Eschweiler - Häuser, die zum Betrachter „sprechen”

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Häuser, die zum Betrachter „sprechen”

Von: Joachim Peters
Letzte Aktualisierung:
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Schmuckstück an der Dürener Straße: Die Adler-Apotheke war beim Rundgang zum Tag des Offenen Denkmals ein Höhepunkt. Foto: Herrmann

Eschweiler. Einem alten Menschen sieht man auf den ersten Blick nicht an, was er alles erlebt hat. Wenn man sich dann aber mit ihm beschäftigt, werden die verschiedenen „archäologischen Schichten” seines äußeren Leben und seiner Seele klarer.

Dann werden plötzlich der 20-, 40- oder 50-Jährige mit seinen Freuden, Erfolgen und Sorgen hinter der runzligen Haut „sichtbar”.

Ähnlich ist es mit den in die Jahre gekommenen Gebäuden der Dürener Straße in Eschweiler. Bei bloßer Durchfahrt huscht man nur an einigen alten Fassaden vorbei. Dabei „sprechen” diese Häuser. Sie haben eine nicht sofort erkennbare Geschichte mit den Hoffnungen, Leistungen und Leiden der dort einmal wohnenden Menschen.

Auf der Spur von Menschen und Steinen in der Dürener Straße wandelten am Tag des Offenen Denkmals rund ein Dutzend regentrotzender Unentwegter bei einer Führung des Eschweiler Geschichtsvereins.

Dieter Spiertz führte die Heimatinteressierten zunächst zum Alten Rathaus. Die angebrachte Bronzetafel wies einige Eckdaten wie die Erbauung in den Jahren 1822 bis 1825 auf. Spiertz füllte dieses Fakten-Gerippe mit „Fleisch” auf.

Er erzählte von der Nutzung des Gebäudes als Schule, Rathaus, Polizeistation, Volkshochschule, Restaurant, Kunstresidenz - und Standesamt, wie aus der Exkursionsgruppe ein Mann mittleren Alters (auf sich selbst zeigend) hinzufügte.

Zweifellos ein Höhepunkt der rund dreistündigen baugeschichtlichen Wanderung: die Außen- und Innenbesichtigung der Adler-Apotheke. Und da hatte der Geschichtsverein mit Wolfgang Schmidt einen Mann zwecks Führung gewonnen, der wie kein anderer für diese Aufgabe geschaffen war.

Erst 2007 hatte Schmidt nach mehr als 30 Jahren seinen Apotheker-Kittel dort an den Nagel gehängt. Doch seine Seele hängt immer noch stark an den Menschen, Geschichten und Gemäuern dieses Hauses. Und dann geriet der Vortrag zu einem beeindruckenden Parforceritt durch die lokale, Kunst- und sogar Apotheken- und Arzneigeschichte. „Die Zeit des Klassizismus Schinkelscher Prägung war schon einige Jahrzehnte vorbei. Da lebte er in Eschweiler 1882 in Form des Historismus wieder auf”.

Wolfgang Schmidt sagt es mit Stolz und zeigt auf die Fassade „seiner” Apotheke. Vermeintliche Detailverliebtheit zu Beginn des Schmidt-Vortrages entpuppt sich bei aufmerksamem Zuhören zu einer interessanten Gesamtschau. So, wenn Schmidt den Bau der Adler-Apotheke zeitlich in eins setzt mit den Arzneimittel-Erfindungen „der Herrn Bayer und Leverkus im oberbergischen Wemelskirchen”.

Na, da macht doch etwas klick! Letzteres war ein Gipfelpunkt einer Entwicklung, die mit pharmazeutischen Erkenntnissen und Vermutungen spätantiker Denker wie Benedikt von Nursia und Cassidor sowie den Kräuterpflanzungen der Klöster begann. Im Innern des Hauses ließen Wolfgang Schmidts Nachfolger die Besucher an Lösungen und Tinkturen schnuppern und Einblicke in die Werkstatt einer modernen Apotheke gewähren.

Draußen angekommen, übernahm wieder Dieter Spiertz wieder die Führung der Gruppe. Und er erzählte Dinge, die selbst fest verwurzelte Indestädter nicht auf der heimatgeschichtlichen Festplatte gespeichert hatten. So zum Beispiel, dass die Schnellengasse ihren Namen nicht vom früher einmal „flotten Leben” in Eschweilers verflossener Vergnügungsmeile erhalten hat.

Die „Schnellen” sind die Bierfässer, die von der Dürener Straße durch dieses abschüssige Sträßchen Richtung Markt gerollt wurden. Und dann warteten andere prächtige Fassaden in der Dürener Straße, die in ihrer wenn auch manchmal etwas verblichenen klassizistischen Schönheit von der Gründerzeit der Industriellen-Dynastien Englerth und Thyssen zeugen.

Zünftig endete der Rundgang durch die Dürener Straße im Haus Lersch, das auch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann. Begonnen hatte die Führung übrigens mit einem vorbereitenden Rundgang durch die Ausstellung „Verkehr und Handel im Wandel auf der Dürener Straße” mit Erläuterungen von Irmgard Mailandt.
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