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Gemeinsam für das Wohl der Kinder: 60 Jahre Kinderschutzbund

Von: Tobias Röber
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Gemeinsam zum Wohle der Kinder: Jutta Geese (Vorstand), Mariethres Kaleß (Vorsitzende) und die pädagogische Leiterin Anne Weisser (von links). Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Wenn sich Mariethres Kaleß und Jutta Geese alte Fotos anschauen, fällt ihnen oft selbst erst wieder ein, was sie und ihre Mitstreiter in den vergangenen drei Jahrzehnten alles mit dem Eschweiler Kinderschutzbund auf die Beine gestellt haben. Der Kinderschutzbund feiert in diesem Jahr 60. Geburtstag, in Eschweiler ist er seit 35 Jahren aktiv.

Begonnen hat alles im Jahr 1977. Einige Eschweiler beschlossen, dass es in der Indestadt einen Stützpunkt des Kinderschutzbundes geben müsse. Es gab erste Treffen und auch einen Infostand. Im Mai 1978 wurde der Kinderschutzbund Eschweiler dann offiziell gegründet. Die erste „richtige Aktion“ war der Frauentreff am 15. Februar 1978. Damals teilte sich der Kinderschutzbund einen Raum in der alten Bergrather Grundschule mit der Prinzengilde.

Wenn Gründungsmitglied Jutta Geese und die Vorsitzende Mariethres Kaleß (seit dem 15. Juni 1981) über die vergangenen Zeiten plaudern, merkt man erst, dass es damals Vieles nicht gab, das heute selbstverständlich ist. Krippen und Spielgruppen vor Ort etwa? Fehlanzeige! Wenn ein Kind im Krankenhaus liegt, ist es völlig normal, dass Eltern es ständig besuchen können, bzw. dass sie in Eltern-Kind-Zimmern rund um die Uhr vor Ort sind. Damals gab es feste Besuchszeiten.

Demo gegen Atomkraft

Es gab viele Themen, derer sich der Kinderschutzbund angenommen hat. Mitte der 80er Jahre etwa des großen Themas Asyl. Natürlich standen besonders Flüchtlingsfamilien mit Kindern im Mittelpunkt. Der Kinderschutzbund nahm an einer Demo gegen Atomkraft teil, er kümmerte sich um den Erhalt und die Aufwertung der Spielplätze, und er war etwa am Aufbau der Spiel- und Lernstube an der Maasstraße beteiligt.

Einen wesentlichen Punkt, der früher galt und an Aktualität nichts eingebüßt hat, nennt Mariethres Kaleß: „Es geht nur gemeinsam!“ So wurde Mitte der 80er Jahre gleich ein Arbeitskreis gegründet, an dem alle Organisationen beteiligt waren, die sich mit Flüchtlingen beschäftigten.

Dicke Bretter bohren

Eines hat seinen Ursprung im Jahr 1995: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 200 Teilnehmerinnen zählte der von vielen Verbänden gestaltete Frauentag im Talbahnhof. Der Kinderschutzbund war ein Teilnehmer, und unter seiner Federführung ging es ein halbes Jahr später mit der Betreuung los. Nicht nur während der Schulzeiten, sondern auch in den Ferien. Der Vormittagsbetreuung prophezeite damals der eine oder andere ein schnelles Aus. Weit gefehlt!

Für die Verantwortlichen bedeutete das vor allem: dicke Bretter bohren und viel Arbeit. „Wir hatten damals schlaflose Nächte, weil wir nicht wussten, wie wir im übernächsten Monat die Gehälter bezahlen können“, sagt Jutta Geese und kann rückblickend darüber schmunzeln.

Dicke Bretter müssen auch heute gebohrt werden. Ein siebenstelliger Betrag muss Jahr für Jahr aufgewendet werden. Neben Mitgliedsbeiträgen, dem freiwilligen Zuschuss der Stadt Eschweiler und öffentlichen Mitteln, ist der Kinderschutzbund vor allem auf Spenden angewiesen. An dieser Stelle zollt Mariethres Kaleß den Eschweilern ein großes Lob. Das Miteinander sei sehr gut. Natürlich bedeutet das für den Kinderschutzbund auch, dass er ständig präsent sein muss.

So ist Mariethres Kaleß seit 1985 Mitglied in verschiedenen Ausschüssen. Eine breite Vernetzung ist unerlässlich, um dem Wohl der Kinder gerecht zu werden. Was damals mit 36 Kindern an vier Schulen begann, hat sich rasant entwickelt. 50 beteiligte Akteure (30 Angestellte) betreuen heute etwa 500 Kinder in Kids Klubs an fünf Schulstandorten. Die Zahl der zu betreuenden Kinder steigt stetig. „Betreuung heißt für uns, dass Kinder sich wohlfühlen, akzeptiert und gefördert werden, unterschiedlichste Erfahrungen in sozialer, kultureller, kreativer und intellektueller Hinsicht sammeln. Das Ziel ist, Kinder zu stärken und gleichzeitig die Eltern in ihren Aufgaben und Kompetenzen zu unterstützen“, lautet das Ziel des Kinderschutzbundes.

In Zusammenarbeit mit den Familienzentren werden zudem Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe in Kursen gestärkt, die unter dem Titel „Starke Eltern – starke Kinder“ laufen. Das Thema Kinderarmut ist wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Wie in Eschweiler üblich, gibt es einen Arbeitskreis, und der Kinderschutzbund ist mittendrin. Es gibt noch mehr Angebote. Etwa die Unterstützung junger Menschen bei der Berufsfindung, allgemeine Beratungen und Mitarbeit in Stadtteilprojekten. Es gibt Spendenaktionen: zum 11. Mal etwa in Kürze die Weihnachtsbaumaktion auf dem Marktplatz.

Was Mariethres Kaleß Sorgen bereitet, sind die geringer werdenden familiären Bindungen. Die Strukturen seien nicht mehr so gefestigt. „Brauchen wir vielleicht eine Wertediskussion?“, fragt sie.

Der Aufwand, den der ehrenamtliche Vorstand für all diese Projekte betreiben muss, ist immens geworden. In den Abendstunden nebenher könne man den Verwaltungsaufwand kaum mehr bewältigen. Nicht nur deswegen hofft der Kinderschutzbund auf weitere Helfer, Mitglieder und sonstige Unterstützer.

Wer helfen will: Die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes, Hehlrather Straße 15, ist erreichbar unter Telefon 32285, Fax: 879944.

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