Gressenich garantiert Nothbergern trockene Füße

Von: Jürgen Lange
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Wie eine Badewanne: 9485 Kubik
Wie eine Badewanne: 9485 Kubikmeter Stauvolumen bietet bei Hochwasser das Rückhaltebecken für den Omerbach im Naturschutzgebiet nahe Buschhausen. Foto: J. Lange

Eschweiler/Stolberg. Friedlich plätschernd kommt der Omerbach unterhalb von Buschhausen aus dem Wald, wo er nahe Vicht am Gottfriedskreuz entspringt.

Keinen Meter breit und kaum ein, zwei Handbreit tief zieht er ruhig seine Bahn durch das Naturschutzgebiet, um dann in Rohren Gressenich zu passieren und hinter dem Ort weiter durch die Wiesen der Inde zuzustreben. Doch an einigen Tagen im Jahr täuscht dieses Bild eines harmlosen Bächleins heftig. Bei Starkregenereignissen wird der Omerbach zu einer reißenden Flut. Die entfaltet dann ihre zerstörerische Kraft einige Kilometer weiter vor allem im Bereich von Nothberg, wo immer wieder Straßen überschwemmt und Keller überflutet werden.

Altstadt bleibt ein Problem

Bis 1984 zurück reichen die Überlegungen des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), die Anlieger des Omerbachs vor Hochwasser zu schützen. Bereits 2007 entstand ein erstes Rückhaltebecken an der Eschweiler Südstraße. Rund 30.000 Kubikmeter Wasser im Notfall fassen kann. Das ist aber immer noch zu wenig Rückhaltevolumen, um ein statistisch alle 100 Jahre eintretendes Hochwasser in den Griff zu bekommen.

Im Mai letzten Jahres hat der WVER begonnen, zwei weitere Becken bei Gressenich zu bauen. Am 28. September werden sie offiziell in Betrieb genommen. 9485 Kubikmeter zusätzliches Stauvolumen sind dabei direkt am Unterlauf des Omerbachs unterhalb des Gressenicher Waldes entstanden, wo die Aue des geschützten Erlenbruchwaldes im Hochwasserfall nun als Überschwemmungsgebiet dient. Dort wurde ein vorhandener Wegedamm auf einer Länge von rund 90 Meter auf vier Meter Höhe aufgestockt. Mit einem Auslauf aus Stahlbeton lässt sich der Wasserdurchfluss regeln. An dieser Stelle kann der Omerbach von einem rechnerischen Wasserzufluss von 1,95 auf maximal einen Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt werden.

Eine zweite kleine „Talsperre” entstand nördlich von Gressenich an dem noch beschaulicher anmutenden Diepenlinchenbach, der vor seiner Einmündung in den Omerbach gedrosselt werden kann. 10.775 Kubikmeter Stauvolumen sind dort auf einer Weide zwischen Gressenich und Scherpenseel entstanden.

Wie ein gestrecktes „U” wirkt der 150 Meter lange Damm, der aus kieshaltigem Boden auf fünf Meter Höhe aufgeschüttet wurde. Auch hier regelt ein Bauwerk den Ausfluss im Hochwasserfall. Von 0,83 auf 0,3 Kubikmeter pro Sekunde kann die Abgabe des Diepenlinchen- in den Omerbach gedrosselt werden.

Für diese Eingriffe in die natürliche Landschaft musste der WVER umfangreiche Anpflanzungen von standorttypischen Gehölzen wie Weide, Erle und Wildkirsche im Umfeld vornehmen. Mit 1,65 Millionen Euro hat der Wasserverband diese Maßnahmen in den Hochwasserschutz kalkuliert; etwa 65 Prozent der Kosten trägt das Land.

Während das Engagement am Omerbach der Eschweiler Bevölkerung zugute kommt, will der WVER ab Oktober in den Hochwasserschutz für die Stolberger Bevölkerung investierten. Dann soll mit der Umgestaltung des Bettes für den Münsterbach in der Hamm begonnen werden. Es wird so verlegt und verbreitert, dass der nördliche Arm die Hauptfracht transportieren kann. Ihm werden 16.000 Kubikmeter Überschwemmungsflächen zur Verfügung gestellt.

Im südlichen Arm, der durch den Gewerbepark fließt, sollen maximal noch 14 Kubikmeter pro Sekunde abgeleitet werden können. Noch ungelöst ist dabei das Überschwemmungsproblem des Münsterbachs im Schnorrenfeld.

Derweil laufen beim WVER noch die Planungen für den Hochwasserschutz am Vichtbach, wo insbesondere die Stolberger Altstadt bei einem 100-jährlichen Hochwasser von Überschwemmungen bedroht ist.

Ein Rückhaltevolumen von 1,2 Millionen Kubikmeter müsste der WVER schaffen, um der Gefahr für die südlichen Ortschaften begegnen zu können. Untersucht werden dafür mehrere Standorte am Oberlauf der Vicht. Damit ist unterhalb des Hammerbergs die Gefahr für die Stolberger Altstadt aber immer noch nicht gebannt.
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