Globo überrascht im Talbahnhof mit seinem Programm

Von: jrd
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Ein offener Umgang mit dem Thema Sterben: Sowohl Kabarettist Alfred Gerhards als auch Monika Meinhold, stellvertretende Vorsitzende des Ambulanten Hospizdienstes, wollen den Menschen die Angst vor dem Tod nehmen. Foto: Jessica Deringer

Eschweiler. „Stellst du dich etwa an die Särge und erzählst Witze?” Die ersten Reaktionen auf Alfred Gerhards´ Idee, ein Programm zum Thema Sterben zu machen, waren - milde gesagt - skeptisch. Ob ihm denn nichts heilig sei, fragten Freunde des als „Globo” bekannten Clowns und Komikers kopfschüttelnd.

Doch Gerhards erkannte: Die Angst seiner Mitmenschen bestand in Wahrheit darin, er würde sich über die Gefühle der Sterbenden und Angehörigen lustig machen. Dass seine Botschaft eine ganz andere ist, zeigte er nun im Talbahnhof, wo er auf Einladung des Ambulanten Hospizdienstes Eschweiler/Stolberg mit seinem Programm „Das Lächeln am Fuße der Bahre” auftrat.

Ist der Tod an sich schon ein Tabu in unserer Gesellschaft, scheint die Kombination mit Humor noch umso gewagter. Doch Gerhards macht nichts lächerlich, sondern nähert sich dem doch so menschlichen Thema auf eine offene, ehrliche, befreiende Weise. „Beim Sterben noch lachen zu können und zu wollen - das ist großartig”, findet er. Und lässt sein Publikum teilhaben an den komischen und humorvollen Seiten, die der Tod genau wie das Leben hat.

Er hat Geschichten im Gepäck, die von einem erfüllten, zufriedenen Sterben erzählen. Und wenn er aus behördlichen Satzungen und Bestimmungen zitiert, die in hochgestochenem Amtsdeutsch den Tod beschreiben, kommt man um ein Schmunzeln nicht umhin. Köstlich sind auch die heiter formulierten Todesanzeigen aus dem Kölner Express oder die Tiroler Grabinschriften, die mit einem Augenzwinkern die Todesursache verraten.

Zwischendurch erzählt er immer wieder von sich selbst - seiner Erfahrung mit Krebskranken, zum Beispiel, oder auch dem Tod seines Vaters. Dabei spricht er auch von eigener Befangenheit oder Schock im direkten Kontakt mit dem Sterben - was sein Programm nur umso glaubwürdiger macht. „Viele Menschen haben nicht Angst vor dem Tod, sondern vor dem Leben”, stellt er abschließend fest. Er ermuntert sein Publikum, das Leben in vollen Zügen zu genießen - um dann am Ende dem Sterben heiter und gelassen entgegensehen zu können.

Passend zur „fünften Jahreszeit” hatte der Ambulante Hospizdienst sich für das vierteljährliche Mittwochsgespräch dieses Mal für Gerhards´ Kabarettvorstellung entschieden. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer um den Vorsitzender Edgar Beckmann wollen durch Besuche und Gespräche Familien, in denen ein Mensch stirbt, Unterstützung und emotionale Entlastung bieten.

Ein offener, angstfreier Umgang mit dem Tod ist dafür wichtig - wieso nicht einmal in Form eines Kabaretts?
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