrum Talbahnhof kurzweilig wieder daran erinnert worden wäre.

Otto Rampelt ist passionierter Musikliebhaber und in unserer Region Präsentator musikalischer Lesungen oder literarischer Konzerte. Ihm gelang Beachtenswertes: Das Leben des Komponisten verteilt auf zweieinhalb Stunden in Wort, Musik und anhand von Bildern „nacherlebbar” zu machen.

Nicht die Demonstration von Virtuosität war Ziel und Ergebnis des Abends, sondern die Einbettung von angespielten Klaviern-Werken, literarischen Zeugnissen und fundierten Anmoderationen in ein „Gesamtkunstwerk”: keine Performance im modischen Sinne, sondern eine alle Sinne ansprechende biografisch-musikalische Revue.

Der Abend im ausverkauften Talbahnhof begann mit dem Erstlingswerk Chopins, einem Prlude des Siebenjährigen, und endete mit dem Largo Es-Dur. Letzteres (mit eingebauter Nationalhymne „Noch ist Polen nicht verloren”) erklang unter anderem neben dem von Rampelt angestimmten berühmten „Trauermarsch” bei Chopins Totenmesse.

Zwischen diesen Eckpunkten eines kurzen wie romanhaften Lebens entfaltete Otto Rampelt ein interessantes individuelles und Gesellschafts-Panorama. Da erstanden viele schillernde Persönlichkeiten im Umfeld des eher scheuen Chopin auf der Bühne: Franz Liszt, Robert Schumann (Otto Rampelt zitierte lobende Worte des anderen „200-Jährigen”) und nicht zuletzt die Dichterin George Sand. Wie der extrovierte „Blaustrumpf” das Herz des sensiblen Polen eroberte und welche schönen und bedrückenden Ereignisse die beiden gemeinsamen erlebten, war ein weiteres Lebenskapitel Chopins, das Otto Rampelt aufschlug.

Das auf Mallorca komponierte „Regentropfen-Prélude” mit seinem Wechsel von drückender Monotonie (Regen), „orchestralen” Ausbrüchen (Gewitter) und heiterer Monotonie (balearische Himmelbläue danach) gehörte ebenso zu starken musikalischen Darbietungen des auswändig aufspielenden Otto Rampelts, wie der aus einer enttäuschten Liebe erwachsene „Trauermarsch” sowie die einfühlsamen kantilenenhaften Nocturnes. Mut bewies der Interpret bei der Aufführung der „melodielosen” Polonaise A-Dur mit ihren wild aufbrechenden, fanfarenartigen Akkorden.

Erläuternd in Wort und nachzeichnend in Musik, drang Otto Rampelt immer weiter in das Werk und Gefühlsleben Chopins ein: Dieser verwandelte die Gattung der Etüden von Finger-Übungen zu kleinen Werken mit Tiefgang und seine Walzer (schön gespielt der Karlsbader Abschiedswalzer) atmeten die lyrisch-zarte Stimmung vornehmer Zurückhaltung.

Otto Rampelt: „Im Gegensatz zu Liszt, der das große Publikum liebte, fühle sich Chopin in der intimen Atmosphäre des Salons wohler”. Ja, auch das war ein Vorzug des Eschweiler Chopin-Abends: Der Interpret und Moderator sparte nicht mit Vergleichen und der Einordnung Chopins in sein musikalisches Umfeld. Das alles war lehrreich, ohne belehrend zu wirken - ein Fest für die Sinne.
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