Für Hobby-Piloten beginnt die Saison

Von: Stefan Herrmann
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Ein richtiger Hingucker: Ob Doppeldecker oder Düsenjets, auf dem Fluggelände des MFC gibt´s auch für Besucher eine Menge zu bestaunen. Foto: Stefan Hermann

Eschweiler. Langsam rollt das Turbinenflugzeug auf die Rasen-Startbahn. Die Sichtverhältnisse sind gut, der Luftraum ist frei. Gegen einen kleinen Sonntagnachmittagsflug ist also nichts einzuwenden.

Dass es sich hier nur um einen Miniaturdüsenjet handelt, der sich auf dem Gelände des Modell-Flug-Clubs (MFC) Eschweiler in Sekundenschnelle emporschwingt, tut dem Spaß des am Boden gebliebenen Piloten keinen Abtrieb. Der steuert sein luftiges Gefährt elegant in weiten Kurven über den Platz, der zwischen Kinzweiler und Blausteinsee liegt.

Von solch himmlischen Freuden kann Frank Portheine derweil nur träumen. Die kleine Cessna-Nachbildung des MFC-Vorsitzenden macht Probleme. Die zweimotorige Maschine stockt ein wenig nach dem langen Winter. „Aber das wird schon”, ist Portheine zuversichtlich, dass auch er an diesem Tag noch abheben wird.

Was ist das Faszinierende am Hobby „Modellfliegen”? Was reizt die hauptsächlich männlichen Freizeitpiloten, vom Boden aus kleine Flugzeuge - ob Doppeldecker, Düsenjet oder auch Mini-Helikopter - per Fernsteuerung durch die Lüfte zu bewegen? „Es macht einfach Spaß”, sagen alle, die an diesem frühsommerlichen April-Tag abheben wollen. „Modellflieger sind häufig Kombifahrer”, zeigt Portheine mit einem Schmunzeln auf den Parkplatz. Kein Wunder, den die mit viel Liebe fürs Detail gestalteten Flugzeuge müssen schließlich bis zum MFC-Areal transportiert werden.

Und noch was brauchen wahre Freizeitmodellflieger: einen Bastelraum daheim. Denn, so Portheine, der wirkliche Reiz sei die Kombination aus Bauen und Fliegen. Er selbst habe gerade drei Jahre an einem Modell gewerkelt. Jede kleine Schraube muss schließlich sitzen, damit man beim Jungfernflug keinen bösen Absturz erlebt.

Heute gebe es jedoch immer mehr Leute, die sich (fast) fertige Bausätze bestellen und nur aufs Fliegen aus sind. „China macht´s möglich”, erklärt Jugendleiter Jürgen Prickert. Doch gerade dem Nachwuchs möchte man vermitteln, so wünscht es sich auch der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV), dass das Bauen einfach dazugehört.

„Modellfliegen ist Landen. Bei Leuten, die es auf eigene Faust versuchen, kann man sagen: 99 Prozent fallen vom Himmel”, sagt der Experte. Daher rät Frank Portheine allen, die sich für das Modellfliegen interessieren, einen Verein zu kontaktieren. Da gebe es Profis, die Einsteigern die richtigen Tipps geben können. Und zwar auch schon beim Kauf von Modellen, so dass der Spaß am Fliegen lange anhält.

Auch der MFC hat Schnupper- und Gastfliegerangebote. Prädestiniert für Anfänger - ob Jung oder Alt - ist das so genannte Lehrer-Schüler-Fliegen. Wie in der Fahrschule steht dann ein erfahrener „Pilot” mit einem zweiten Sender neben dem Modellflug-Neuling. Und wenn am Himmel das Chaos auszubrechen droht, übernimmt der Profi kurzerhand das Steuer.

Damit die kleinen Flieger noch möglichst lange in ihrer himmlischen Heimat östlich der L240 auf der Höhe des Aldi-Logistikzentrums kreisen können, beobachten Portheine & Co. gespannt die Diskussion der Politik und Verwaltung, neue Vorranggebiete für Windkraftanlagen auf Eschweiler Stadtgebiet auszuweisen. Eines davon könnte in Reichweite des Modellflugplatz entstehen.

„Wenn die hier in unmittelbarer Nähe hinkommen, können wir das vergessen”, haben Portheine und Co. bereits Kontakt zu den Fraktionen aufgenommen und hoffen, dass ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Windräder verursachen Luftverwirbelungen, die das Flugverhalten der Modellmaschinen erheblich beeinträchtigen würden. Daher spricht Portheine von einem Mindestabstand von 500 bis 600 Meter, der gewährleistet sein müsste.

Seit 1978 gibt es den MFC. 1986 musste der Club sein Gelände umlegen. Mit der jetzigen Heimat ist man sehr zufrieden, zumal es eine der größten Modellfluganlagen der Region ist. Aufgrund der guten Lage abseits von Wohngebieten, gibt es zudem nur wenige Auflagen. „Wir dürfen maximal von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang fliegen”, ist Portheine außerdem stolz, vor kurzem eine unbefristete Aufstiegsgenehmigung (für Flieger bis maximal 25 Kilogramm) von der Bezirksregierung für das MFC-Gelände bekommen zu haben.

Modellfliegen, da sind sich hier alle einig, ist ein unglaublich facettenreiches, faszinierendes, aber auch zeitintensives Hobby. Nur der Einstieg will gelernt sein. Die MFC-Mitglieder stehen da gerne bei Interessierten mit Rat und Tat zur Seite. „Runter”, blickt Jugendleiter Jürgen Prickert mit einem Lachen in den Himmel, „kommen sie so oder so irgendwann alle. Es ist noch kein Flugzeug oben geblieben.”

Aber auf das Wie kommt es an. Die MFC-Piloten können es. Und auch Frank Portheine lässt an diesem Tag seine Cessna nach erfolgreicher Reparatur noch eine Runde drehen. Daheim, so sagt er, habe er 23 Modellflugzeuge in seinem „Hobby-Hangar”. „Man baut sie halt einfach schneller als man sie kaputtfliegen kann”, meint er mit einem Augenzwinkern.

Tag der offenen Tür am Pfingstwochenende

Anstatt eines Flugtages möchten die Modellflieger in diesem Jahr einen „Tag der offenen Tür” veranstalten. Voraussichtlich am Pfingstsamstag, 22. Mai, finden hoffentlich zahlreiche Besucher den Weg zum MFC-Gelände zwischen Kinzweiler und Blausteinsee (genaue Anfahrtsbeschreibungen gibt es auf der Homepage).

Hier soll dann jeder einmal die Chance haben, erste Modellflugerfahrungen zu machen. Mit den Profis an der Seite gelingen einfache Manöver nach wenigen Minuten.

Daneben gibt es auch ein kleines Rahmenprogramm und auch für die Verpflegung ist gesorgt. Da Modellfliegen ein wetterabhängiges Hobby ist, kann sich der Termin kurzfristig ändern. Aktuelle Infos finden Interessierte auf der MFC-Internetseite.
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