Gegensätze im Talbahnhof: Der Tod, der Konfetti ins Publikum wirft

Von: jw
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Der Tod präsentierte am Dienstagabend sein Programm „Mein Leben als Tod“, von dem das gesamte Publikum begeistert war. Foto: Jacqueline Winkler

Eschweiler. „Schön, dass Sie sich für einen Abend mit dem Tod entschieden haben“, so wurde das Publikum des Eschweiler Talbahnhofs am Dienstagabend begrüßt. Der Tod stellte dort seine Show „Mein Leben als Tod vor“ und das Publikum konnte sich vor lachen kaum auf den Stühlen halten.

Aber erstmal zum Anfang. Als Vorkünstler des Todes trat „das blühende Leben“ auf. Dieser Warm-Up-Künstler war rundum mit Blumen geschmückt, er hatte eine Sonnenblumenbrille auf, buntes Haar und eine Blume vor dem Gesicht hängen, sodass man dieses nicht erkannte. Er stellte eine Sanduhr auf die Bühne, denn er durfte nur zehn Minuten dort verweilen: „Das ist immer so stressig, wenn einem ständig der Tod im Nacken ist.“ Das blühende Leben sang über die guten Seiten des Lebens und sagte anschließend zum Publikum, dass, wenn er dran war, alle nur noch auf den Tod warten, genauso wie im Altersheim. Anschließend sang er mit dem Publikum zusammen einen Protestsong: „Ich mach nicht jeden Mist, nur weil du auf der Bühne stehst.“ Dennoch wurde das Publikum mit einbezogen und hat alles mitgemacht, was das blühende Leben von ihnen verlangt hat.

Die Sanduhr ist ausgelaufen. Das Leben geht und der Tod kommt. Dieser wurde eingeleitet durch schaurige Musik. Als der Tod dann auf der Bühne stand, hätte man eine tiefe männliche Stimme erwartet, aber es kam anders. Denn der Tod hatte eine quietschende, kindliche Stimme mit der er das Publikum begrüßte. Er hatte eine schwarze Kutte an, so dass man nur seine Hände sehen konnte, alles andere war verdeckt.

Der Tod erklärte, dass er unterwegs ist um sein Image aufzubessern und dafür sogar einen Imageberater hat. Und somit musste er, gezwungenermaßen, für Stimmung sorgen. Er schmiss zu Anfang deswegen erstmal mit Konfetti um sich und rief immer wieder „Stimmung“ in das Publikum. Außerdem erzählte er, dass er auch mal was Gutes tun wollte und somit bei einer Beerdigung jemanden wiederbelebte, sich nur niemand darüber gefreut hatte, sondern der wieder Lebendige sogar vom Pfarrer nochmal getötet wurde: „Wie man macht’s, man macht es falsch.“ Der Tod redete auch über die Serie „Mitten im Leben“ und sagte dazu nur, wenn das die Mitte sein soll, warum man dann noch Angst vorm Ende hat.

Mallorcatour und Fanpost

Sein Imageberater hatte ihm den Rat gegeben, dass er dem Publikum die Angst vor allem nehmen muss. „So harmlos sehen Radieschen von unten aus“ und zeigte einen Strauß Radieschen, die er dann weiter ins Publikum gab. Der Tod schreibt auch ein Tagebuch, welches er am Abend vorstellte. Dort standen Dinge drin, wie zum Beispiel hatte er eine Anfrage bei Facebook von Angela Merkel bekommen, die neue Ideen für sinkende Arbeitslosenzahlen hat. Außerdem las er vor, das+s er zum Therapeuten geht, dieser aber immer nur davon redet, dass der Tod ihn an seinen toten Opa erinnert und der Tod ihn somit zu ihm gelassen hat.

Um das Image des Todes aufzubessern fliegt er immer wieder nach Mallorca, um dort aufzutreten. Er singt dort Lieder wie: „Ein Stein, der deinen Namen trägt“, „Wahnsinn, ich schicke euch in die Hölle“ oder auch „Atemlos durch die Nacht, Luft vergessen, tot gelacht.“

Der Tod kriegt auch Fanpost von vielen Leuten, wie zum Beispiel von Sabine, die Hilfe bei ihren Eheproblemen braucht. Der Tod würde ihr auch helfen, jedoch hat der Mann ihm zuerst geschrieben. Außerdem hat ihm ein elf jähriges Mädchen geschrieben, die ihm die Adresse des Mathelehrers beigelegt hat. Nicht nur die Fanpost liest er hier sehr begeistert vor, auch im Bundesgesetzbuch stehen Dinge, die das Publikum zum lachen anregen. Im Bundesreisekostengesetz steht, dass wenn ein Bediensteter bei einer Dienstreise stirbt, diese dann beendet ist. Oder wenn eine Frau ihren Mann erschießt, diese keinen Anspruch auf Witwenrente hat.

Der Tod tritt jedoch nicht nur alleine auf, er hat auch eine Gehilfin: Mautzi. Sie besteht aus zwei Styroporkugeln, die er sich auf zwei Finger steckt. Die beiden führen philosophische Gespräche und klären, wie viele Menschen Mautzi aus dem Publikum essen darf.

Er animiert das Publikum auch zum mitmachen, denn er veranstaltet eine Quizrunde, bei der zwei Zuschauer einen Tag, eine Woche oder ein ganzes Jahr mehr zu leben gewinnen können. Zu dem hat er ein Fotoalbum vorbereitet, welches er dem Publikum stolz präsentiert. Man sieht ihn dort bei der Arbeit, oder verschiedene Schilder, die mit dem Tod zusammenhängen, wie Städte, die sich „Hölle“ oder „Ewigkeit“ nennen.

„Am Ende ist alles gut, wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende“, so schließt der Tod den Abend ab und geht von der Bühne. Der Tod, von dem man den richtigen Namen natürlich nicht weiß, hat einen tollen Abend dargeboten, der für alle was zu bieten hatte. Er hat den Tod auf eine Weise dargestellt, über die alle lachen konnten. Der Tod hat mit seinen Witzen, seinem Charme und auch mit seiner Selbstironie das gesamte Publikum des Eschweiler Talbahnhofs in seinen Bann gezogen.

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