Grundschule Kinzweiler unterstützt „Ein Dorf macht Schule“

Von: Sonja Essers
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Wer in Madagaskar zur Schule geht, muss einen langen Weg zurücklegen. Richtige Straßen und Schulbusse gibt es dort nämlich nicht. Die meisten Kinder besitzen nicht einmal Schuhe. Durch das Projekt „Vozama“ können zumindest Erst- und Zweitklässler in ihren Dörfern unterrichtet werden. Foto: Misereor (3)/Sonja Essers
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Viele Kinder in Madagaskar müssen täglich einen Schulweg von über zehn Kilometern zurücklegen. Das soll sich durch „Vozama“ ändern.
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Begeistert war Johannes Schaaf (links) von Misereor von der Stellwand, die Schulleiter Gerd Schnitzler im Foyer der Schule aufstellte.
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Aus getrockneten Lehmziegeln bauen die Eltern für ihre Kinder das Gebäude, in dem sie unterrichtet werden können.
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Eschweiler-Kinzweiler. „Wie teuer ist es, ein Kind aus Madagaskar zwei Jahre auf eine Schule zu schicken?“, fragte Gerd Schnitzler, Rektor der Katholischen Grundschule (KGS) Kinzweiler, seine Schüler. Die Antworten der Kinder begannen bei 50 Euro und endeten bei 500 Euro. „Die zweijährige Schulausbildung kostet dort für ein Kind 25 Euro“, klärte Schnitzler seine Schützlinge auf. „Das ist aber nicht viel“, staunten die Schüler und Schnitzler erklärte: „Nein, hier nicht, aber in Madagaskar schon.“

Die KGS Kinzweiler unterstützt seit einigen Tagen die Misereor-Partnerschaft „Vozama – Ein Dorf macht die Schule“. Nun wollen Lehrer, Eltern und Schüler den Kindern, die in Madagaskar leben, gemeinsam helfen. Erfahrung mit Partnerschulen konnte die KGS Kinzweiler bereits reichlich sammeln. Seit 1995 gehören Schulpartnerschaften zum Profil der Schule dazu. „Das ist bei uns schon eine Art Tradition“, meint Schnitzler, der sich über die Zusammenarbeit mit Misereor freut. „Wir sind sehr stolz und dankbar, dass wir als kleine Grundschule sogar den persönlichen Kontakt wahrnehmen dürfen.“ Johannes Schaaf, Vertreter der Organisation, war in der vergangenen Woche in die Schule gekommen, um sich mit Schnitzler über das Projekt auszutauschen.

Doch wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Angefangen hatte alles 1995. Damals entstand durch eine private Initiative eine Partnerschaft mit einem kleinen Dorf in Burkina Faso, Bounou. Mit Unterstützung von Misereor ging man später die Partnerschaft mit einer Schule in Dedougou, ebenfalls in Burkina Faso, ein. Vom Geld der KGS Kinzweiler konnte dort ein Brunnen gebaut werden. Im Jahr 2004 kam der Kontakt zu einer Massai Schule in Tansania zustande. Dieser bestand allerdings nur einige Monate, da im Dezember ein Tsunami über Ostindien hereinbrach und die Kontaktperson der Schule in Indien neue Aufgaben übernahm. So halfen die Indestädter mit ihren Spenden auch dort beim Wiederaufbau einer Schule. Außerdem kam das Geld der Schule den sogenannten Untouchables, den Kindern aus den untersten Schichten der Gesellschaft, zugute.

Schnitzler erinnert sich noch genau an den Besuch von Priester Victor Maria Susai aus Indien, der zwei Mal in der Indestadt zu Gast war. „Wir haben mit ihm eine Messe in Hehlrath gehalten und dafür mit den Kindern das „Vater unser“ auf Englisch eingeübt. Das war ein tolles Erlebnis.“

2010 ergab sich über die aus Kenia stammende Reinigungskraft der Schule, Lucy Wilk, eine intensive Verbindung zu Mary Wanjira Muriithi. Sie leitete eine Art Volksschule in Karantina, das in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi liegt. Seit einem Jahr ruhen jedoch beide Partnerschaften. „In der letzten Nachricht aus Indien erfuhren wir, dass Pfarrer Susai schwer erkrankt war. Frau Muriithi schrieb uns, dass sie das Gelände, auf dem die Schule stand zurückgeben musste“, erklärt Schnitzler.

Doch der Schulleiter ließ sich von den gescheiterten Schulpartnerschaften nicht unterkriegen und schöpfte nach einer Afrika-Reise im vergangenen Jahr neuen Mut. Schnitzler nahm Kontakt zu Johannes Schaaf auf, der bei Misereor für die Projekte in Afrika zuständig ist. Schaaf machte Schnitzler auf das Projekt „Vozama“ in Madagaskar aufmerksam.

Der Begriff Vozama ist eine Abkürzung für „Venjo ny zaza Malgazy“ und bedeutet übersetzt: „Retten wir die kleinen Kinder Madagaskars“. Gegründet wurde das Projekt 1995 vom elsässischen Pater André Bolz. Durch die Misswirtschaft von Diktator Ratsirakja war das Land zu Sparmaßnahmen gezwungen. Rund die Hälfte aller Schulen musste schließen. Die Folge: Viele Kinder mussten einen Schulweg von mehr als zehn Kilometer zurücklegen. „Dort gibt es keine richtigen Straßen oder Schulbusse, und die meisten Kinder besitzen noch nicht einmal Schuhe“, verdeutlicht Schaaf die Situation, in der sich die Einwohner befinden.

Die Idee „Ein Dorf macht die Schule“ beinhaltet, dass Eltern so viel wie möglich in das Projekt mit einbringen. „Da die Menschen dort sehr arm sind, können sie nur ihre Arbeitskraft einbringen. Das bedeutet, dass sie die Schulen selbst bauen“, erklärt Schaaf. Aus getrockneten Lehmziegeln bauen die Eltern ein Gebäude, in dem ihre Kinder unterrichtet werden. Nach zwei Jahren wechseln die Kinder dann auf eine staatliche Schule. „So ist gewährleistet, dass sie den Anschluss nicht verpassen“, meint Schaaf. Außerdem zahlen die Eltern einen kleinen Monatsbeitrag und stellen Tische und Bänke zur Verfügung. Die Unterrichtsmaterialien werden von „Vozama“ angeschafft.

Doch nicht nur die Kinder profitieren von dem Projekt, sondern auch ihre Eltern. „Dort wusste man praktisch gar nichts über eine gesunde Ernährung. Viele Kinder kamen unterernährt in die Schule“, sagt Schaaf. Das habe sich jedoch geändert. Es wurden Elterninitiativen gegründet, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigen. Mittlerweile wird neben Reis sogar Obst und Gemüse angebaut. „Es hat auch eine Aufforstung und Erwachsenenbildung stattgefunden“, so Schaaf.

Die Erst- und Zweitklässler werden an vier Tagen in der Woche jeweils drei Stunden unterrichtet. Die Lehrer stammen meist aus dem Dorf selbst. „Das sind junge Leute mit Schulbildung, die von Vozama ausgebildet und begleitet werden“, so Schaaf. Regelmäßig wird der Unterricht von Schulinspektoren, Lehrern im Ruhestand, besucht.

Nachdem Schnitzler sich genauestens über das Projekt informiert hatte, informierte er Lehrer, Schüler und Eltern. Um den Schülern die Situation der Kinder in Madagaskar näher zu bringen, bereitete der Schulleiter eine Power-Point-Präsentation vor. „Ich war überrascht, wie fasziniert und berührt die Kinder waren“, sagt er rückblickend. In jeder Klasse soll nun ein Foto von den Kindern aus Madagaskar aufgehängt werden. Im Eingangsbereich der Schule ist eine Stellwand mit vielen Bildern und Informationen rund um das Projekt zu sehen. „Wir sind eine kleine Schule. Bei uns kommt nicht allzu viel an Spenden zusammen. Aber so vermitteln wir den Kindern, dass sie trotzdem helfen können“, ist sich der Schulleiter sicher. Er selbst ging vor kurzem mit gutem Beispiel voran und ließ die Gäste, die zu seinem Geburtstag kamen, für das Projekt spenden.

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