Radarfallen Blitzen Freisteller

Hohe Belastung: Hilferufe ertönen aus der Feuerwache

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
8820437.jpg
df
8820394.jpg
Johnen und Pütz

Eschweiler. In der Feuerwache brennt der Baum zwar noch nicht, aber es zündelt an vielen Ecken. Die enorme Belastung der Eschweiler Feuerwehrleute in den vergangenen Monaten hat ihre Spuren hinterlassen. Manches Mitglied der Wache beschwert sich nach unseren Informationen bereits intern über Missstände. Die hohe Zahl an Überstunden spricht Bände.

Auch die Wehrleitung bestätigt die „hohen Anforderungen“ und ein „hohes Einsatzaufkommen in diesem Sommer“, den Problemen wollen sie mit einer „intelligenten Einsatzplanung“ begegnen.

„Brandschutz gesichert“

Bürgermeister Rudi Bertram, der bei größeren Einsätzen regelmäßig in der Rettungs- und Feuerwache am Florianweg ist, legt vor allem auf eine Feststellung Wert: „In Eschweiler ist der Rettungs- und Brandschutz jederzeit gesichert.“ Der Verwaltungschef lobt den hohen Einsatzwillen der Feuerwehrleute und verweist auf andere Kommunen, die auf eine hauptamtliche Feuerwehr verzichten. „So lange ich Bürgermeister bin, wird es in Eschweiler immer eine hauptamtliche Wache geben“, betont er.

In den vergangenen Tagen kamen jedoch Informationen an die Öffentlichkeit, die nachdenklich machen. Und dies betrifft nicht nur die 10.000 Überstunden der über 50 Feuerwehrleute, die sich innerhalb einiger Monate anstauten. Auch andere Zahlen untermauern, dass die Belastungen der Mitarbeiter in der Feuerwache an ihre Grenze stößt. Drei Wachabteilungen – jede Abteilung besetzt eine 24-Stunden-Schicht – verrichten am Florianweg ihren Dienst. Jede bestehe aus 15 Mann und einem Schichtführer, sagt Wachleiter Axel Johnen. Bei einem Brandalarm müssen mindestens fünf Feuerwehrleute ausrücken: drei in einem Löschfahrzeug, zwei im Rettungswagen. Läuft parallel ein weiterer Rettungseinsatz, sind weitere zwei Personen unterwegs. Auch nicht zu vergessen: Rettungswagen müssen anschließend wieder hergerichtet, die Medikamente und Verbandsmaterialien aufgefüllt und manchmal auch desinfiziert werden. Auch das bindet Personal.

Wenn es nun wie in diesem Sommer zu vielen Einsätzen parallel kommt, dann reicht die einfache Schichtstärke bei weitem nicht mehr aus. „Wir greifen dann auf ein ausgeklügeltes System mit den freiwilligen Kräften zurück“, berichtet Pütz. Wie viele Ehrenamtler kommen, weiß die Wehrleitung allerdings nie genau. Aber: „Wir konnten uns bisher immer auf unsere 280 Freiwilligen verlassen.“ Parallel zu jedem Feuerwehreinsatz kommen schließlich die Rettungs- und Krankenfahrten. Im laufenden Jahr wurde der Rettungsdienst schon 7954 Mal gerufen. Tendenz steigend. Johnen rechnet vor: „Jede Schicht fährt im Schnitt 29 Rettungs- und zwischen zwei und drei Feuereinsätze pro Tag.“ Kling zunächst einmal nicht viel, wenn es nicht die unterschiedlichsten Formen von Einsätzen gäbe. So wird rechnerisch nur die erste Fahrt erfasst. Dass in den Starkregen im Sommer gleich reihenweise die Keller parallel vollliefen und die Feuerwehrleute stundenlang beschäftigten, schlüsselt die Statistik nicht auf.

Bedarfsplan von 2008

In der Stadtverwaltung hat man sich auf einen Personalschlüssel geeinigt, der jede Funktion fünffach besetzt. Aktuell beschäftigt die Stadt 58 hauptamtliche Feuerwehrleute – der Stellenplan im Städtischen Haushalt weist noch 51 Personen auf. Vier Brandmeisteranwärter in der Ausbildung zählen dazu, fahren bei den Einsätzen jedoch mit. Der Ordnungsamtsleiter Edmund Müller geht von einer Sollstärke der Wehr von 55 Personen aus. „Diese erfüllen wir“, sagt er. Durchaus möglich sei, dass sich dieser Schlüssel in naher Zukunft ändere, da ein neues Gesetz angekündigt sei, dass den Rettungs- und Brandbedarfsplan beeinflusse. So lange wolle man abwarten. Der Brandschutzbedarfsplan stammt aus dem Jahr 2008. Ebenfalls geregelt: die Grundlagen für Beförderungen. Wer bestimmte Lehrgänge besucht, hat Chancen aufzusteigen. Aber: Die Stadt unterliegt einem Personalentwicklungskonzept, dass einen Beförderungsstopp vorsieht. Überstunden werden in Freizeit angerechnet oder ausgezahlt – jeder Wehrmitglied kann wählen. 90.500 Euro zahlte die Stadt nach eigener Aussage im vergangenen Jahr dafür.

Dass die Unzufriedenheit wächst, war nun aus Wehrkreisen zu hören. So rechnete man uns vor, warum die Personalstärke bei weitem nicht ausreiche: Zu einer Schicht müsse der Schichtführer, vier Personen für die zwei Rettungswagen, zwei Personen in der Leitstelle und sechs Personen im Brandschutz gerechnet werden. Multipliziere man dies mit dem Faktor 5, dann komme man auf 65 Personen. Noch nicht hineingerechnet sei der Krankentransportdienst, der ebenfalls zu erfüllen sei. „Wir müssen Ruhezeiten einhalten – kommen aber einfach nicht dazu“, heißt es. Durch die Personalknappheit könne man auch die Rettungsfristen oft nicht einhalten. Die Wehrleitung und Stadtverwaltung bestreiten dies. Auf die Personalstärke in der Eschweiler Berufsfeuerwehr angesprochen, sagt Wachleiter Axel Johnen: „Es können immer mehr sein.“

Ebenfalls ein Kritikpunkt: die Ausstattung und der Zustand der Feuerwache. Die stammt aus dem Jahr 1988. Zum 125-jährigen Bestehen der freiwilligen Feuerwehr in Eschweiler wurden nun einige Räume gestrichen. Im nächsten Jahr nimmt die Stadt nun Geld in die Hand. 1,1 Millionen Euro sollen die Sanierung und der Ausbau der Wache kosten.

Dass zahlreiche Wehrleute das Weite suchen, relativiert Stadtbrandinspektor Harald Pütz: „Seit 2008 sind 15 Feuerwehrleute gewechselt.“ Gemessen an Unternehmen sei dies wenig. Er sieht diese Zahl auch gelassen: „Manch einer fühlt sich unter 500 Kollegen wohl, andere suchen das familiäre Miteinander.“

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert