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Häuserbau mit Tradition

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Die Häuser sind erdgrau wie das Material, auf dem sie gegründet sind und Halt finden

Eschweiler. Einfachheit und Funktionalität – diese Kriterien kennzeichneten schon die große Baukunst der Zisterzienser. Gestaltungswille und Verzicht, scheinbar widersprüchliche menschliche Bedürfnisse, fanden in deren mittelalterlichen Klosterbauten zu einer fruchtbaren Synthese, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Die kleine Wohnhofanlage in Dürwiß, die beim Tag der Architektur zu besichtigen ist, möchte diesem großen Vorbild auf ganz bescheidene Weise nachkommen.

Zwar sind die Bewohner der Anlage keine Klosterbrüder, jedoch leben auch sie als Nachbarn in einer besonders aufeinander bezogenen Gemeinschaft von derzeit zehn Erwachsenen und sieben Kindern. Hier zählen keine individuellen baulichen Eitelkeiten. Die einzelnen Bauherren-Familien mussten ihrem Gebauten nicht von Grund auf selbst Gestalt und Gesicht geben. Sie füllen es mit Leben und lassen es von innen heraus lächeln. Das große Ganze steht im Vordergrund. Entstanden aus einem Guss und von reduzierter Gestalt. Nur so kann sich der gemeinsame Außenraum zum Wohnhof formen und zum Spiel- und Begegnungsort der Gemeinschaft werden.

Verzicht bedeutet auch hier: Bereicherung. Die Häuser sind erdgrau wie das Material, auf dem sie gegründet sind und Halt finden. Beschirmt werden sie von schlichten Satteldächern aus Tonziegeln. Diese wurden einfach schwarz gedämpft - wie vor Jahr und Tag die dunklen Tondächer der Bergarbeitersiedlungen - und heben sich damit wohltuend ab von den gefärbten „Glanzstücken“, die auf manchen

Neubaudächern das Auge des Betrachters blenden und so ausschauen, als habe es den ganzen Tag lang geregnet. Der regionale Bezug (auch bei den Fensteröffnungen) ist eindeutig gewollt und aus sich heraus verständlich. Er stellt somit auch städtebaulich die heute üblich gewordene willkürliche Mixtur gleichsam dahingeworfener Wohngebäude in Frage.

Hier tritt man anders in Erscheinung: uniform und dennoch vielfältig. Die jeweilige Farbe einer jeden Haustür ist quasi Ersatz für die Hausnummer. Dabei erfolgte die Farbgebung von Türen und Fassaden in Anlehnung an die Ende der 1920er Jahre entwickelte puristische Farbklaviatur eines großen Bauhausarchitekten. Das Grün eines Teils der Hauswand ist Zeichen für den Ort, an dem sich der Architekt in seinem Atelier weiter Gedanken darüber macht, wie man mit konzeptionell wie auch formal hoher architektonischer Qualität kostengünstig

identitätsstiftenden Lebensraum schaffen kann. Zum einen durch das äußere Erscheinungsbild im öffentlichen Raum, zum anderen durch die klar strukturierten und wohlproportionierten Räume im Inneren, deren schlichte Eleganz man von außen schon vermuten darf. Ein neues, zeitloses Stück Zuhause, das eben nicht der Laune eines Augenblicks oder gar einer Mode entsprungen ist.

Das Atelier- und Wohnhaus öffnet für Interessierte die orangefarbene Tür am Sonntag, 30. Juni, von 15 bis 18 Uhr, Raiffeisenweg 5, Eschweiler.

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