Großreinemachen nach Grusel-Gewitter

Von: Valerie Barsig und Patrick Nowicki
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Euregiobahn
Aufräumen nach dem Sturm: In Weisweiler hat eine umgestürzte Pappel die Euregiobahn gestoppt. Foto: Patrick Nowicki
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Auch in der Talstraße waren Bäume umgekippt. Foto: Patrick Nowicki
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Die Feuerwehr war im Dauereinsatz und musste zudem ein Feuer nach einem Blitzeinschlag an der Grabenstraße löschen. Die Wardener Straße war am Dienstag bis 11 Uhr gesperrt. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler. Als sich am Montagabend die pechschwarze Gewitterwand vom Westen her Eschweiler näherte, fühlte sich mancher an einen Horrorfilm erinnert. Binnen weniger Minuten wurde der Tag zur Nacht. Der Sturm ließ Gartenmöbel tanzen, deckte Dächer ab und brachte manchen Baum zum kippen. Erst am Dienstagmorgen war das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar.

Blieb die Stadt in den vergangenen Tagen noch von heftigen Unwettern trotz Warnung verschont, so wurde sie diesmal voll erwischt. Die positive Nachricht: Niemand wurde ernsthaft verletzt.

Die 61 Passagiere der Euregiobahn von Langerwehe nach Weisweiler werden sich wohl noch lange an den Sturm erinnern. Kurz vor dem Bahnübergang an der Lindenallee in Weisweiler war eine Pappel auf die Gleise gestürzt. Der Zugführer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr mit etwa 30 Stundenkilometern in den Baum. Dabei hob das Holz die Zugmaschine an. Die vorderen Räder rutschen von den Gleisen. Schlimmeres passierte nicht. Für den Menschen im Zug blieb es bei einem Schrecken. Sie wurden noch am Abend von Bussen und Taxen abgeholt.

Wie hoch der Schaden an der Maschine ist, konnte am Dienstag niemand sagen. Experten des Netzbetreibers EVS (Euregio-Verkehrsschienennetz-GmbH) und der Deutschen Bahn waren vor Ort. Mehrere Stunden lang versuchte die Feuerwehr mit hydraulischen Geräten, die etwa zehn Tonnen schwere Zugmaschine anzuheben. Vergeblich. Die Gefahr, dass der Zug umkippt, war letztlich zu groß. Die Feuerwehr zerlegte den Baum und überließ die Unfallstelle den Bahnexperten.

Heute soll ein Unfallhilfszug nach Weisweiler rollen. Das zumindest hoffen die Betreiber der Euregiobahn. Da das Unwetter in großen Teilen Nordrhein-Westfalens gewütet hat, sind die Hilfszüge an vielen Stellen gefordert. „Wir hoffen, dass wir die Strecke im Laufe des Mittwochs wieder freigeben können“, sagt Ulrich Merten, EVS-Betriebsleiter. Bis dahin müssen die Pendler mit Bussen vorlieb nehmen, die als Ersatz für die Fahrt nach Langerwehe bereitstehen.

Gestern war am ganzen Tag das Knattern von Motorsägen zu hören. Die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) räumten auf und sägten umgestürzte Bäume für den Abtransport klein. „Für uns hat die Sicherheit Vorrang“, nennt WBE-Geschäftsführer Manfred Knollmann die Prämisse beim Einsatzplan. Vier Friedhöfe mussten sogar gesperrt werden, um Gefahren für die Besucher zu vermeiden.

Auch auf der Wardener Straße sind die Männer von der Feuerwehr und den WBE am Dienstagvormittag noch beschäftigt, Sturmschäden zu beseitigen. Bis 11 Uhr ist die Straße in Teilen gesperrt. „Da lagen so viele Äste, dass man das Gefühl hatte, man fährt über einen Waldweg“, beschreibt Norbert Willms von der Feuerwehr den Teil der Straße zwischen Mülldeponie und Merzbach. Mindestens anderthalb Stunden lang sind er und sein Kollege Daniel Deutz damit beschäftigt, Äste von einem Baum in Röhe zu sägen, die gefährlich auf den Radweg herunterhängen. „Die möchte man als Fahrradfahrer natürlich nicht auf den Kopf bekommen“, sagt Willms.

Halbseitig ist die Wardener Straße für den Baumschnitt auch an dieser Stelle gesperrt. Autofahrer müssen sich an Pylone und dem geparkten Feuerwehrauto vorbeischlängeln. Oben im Korb am Ende der Drehleiter mit einer Motorsäge bewaffnet stehen Willms und Deutz. Das ist bereits ihr zweiter Einsatz seit dem Morgen. Auch in der Invalidenstraße mussten sie Äste absägen, die auf einen Park&Ride-Parkplatz hingen.

Daniel Deutz war auch in der Nacht zuvor gut beschäftigt. „Ich hatte Freischichtalarm, jetzt habe ich meine normale Schicht“, erzählt der Feuerwehrmann. Schon seit halb acht Uhr morgens fährt auch Louis Bier mit seiner Truppe von der WBE an der Wardener Straße entlang und sammelt Äste ein, die durch den starken Wind in der Nacht auf der Straße gelandet sind. „In ganz Eschweiler gibt es flächendeckend solche Schäden durch die Gewitter“, erklärt er. Trotzdem ist er entspannt: „Das ist ja nicht der erste Sturm, nach dem wir aufräumen müssen“, sagt er. Wo es nach der Wardener Straße als nächstes hingeht, weiß er noch nicht. Aufzuräumen gebe es aber noch genug, sagt Bier.

Der Feuerwehr-Wachleiter Axel Johnen blickte auch gestern Nachmittag aufmerksam auf den Wetterradar. Die Unwetterwarnung wurde schließlich nicht aufgehoben. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Eschweiler auch wirklich betroffen ist. „In den vergangenen Tagen war es ja so, dass wir trotz Warnung immer verschont blieben und die Wolken an uns vorbeizogen“, sagt Johnen. So hofft er natürlich auf eine Verschnaufpause für sich und die anderen Feuerwehrleute. „Viele meiner Kameraden sind seit Stunden ununterbrochen unterwegs, auch ich habe in der vergangenen Nacht lediglich eineinhalb Stunden schlafen können“, berichtet er.

Im nächtlichen Einsatz waren alle Eschweiler Löschzüge, auch die freiwilligen. Beim Brand in der Grabenstraße brauste Unterstützung aus Stolberg an, die mit einer Drehleiter ihre Kollegen unterstützten. Schließlich waren zu diesem Zeitpunkt schon alle Eschweiler Fahrzeuge unterwegs.

Erlebte Eschweiler am Pfingstmontag den stärksten Sturm seit „Kyrill“ im Jahr 2007? Axel Johnen will sich an solchen Einschätzungen nicht beteiligen. Er kann sich aber an ähnliche Nächte erinnern: „In 2003 erreichte uns auch ein Unwetter, allerdings herrschte dabei Land unter. Am Montagabend kippten vor allem viele Bäume“, sagt er.

Bei solch hohen Temperaturen kann niemand eine Garantie geben, dass es abends nicht gewittert. Darum wird der Wetterradar in der Feuerwache in den nächsten Tagen weiter genau beobachtet.

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