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Historisches Kleinod soll besser zugänglich werden

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Gut behelmt im Rittersaal: Hier feierten die Burgherren von Nothberg, die Herren von Palant, einst fröhliche Feste. Heute regnet es durch alle drei Stockwerke bis auf den Saalboden durch.

Eschweiler. Sie wissen, wo Eschweiler am Schönsten ist. Aber sie wissen auch, wo Eschweiler oft ganz hässlich ist, und tun etwas dagegen: die 20 ehrenamtlichen Ordnungshelfer, die unentgeltlich in ihrer Freizeit in ihren Stadtbezirken unterwegs sind.

Ein kaputtes Fahrrad im Straßengraben, Grünschnitt am Waldrand, ein zerschlagener Fernseher am Indeufer - die Ordnungshelfer sehen es, kümmern sich darum, dass es besser wird, und stellen Umweltferkel manchmal auch zur Rede. Als kleines Dankeschön lädt die Stadt Eschweiler zweimal im Jahr alle 20 ein, zu einer Besichtigung oder einem Ausflug mit anschließendem gemütlichen Beisammensein.

Mehr als 600 Jahre alt

Die Nothberger Burg war am Donnerstag das Ziel für die Ordnungshelfer, zu denen sich auch Referent Dieter Kamp und Amtsleiter Edmund Müller gesellten.

Mehr als 600 Jahre alt sind die wuchtigen Mauern dieser am Ortsrand von Nothberg gelegenen Burgruine. Fast hätte es sie heute nicht mehr gegeben. Schon im 18. und 19. Jahrhundert wurden Teile der Burg abgerissen und als Baumaterial verkauft. Die Reste der Burg verfielen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg immer schneller. Erst mit der Gründung eines Förderervereins 1976 wendete sich das Blatt.

Seit 1980, inzwischen also kontinuierlich über drei Jahrzehnte, wird die Burg zwar nicht saniert, aber doch in ihrem Bestand gesichert. Das ist vor allem das Verdienst von Professor Dr. Jürgen Eberhardt vom Kölner Fachhochschul-Institut, der die Baugeschichte der Burg erforschte und mit Studenten die Mauern der Burg freilegte, einsturzgefährdete Teile sicherte und teilweise auch mit Bruchsteinen und einem nach historischem Rezept gemischten Mörtel aufmauerte.

Mehrere Jahre lang gab es auch Seminare „Denkmalpflege und Weiterbildung zum Bruchsteinmaurer” an der Burg, in Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern Aachen und Köln. Auch das half, die Burgreste zu sichern. Inzwischen ist es dem Fördererverein mit der Stadt Eschweiler und dem Denkmalschutz gelungen, über die Firma Lowtec ein Arbeitsprogramm für junge Leute ohne Berufsausbildung aufzulegen.

Und diese jungen Leute zeigen viel Einsatz, freuten sich Albert Schiffer, der Vorsitzende des Förderervereins, und seine Stellvertreterin Brigitte Bäumel. Derzeit legen die Lowtec-Mitarbeiter die Reste der Burgmauer auf der Nordseite des Geländes frei und sichern sie gegen Einsturz, denn Teile der Mauer sind von Efeuwurzeln fast zerstört.

An der Nordpforte der Burgmauer, so berichten Schiffer und Bäumel, möchte der Verein einen Zugang für Besucher der Burg schaffen, über einen Weg von der Euregiobahn-Haltestelle aus, damit künftig auch eine Besichtigung zu festen Öffnungszeiten möglich wird. Das wäre auch eine Attraktion aus touristischer Sicht, denn der „Grünroute”-Radweg läuft nahe der Burg vorbei. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Eigentümer, denn die Nothberger Burg ist in privatem Besitz.

Bäumel und Schiffer führten die Ordnungshelfer durch das Burggelände, erläuterten die Baugeschichte und korrigierten auch gerne die immer noch umlaufende Gerüchte über Geheimgänge, die aus der Burg führen. Oh ja, einen Gang gibt es, und da ist auch schon mancher Nothberger als Kind durchgekrabbelt, heimlich. Aber es handelt sich um einen Abwasserkanal, der angelegt wurde, als die einstige Verteidigungsanlage zu einer Wohnburg mit richtigen Toiletten umgebaut wurde, im 16. Jahrhundert.

Mit Helm im Rittersaal

Schutzhelme mussten die Besucher aufsetzen, als sie den einstigen Rittersaal und das Schmuckstück, den vom italienischen Baumeister Alessandro Pasqualini entworfenen Renaissance-Erker, besichtigten. Zu groß ist die Gefahr, dass sich von den nicht gesicherten Mauerteilen Steine lösen und herabfallen.

Es bleibt noch viel zu tun an der Nothberger Burg. Die ehrenamtlichen Ordnungshelfer zeigten sich so beeindruckt, dass sie beim anschließenden Essen im „Bergrather Hof” spontan Geld sammelten, als Spende für die weitere Sicherung der Burg. Es scheint ihnen im Blut zu liegen: mit privatem Einsatz dafür sorgen, dass Eschweiler schöner wird.
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