Hoffnung und Hilfe für Ärmste der Armen

Von: Rudolf Müller
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Eschweiler. Gut vier Jahre ist es her, dass Dr. Hans-Elmar Nick dem St.-Antonius-Hospital den Rücken kehrte und die Leitung der Abteilung für für Plastische Chirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie nach 17 Jahren abgab. Damals war er 60. Heute, mit 64, wirkt er wie ein dynamischer Mittfünfziger.

Und verbringt seine Freizeit mit dem, was er am besten kann: seine chirurgischen Fähigkeiten zum Wohl von Menschen einsetzen, die Hilfe brauchen. Frei von all dem bürokratischen Ballast, mit dem das Gesundheitssystem hierzulande befrachtet ist.

Dr. Hans-Elmar Nick ist der Kopf der Eschweiler Sektion von Interplast, dem gemeinnützigen Verein für Plastische Chirurgie in Entwicklungsländern. Seit gut 30 Jahren gibt es den Verein, und ebenso lange setzen Ärzte, Schwestern und Pfleger ihre Freizeit und ihr Können ein, um Opfern von Krieg und Gewalt, aber auch Verbrennungen und Fehlbildungen in den entlegensten und ärmsten Teilen der Welt zu helfen. Rund 80.000 Patienten konnten die Interplast-Teams bei gut 1000 Einsätzen bereits eine menschenwürdige, lebenswerte Zukunft ermöglichen: in Indien und Äthiopien, Madagascar und Bolivien, Vietnam und Nepal, Kamerun und Paraguay, Kambodscha und Ruanda, Russland und Sierra Leone, Myanmar und auf den Philippinen, um nur einige der Einsatzorte zu nennen.

Zwei Monate im Jahr ist der frühere Chefarzt mit Interplast-Teams unterwegs. Nach Einsätzen in Indien und Namibia war er Anfang des Jahres fünf Wochen in Nepal, wo Interplast eine ehemalige Leprastation renoviert und zu einem Hospital umgebaut hat.

Vor wenigen Tagen ist er aus dem ostafrikanischen Tansania zurückgekehrt. Aus dem Nirgendwo. Mitten in der Trockensteppe des Landes, „im absoluten Nichts“, so Nick, liegt Puma, wo der Orden der „Mütter des heiligen Kreuzes“ eine Missionsstation unterhält. An die 80 Nonnen und ihr Schülerinnen haben dort einen Brunnen angelegt, Salat und Gemüse angepflanzt, einen kleinen Kindergarten – und ein Krankenhaus eingerichtet. Unterstützt von einem Paten-Kloster in Bad Honnef, ist das Hospital „ganz gut ausgestattet“, weiß Nick, der jetzt mit einem Eschweiler Team dorthin reiste. Mit dabei: die OP-Schwestern Svenja Schieren und Saskia Noak, die Anästhesisten Dr. Andrea Ros und Dr. Ralf Graff und die Chirurgen Dr. Michael Schneeweiß und Dr. Hans Joachim Steinberg.

Und die hatten in Puma alle Hände voll zu tun. „Wenn Interplast-Teams sich irgendwo angekündigt haben, wird das vorab über Rundfunk verbreitet. Die Leute wissen ganz genau, an welchem Tag und in welcher Station die Teams eintreffen. Manche machen sich Tage vorher auf den Weg, um da zu sein, wenn die Ärzte kommen. Oft warten Hunderte Menschen vor dem Hospital – viel mehr, als wir behandeln können“, berichtet Nick.

Komplettbehandlung für 150 Euro

In zweieinhalb Wochen operierte das Team um Dr. Hans-Elmar Nick 61 Patienten, davon ein Drittel Kinder. Insgesamt wurden 70 Eingriff vorgenommen. „Und das waren diesmal nicht pure plastische Eingriffe, sondern alle möglichen: Tumoren, Verbrennungen, Schilddrüsen, Unfallverletzungen. Ein Patient kam mit offenen Beinfrakturen zu uns – und erst ein paar Tage später teilte er uns mit, dass er auch noch einen Arm mehrfach gebrochen hatte“, berichtet Hans-Elmar Nick.

Schon seit elf Jahren reisen Interplast-Teams regelmäßig zu Einsätzen nach Puma, wo das Hospital der Nonnen in drei Stationen knapp 90 Betten vorhält. „Die Kooperation hat einen weiteren Vorteil: Bringt man den Nonnen OP-Ausstattung oder sonstiges Gerät mit, kann man auch nach Jahren noch darauf zurückgreifen. Das wird alles top gepflegt. In staatlichen Einrichtungen überall auf der Welt ist das ganz anders.“ Ein weiterer Vorteil: Durch die kostenfreie Verpflegung der Teams und deren Unterbringung im Kloster entstehen pro komplett behandeltem Patienten nur rund 150 Euro Kosten, sprich: die Gelder für Material und Anreise müssen aufgebracht werden.

Ein weiteres Plus erwähnt Nick nur am Rande: Jeden Tag bemühen sich die Nonnen, den Ärzten und Schwestern ein deftiges bayerisches Abendessen zu kredenzen – mitten in der ostafrikanischen Steppe. Zu Ehren der Ordensgründerin: Die 2008 in Tansania verstorbene Maria Stieren war früher Nonne im Benediktinerkloster Tutzingen.

Kaum zurückgekehrt, trägt sich der frühere Chefarzt bereits mit weiteren Einsatzplänen: „Ich würde gerne alte Kontakte in Sri Lanka wieder aufgreifen.“ Viermal war er da – bis politische Unruhen weitere Einsätze verhinderten. „Aber ich weiß: Dort herrscht ein unglaublicher Bedarf.“

Verwaltungsaufwand: Null

Noch hat Dr. Nick, der alle Einsätze von zu Hause aus initiiert und organisiert, ohne dafür einen Cent Verwaltungsaufwand zu berechnen, keine Benken, Mitstreiter für die nächsten Missionen zu finden: „Es ist immer schön, mit alten Kollegen zusammenzukommen. Wir bekommen immer wieder eine gute Mannschaft zusammen.“ Obwohl es naturgemäß immer schwieriger werde, wenn Interplast von der Klinikleitung vor Ort, in diesem Fall Eschweiler, keine Unterstützung mehr bekomme. Für tausende schwer und schwerst verletzter Menschen in vielen Teilen der Erde aber sind die ehrenamtlich tätigen Ärzte und Schwestern die einzige Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde.

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