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Gesund und gut: Honig vom Eschweiler Rathausdach

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Zwei Bienenvölker auf dem Rathausdach stärken jetzt den Ruf der Stadt Eschweiler als umweltbewusste Kommune. Auf unserem Bild von links Aaron Möller (SPD-Ortsverein Mitte) und die Imker Guido Dondorf und Wolfgang Zylus vom Eschweiler Bienenzuchtverein.
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Kaum sind sie angesiedelt, schon wird fleißig gebaut: Ein Blick in einen der beiden Bienenstöcke auf dem Dach des Eschweiler Rathauses zeigt, dass die Bienen bereits fleißig dabei sind, Waben anzulegen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Seit dem 4. Juli hat das Eschweiler Rathaus ein paar tausend Mitarbeiterinnen mehr. Ganz besonders fleißige Mitarbeiterinnen. Sie leben auf dem Rathausdach und arbeiten für das Projekt „Global nachhaltige Kommune“: Zwei Völker Honigbienen.

Bienen in der Stadt – geht das denn? Das geht sogar gut, versichert Imker Wolfgang Zylus. „In der Stadt gibt es viele Grünflächen, Vorgärten, Blumenkästen. Die Bienen holen sich das dann da.“ Anders als bei landwirtschaftlichen Flächen blühe in der Stadt immer etwas, fast rund ums Jahr. Auf Feldern hingegen ist, außer wenn der Landwirt ein paar Kornblumen oder Mohnblumen duldet, nichts zu holen, sagt der Pressesprecher der Stadt, René Costantini: „Mit Mais, Weizen und Rüben können die Tiere nichts anfangen. Und Raps blüht nur ein paar Wochen lang.“

Costantini, Michaela Baader vom Hauptamt der Stadt, Aaron Möller vom SPD-Ortsvertein Eschweiler Mitte und die drei Imker Wolfgang Zylus, Guido und Devid Dondorf vom Eschweiler Bienenzuchtverein stellten das Projekt „Bienen auf dem Rathausdach“ jetzt der Öffentlichkeit vor. Devid Dondorf ist mit zwölf Jahren das jüngste Mitglied dieses bereits 1896 gegründeten Vereins. Welche Bedeutung Bienen für die Natur haben, weiß er schon sehr gut: „Die helfen den Pflanzen bei der Bestäubung und sind ganz wichtig für die Natur!“

Der SPD-Ortsverein Mitte machte im April den Vorschlag, Bienenvölker auf dem Rathausdach anzusiedeln, berichtete Michaela Baader. In der Stadtverwaltung, wo man vorher schon die selbe Idee gehabt hatte, fand man das gut. „Es passt zu unseren Bemühungen um Nachhaltigkeit“, sagt René Costantini. „Eschweiler nimmt ja als Modellkommune am Projekt >Global nachhaltige Kommune NRW teil und ist seit ein paar Wochen auch Fair-Trade-Stadt.“

Pflanzengifte auf dem Land

Auch beim Bienenzuchtverein war man von der Idee begeistert. Der Standort auf dem Rathausdach soll ein Zeichen setzen auch für Leute, die sich für das Imkern interessieren. Wolfgang Zylus: „Das haben wir beim Eschweiler Waldtag gesehen vor zwei Jahren, dass Leute kommen und sagen: Ich wohne in der Stadt, da kann man ja keine Bienen halten, das geht ja nicht. Aber wir wollen zeigen, dass es doch geht.“

Es geht nicht nur, sondern es hat auch Vorteile. Der Stadthonig soll besser sein als der Landhonig. Das liegt an den Pflanzengiften, die auf landwirtschaftlichen Flächen versprüht werden. Die lassen sich im Honig aus chemisch belasteten Gebieten nachweisen. Und was ist mit den Autoabgasen? Die Eschweiler Imker verneinen: „Im Honig werden Sie die Schadstoffe aus den Autoabgasen nicht messen können. Aber von den Pestiziden, die ja. Der Honig aus der Stadt ist gesünder.“

Bienensterben

Pestizide sind neben der Varoa-Milbe für das Bienensterben in Deutschland verantwortlich. Wolfgang Zylus: „Die Bienen leiden sehr stark darunter. Wenn sie schon durch Milben geschwächt sind, und fliegen dann auf ein Feld, wo gerade gespritzt worden ist, dann liegen die am nächsten Morgen tot vor dem Stock. Nur wenige Landwirte sind so verständnisvoll, dass sie spät abends spritzen, wenn die Bienen im Stock sind.“

Honigernte im Juni

Die zwei Bienenvölker auf dem Rathaus sind ein Anfang. Der Bienenzuchtverein, der die Völker betreut, kann sich gut vorstellen, dort noch zwei weitere Bienenstöcke aufzustellen. Bis zur Ernte dauert es allerdings noch einige Monate. Was jetzt um das Rathaus summt, sind Bienen aus zwei Jungvölkern, die erst einmal aufgebaut werden. Angefangen hat es mit 2000 Bienen pro Stock, aber die Bienenköniginnen können bis zu 2000 Eier pro Tag legen, da wächst die Population schnell.

Im Sommer steigt die Zahl der Honigbienen auf 50.000 pro Volk an, im Winter geht sie auf 14.000 zurück. Ihr Honig wird im Frühsommer des nächsten Jahres geerntet, voraussichtlich im Juni. Ob das dann fünf Kilogramm pro Stock sind, zehn oder gar 20, das liegt ausschließlich am Wetter, und nicht am Fleiß der Bienen. Bis zu zwei Kilometer weit fliegen Bienen auf der Suche nach Nektar. Und für ein Glas Honig müssen sie, alle zusammen gerechnet, dreimal rund um die Erde fliegen. Aber bei Regen bleiben sie im Stock.

Muss man nun, wenn man rund ums Rathaus spaziert, Angst haben, von Bienen gestochen zu werden? Imker Guido Dondorf schüttelt mit dem Kopf. „Wir züchten ja unsere Königinnen selber, und da nehmen wir besonders zahme Völker. Unser Ziel bei der Zucht ist: friedlich, friedlich und nochmal friedlich. Und dann kommt erst der Ertrag.“ Was sich in der Praxis sofort überprüfen ließ. Bei der Besichtigung der offenen Bienenstöcke auf dem Rathausdach wurde niemand gestochen.

Wer den Bienen auf dem Rathausdach beim Honigsammeln zuschauen möchte: Das 6. Stockwerk ist öffentlich zugänglich, ein Fahrstuhl fährt direkt bis wenige Meter vor die Bienenstöcke.

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