Für die Kleinsten sind Veggie-Tage selbstverständlich

Von: Christina Handschuhmacher
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Manfred Hanf, Küchenchef des Senioren- und Betreuungszentrums der Städteregion, hält seit Jahren an einem fleischlosen Tag pro Woche fest - freitags kommt bei ihm nur Fisch auf den Tisch. Der Grund: die christliche Tradition der Einrichtung. Von einem Veggie-Tag hält Hanf hingegen nicht allzu viel.

Eschweiler. Die deutschlandweite Welle der Empörung war groß. Von einer regelrechten „Erziehungsdiktatur“ war die Rede. Von „Bevormundung“ und einer „grünen Bundes-Verbots-Republik“. Der Auslöser: Die Initiative der Grünen, einen rein vegetarischen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen einzuführen.

Nun ist auch das Thema Ernährung mitten im Bundestagswahlkampf angekommen. Gemüseauflauf statt Schweinshaxe? Tofu-Bratlinge statt Currywurst? Wie sieht es eigentlich in den Eschweiler Kantinen und Großküchen aus?

Im Senioren- und Betreuungszentrum (SBZ) der Städteregion an der Johanna-Neuman-Straße gibt es schon seit Jahren einen fleischlosen Tag pro Woche - freitags kommt bei Küchenchef Manfred Hanf nur Fisch auf den Tisch. Dies allerdings nicht aus ethischen oder ernährungstechnischen Gründen, sondern aus der christlichen Tradition des Hauses heraus. Aber auch sonst stehen vegetarische Gerichte durchaus auf dem Speiseplan des SBZ. Mal gibt es Reibekuchen, mal einen Auflauf mit Nudeln oder Kartoffeln. „Das ist ja dann auch vegetarisch. Aber das fällt den Bewohnern nicht so sehr auf“, sagt Hanf.

Dennoch sind viele Senioren Fleischliebhaber. „Schweinshaxe oder Sauerbraten stehen hoch im Kurs“, weiß Hanf. „Biete ich ein Gericht mit Grünkern-Bratlingen an, dann wird oft das andere Gericht ausgewählt.“ Das Credo von Küchenchef Hanf ist: Jeder soll das essen, was ihm schmeckt und gut tut - egal, ob Fleisch oder eben vegetarisch. Von einem festen Veggie-Tag, wie die Grünen ihn fordern, hält Hanf nichts: „Für mich ist das eine Bevormundung der Menschen.“

"Wir wollen und können unsere Kunden gar nicht in dieser Form bevormunden“, sagt denn auch Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des St. Antonius-Hospitals. Mit circa 3500 Mittagessen täglich ist die Küche des Krankenhauses der größte Versorger auf Eschweiler Stadtgebiet. „Bei uns gehören vegetarische Gerichte genauso zum Angebot wie muslimisches Essen, diätetische Kost oder Mahlzeiten für Menschen mit Laktose-Intoleranz“, erklärt der Küchenchef des St.-Antonius-Hospitals, Rolf Wilms. Manche vegetarische Mahlzeiten würden dabei besser angenommen als andere.

So seien etwa Pellkartoffeln mit Kräuterquark oder Nudeln mit Tomatensauce beliebter als Gerichte mit Tofu oder Soja. Die Kunden der Außerhausverpflegung können vorab zwischen mehreren Gerichten auswählen. Heute hat Wilms mit seinem Team Pfefferrahmschnitzel, Milchreis, eine Nudelpfanne mit Gemüse und Spirelli mit Tomatensauce und Champignons im Angebot. Drei vegetarische Angebote, ein fleischhaltiges. Küchenchef Wilms ist sicher: „Würden wir das Schnitzel vom Plan streichen, wären unsere Kunden verärgert.“ Von den etwa 1100 Menschen - aufgrund der Sommerferien hat die Küche derzeit weniger zu tun - die Wilms heute mit seiner Mannschaft versorgt hat, haben 800 sich für das Schnitzel entschieden.

Anders sieht die Situation in den städtischen Kindergärten und Schulen aus. „Für die Kitas haben wir mit dem Caterer vereinbart, dass es maximal an drei Tagen Geflügel oder Rindfleisch zum Mittagessen gibt“, sagt Stefan Kaever, Pressesprecher der Stadt Eschweiler. Schweinefleisch bleibt wegen der Kinder aus muslimischen Familien außen vor. An den städtischen Schulen ist stets eines der angebotenen Gerichte vegetarisch.

"Wir beachten die entsprechenden Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, begründet Stefan Kaever das vegetarische Angebot, das bereits seit mehreren Jahren Bestand hat.

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