Golf: Zisch und weg - und wer sammelt die Bälle wieder ein?

Von: Andreas Gabbert
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Zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand: Unser Autor erwies sich nicht immer als treffsicher.

Eschweiler. Was sagt eigentlich das Handicap aus, und was ist überhaupt ein Achter-Eisen? Mit Golf hatte ich bislang eher wenig zu tun. Meine Erfahrungen beschränkten sich bis dato auf Minigolf und die eine oder andere Runde auf der Spielekonsole. Zeit für einen Selbstversuch direkt vor der Haustür auf der Golfanlage Haus Kambach, die vor 20 Jahren, am 30. Oktober 1990, eröffnet wurde.

Bevor es richtig los geht, muss ich mich einspielen und lernen, wie ich den Schläger zu halten habe. Das bekomme ich von Golfprofi Thomas Schäfer erklärt, der bereits seit 14 Jahren in Haus Kambach unterrichtet. Mit seiner sanften ruhigen Stimme wirkt er auf mich ein bisschen wie ein Geistlicher. Heimlich nenne ich ihn den Golfpapst.

Zuerst greife ich mit der linken Hand den Schaft des Schlägers, dann mit der rechten Hand den linken Daumen. Es folgt eine Art Verbeugung und ich muss leicht in die Knie gehen. Jetzt noch ein paar Probeschwünge, und schon bin ich fertig für den ersten Abschlag.

Etwas unsicher fühle ich mich schon, schließlich will ich mich ja nicht gleich blamieren. Weit hole ich aus, schwungvoll lasse ich den Schläger niedersausen und treffe nicht mal den Ball. Das war wohl eine Luftnummer.

Verstohlen schaue ich mich um, hoffentlich hat das niemand gesehen. Es scheint keinen zu kümmern, die anderen sind mit sich selbst beschäftigt und treiben die Bälle im hohen Bogen weit über die Driving-Range. So heißt das Trainingsgelände, auf dem die Golfer ihren Abschlag trainieren.

Das möchte ich auch können, also noch mal neu konzentrieren. Im Kopf gehe ich die Anweisungen des Trainers immer wieder durch. Der Schläger schwirrt durch die Luft, und diesmal treffe ich sogar den Ball. Aber er beschreibt nicht so einen schönen hohen Bogen wie bei den Nachbarn rechts und links von mir. Der Ball kullert nur langsam vorwärts und bleibt schon nach wenigen Metern wieder liegen.

Das hatte ich mir doch etwas leichter vorgestellt. Aber schon die nächsten Schläge sitzen besser. Auch wenn die Richtung noch nicht so ganz stimmt, stellen sich doch langsam aber sicher die ersten Erfolgserlebnisse ein. Die zweite Übung, das Putten, also das eigentliche Versenken des Balls, gelingt mir wesentlich besser - das ist fast wie Minigolf.

Allerdings frage ich mich, wer nachher wohl die ganzen Bälle auf der Driving-Range wieder einsammelt. Hunderte oder vielleicht auch tausende der kleinen Bälle schmücken mittlerweile den Rasen. „Dafür gibt es extra eine Ballsammelmaschine, wie mit einem Rechen werden die Bälle nachher wieder aufgelesen”, verrät mir der Trainer.

Dann geht es auf den Platz. Wir spielen heute in sechs Dreier-Teams gegeneinander. Ich spiele mit John und Birgit zusammen - beim Golf wird sich geduzt. Die beiden haben etwas mehr Erfahrung als ich. Im Gegensatz zu mir halten sie nicht zum ersten Mal einen Schläger in der Hand.

Während Birgit und ich auf Schläger des Hauses zurückgreifen, hat John sein eigenes Equipment mitgebracht, das er in einem großen Trolley hinter sich herzieht. Ein ganzes Sortiment der verschiedenen Schläger hat er dabei: verschiedene Eisen, einen Driver und natürlich auch einen Putter.

Der Driver ist genau das Richtige für den Abschlag, damit lassen sich die Bälle besonders weit schlagen. Der Putter ähnelt einem Minigolfschläger und dient dem Einlochen auf dem Grün. 425 Meter sind es vom Abschlag bis zum ersten Loch. Diese Distanz soll im Idealfall mit nicht mehr als fünf Schlägen überwunden werden. „Par 5” heißt der Fachbegriff dafür. John macht es vor und landet gleich einen guten Schlag.

Dann kommt mein großer Moment. 150 Meter sind es noch bis zum Grün, dem Bereich, wo das „Minigolfen” anfängt. Leichter Gegenwind bläst mir ins Gesicht. Ich ziele, hole Schwung, und diesmal treffe ich den kleinen weißen Ball zum ersten Mal richtig gut. Er hebt ab und fliegt und fliegt bis kurz vor das Grün. Meine Mitspieler applaudieren. Das geht runter wie Öl.

Erstmals sehe ich das Grün aus der Nähe, und obwohl ich damit gerechnet habe, bin ich doch etwas erstaunt darüber, wie gepflegt der Rasen dort ist. Es wirkt, als sei er in mühevoller Arbeit mit der Nagelschere geschnitten worden. Am Ende brauchen wir sechs Schläge, um den Ball im ersten Loch unterzubringen.

Der Golfpapst ist unterdessen mit seinem Papamobil auf dem Platz unterwegs, um die Turnierteilnehmer mit Glühwein und hilfreichen Tipps zu versorgen.

Nach dem sechsten Loch ist die Partie für uns zu Ende. Mehr werden in unserem Turnier für Anfänger nicht gespielt. An meinem Handicap werde ich wohl noch etwas arbeiten müssen. Aber wenigstens weiß ich jetzt, was damit gemeint ist.
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