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Helfen, wenn kaum Hilfe möglich scheint

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Immer Menschen tappen in die Armutsfalle: Dennoch zieht die WABe-Beratungsstelle ein durchaus positives Fazit, denn vielen konnte sie auch helfen. Foto: imago/dittert

Eschweiler. Der Arbeitsplatz weg, die Wohnung gekündigt, Schulden, Eheprobleme - manchmal kommt es im Leben knüppeldick. Es gibt Krisen, aus denen man alleine nicht mehr heraus findet. In solchen Lebenssituationen helfen in Stadt und Region Aachen die „Fachberatungsstellen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten”.

Diplom-Sozialarbeiter Heinz-Dieter Hahn legte jetzt den Bericht der Eschweiler Beratungsstelle für 2009 vor. Menschen zu helfen, die tief im Schlamassel stecken, ist mühsam, gelegentlich frustrierend, aber auch befriedigend, wenn die Hilfe greift. Und sie greift oft. Manchmal kann der Arbeitsplatz, manchmal das bereits gekündigte Mietverhältnis gesichert werden, manchmal wird eine Privatinsolvenz vermieden.

64 Männer und Frauen betreute Heinz-Dieter Hahn im vorigen Jahr in Eschweiler, gar nicht gerechnet jene Besucher, die nur ein- oder zweimal Beratungsbedarf hatten. Dabei wird die Eschweiler Beratungsstelle mit nur einer halben Arbeitsstelle betrieben - Hahn betreut noch eine weitere Stadt in der Städteregion Aachen.

Die Menschen, die in die Beratungsstelle in der Franzstraße 19 kommen, haben oft viele Probleme auf einmal: Bei zwei Dritteln ist der Arbeitsplatz weg oder in Gefahr. Mehr als die Hälfte haben Schulden. Wohnungsverlust oder drohender Wohnungsverlust, psychische Störungen, Körperbehinderung, kein Bankkonto, Alkoholprobleme - die Themenliste ist lang. Sozialarbeiter Hahn stellt Kontakte her und versucht, die Ratsuchenden auch psychisch wieder aufzubauen. „Gefühle wie Ausgegrenztsein, Antriebsschwäche, Resignation führen in Krisensituationen zu Handlungsabläufen, die nur kurzfristig Lösungen darstellen, langfristig aber alte Probleme verstärken und neue Probleme hervorrufen”, schreibt der Berater. Solche Teufelskreise will er durchbrechen.

Helfen bedeutet da oft auch: viel Geduld haben. Lange Beratungsgespräche führt Hahn, betreut manche Besucher über Monate hinweg. Hinzu kommen ganz praktische Hilfen: Verhandlung mit Vermietern, Hilfe bei der Arbeitssuche, Bewerbungstraining, das Klären von Rentenansprüchen, von Unterhaltsansprüchen, das Beantragen von Wohngeld und Arbeitslosengeld.

Auch bei der Schuldnerberatung hilft Heinz-Dieter Hahn. In zehn Fällen vereinbarte er im vorigen Jahr mit seinen Klienten eine Geldverwaltung - er kümmert sich dann um Miete, Stromkosten, Ratenzahlungen und zahlt den Klienten nur das bar aus, was zum Lebensunterhalt nötig ist.

„Das alles beherrschende Thema 2009 war Hartz IV”, berichtete Hahn. Die Vermittlung der zu Betreuenden in neue Arbeitsstellen gestaltet sich sehr schwierig. Das ist der für den Sozialarbeiter frustrierendste Teil seiner Jahresbilanz: „Die sich 2008 abzeichnende Weltwirtschaftskrise hat voll durchgeschlagen und zeigte zu Beginn 2009 erste Auswirkungen.

Allen Klienten, die durch Eigeninitiative oder vermittelt durch Jobcenter meist über Zeitarbeitsfirmen einen Arbeitsvertrag abgeschlossen hatten, wurde gekündigt.” Mehr als die Hälfte der betreuten Personen bekommen Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, berichtet Hahn. Immer mehr Menschen müssten trotz Arbeitsplatz von Hartz IV leben.

Erfreulich sei, dass bei sechs von zehn Leuten, denen Wohnungsverlust drohte, diese Gefahr abgewendet werden konnte. Zudem wurde sieben Leuten erfolgreich eine Wohnung vermittelt. 24 Personen fragten eine Schuldnerberatung nach, mit 19 konnte eine Regulierung eingeleitet werden.

Heinz-Dieter Hahn kritisiert heftig den Umgang der Gesellschaft mit dem Thema „Hartz IV”. In Hartz IV zu rutschen ist für viele Menschen eine akute Bedrohung und ein Horror zugleich. Und während diese Menschen vor Perspektivlosigkeit immer pessimistischer und manche depressiv werden, gibt es andererseits immer wieder Verdächtigungen aus Politik und Wirtschaft, mit denen Betroffene als „arbeitsscheu” abgestempelt werden.

Auch der Verdacht auf Missbrauch war Thema. Hahn: „Untersuchungen der Bundesagentur für Arbeit zum Missbrauch ergaben eine Quote von gerade mal 1,9 Prozent!” Hahns Kritik an der Hartz-IV-Sozialreform: „Das inhaltliche Credo hieß Fordern und Fördern. Aber während die Forderungen genau in einem umfangreichen Katalog beschrieben sind, erscheint die individuell abgestimmte Förderung nur sehr rudimentär ausgebildet.”
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