Eschweiler - „Hastenraths Will”: Vom Kuhstall ins globale Dorf

„Hastenraths Will”: Vom Kuhstall ins globale Dorf

Von: thd
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Von naiver Weltanschauung zu G
Von naiver Weltanschauung zu Gesellschaftssatire: Hastenraths Will erzählt im Talbahnhof aus seinem Leben Geschichten mit vielen Aha-Momenten. Foto: Theres Dickmeis

Eschweiler. „Das Buffet ist eröffnet!” Wer bricht bei diesem Satz - vollkommen unabhängig vom Kontext - nicht in Jubel aus? Dem ist sich auch Hastenraths Will bewusst, denn der fleißige Landwirt hat nicht nur mit seiner Arbeit auf dem Hof, einer trächtigen Kuh, einem blutrünstigem Hund und mit den Macken seiner Frau alle Hände voll zu tun.

Nebenbei ist er Ortsvorsteher und hat noch andere wichtige Ämter belegt, die ihn zu einer sehr wichtigen (oder auch weniger wichtigen) Person machen. Christian Macharski begeisterte sein Publikum im Talbahnhof mit gesellschaftlichen Themen und lauter Aha-Momenten.

Erstmals tritt Hastenraths Will in einem Soloprogramm auf und erklärt seinem Publikum die Welt aus seiner Sicht. Als Comedyprogramm möchte der Landwirt seinen Auftritt nicht beschreiben. „Bildungsauftrag” trifft es eher. Als begnadeter Geschichtenerzähler lässt er sein Publikum teilhaben an seinem soliden Halbwissen über Massentierhaltung, Weltreligionen oder erotische Traumdeutung.

Seine geliebte Ehefrau kommt dabei nicht immer so gut weg, wie in einer harmonischen Ehe anzunehmen. Die Psychologie des Gegners, also des anderen Geschlechts, studiert er deshalb ganz genau. Frauenzeitschriften können also Männlein und Weiblein zugutekommen. Politisch korrekt und offen für jede Kultur führt Hastenraths Will von seinem heilen Dorfleben in die große weite Welt, die seinem Dorfkosmos allmählich bedrohlich nahe kommt.

Bühnenerfahrung hat Christian Macharski bereits 19 Jahre im Rurtal-Trio gesammelt. Nachdem die Akteure getrennte Wege gehen, konnte er den Charakter des Wills formen. „Bisher bin ich nur im Ensemble aufgetreten. Die Shows waren mit vielen Verkleidungen verbunden. Die Auftritte mit Will sind eine ganz neue Herausforderung”, erklärte Christian Macharski. Im Kölner Karneval stärkte er das Potential des Landwirts und füllt das zwei Stunden Programm mit realitätsnahen Geschichten, die deutlich anspruchsvoller als der einfache Slapstick sind. Der seltsame, etwas beschränkte Charakter verbindet Themen des Alltags und verkörpert damit Gruppen, die jedem plötzlich unwirklich und doch so logisch erscheinen.

Bei jedem Auftritt kommt vor allem das Publikum nicht zu kurz. Will geht direkt zwischen die Zuschauer und verschont sie mit keinen Fragen oder Anmerkungen. Aber dafür werden sie auch belohnt. Am Samstag hatte die sympathische Martina das Glück mit dem Landwirt anzustoßen, da seine Milchkuh endlich ihren kleinen Mourice auf die Welt brachte.

Dass Christian Macharski das Programm erst zum sechsten Mal aufführt, bemerkte im Raum niemand. „Ich habe bei den Auftritten Glück mit dem Publikum gehabt, das mich mit dem frischen Programm von Anfang an unterstützt hat. Ein großes Lob geht auch nach Eschweiler, die direkt mitgemacht haben”, dankte Christian Marcharski. Nach dem Abend war den Zuschauern aber auch bewusst, dass sich die beschränkte Weltanschauung als Gesellschaftssatire aufdeckte, die mit ihren Geschichten noch lange in den Köpfen haften bleibt.
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