Hoffnungsschimmer zeigt Weg aus Düsternis häuslicher Gewalt

Von: Rudolf Müller
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Häusliche Gewalt, das sind lÀ
Häusliche Gewalt, das sind längst nicht nur die Schläge, die Frauen von ihren Männern Foto: imago/Milestone Media

Eschweiler. Seit mehr als 20 Jahren lassen die Bilder und Emotionen sie nicht los. Rund fünf Jahre lang ist Andrea (Name von der Redaktion geändert) als Kind von ihrem Vater missbraucht worden. Mit 14 Jahren hat sie ihn angezeigt. Er wurde verurteilt - „sehr milde”, sagt Andrea.

Doch das Martyrium war damit nicht vorbei. „Obwohl ich ja das Opfer war, hatte ich jahrelang das Gefühl, jeder zeigt mit Fingern auf mich”, erzählt die heute 36-Jährige. Zwei Ehen scheiterten. Gesundheitlich ging es mit ihr bergab. Vor fünf Jahren erlitt Andrea einen Zusammenbruch, kam in ärztliche Behandlung, in Reha und Gruppentherapie.

Aus der Nachbarstadt, in der sie zu Hause war, zog sie nach Eschweiler, um im wahrsten Sinne des Wortes Abstand zu ihrer belastenden Vergangenheit zu gewinnen. Als sie sich zudem einer Selbsthilfegruppe anschließen wollte, musste sie Erstaunliches feststellen: Eine solche Gruppe gibt es in der gesamten Städteregion nicht.

Dabei ist die Zahl derer, die von Missbrauch und anderen Facetten häuslicher Gewalt betroffen sind, immens. Genaue Zahlen sind aufgrund hoher Dunkelziffern kaum zu bekommen, doch sowohl Polizei als auch z.B. der Sozialdienst der Städteregion können manch erschütterndes Lied von Gewalt in Familien singen.

Zu häuslicher Gewalt zählen neben körperlichen Angriffen wie Schlagen, Würgen, Beißen u.a. auch Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch, aber auch Drohungen, Nötigung, Nachstellen (Stalking), Freiheitsberaubung, Beschimpfung, Bevormundung, Demütigung, Einschüchterung, Manipulation, Verbote, Kontrolle und Bespitzelung von Sozialkontakten, Verbot oder Zwang zur Arbeit, kein Zugang zum gemeinsamen Konto und Beschlagnahme des Lohns.

Andrea, die heute mit einem verständnisvollen Partner zusammenlebt, der sie zu diesem Schritt ermutigte, wandte sich an Pfarrer Dieter Sommer, Seelsorger an der Dreieinigkeitskirche und an der Uni München geschulter Pastoralpsychologe. Sommer und das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler machten sich das Anliegen der jungen Frau ebenso zu eigen wie Astrid Thiel vom Selbsthilfebüro der Städteregion und das Team der Röher Parkklinik unter ihrem Leiter Dr. Wolfgang Hagemann.

„Im Rahmen meiner Gruppentherapie vor wenigen Jahren habe ich festgestellt, dass es wesentlich einfacher ist, sich im Gespräch mit Mitbetroffenen alles von der Seele zu reden als im Gespräch mit demTherapeuten”, sagt Andrea. „Es geht hier auch um einen Erfahrungsaustausch: Wie meistern Betroffene ihr Leben? Wie schaffen sie es, nicht total abzuschmieren?”

Gemeinsam mit Dieter Sommer hofft sie, dass sich möglichst viele Leute ein Herz fassen und die Gesprächsgruppe besuchen, der die Initiatoren den Namen „Hoffnungsschimmer” gegeben haben. Andrea weiß, dass es zu nichts Gutem führt, ihre Betroffenheit und Ängste für sich zu behalten, sondern dass man darüber reden und sich so davon befreien muss. Alle 14 Tage soll es ab Februar das Gesprächsangebot geben. Im Bedarfsfall auch öfter.
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