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Folgt der große Triumph auf die „Katastrophe“?

Von: Andreas Röchter
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Bayern-Fan vom Scheitel bis zur Sohle: Marc Eschweiler, Gründer und Vorsitzender der „Eischwiele Jonge“, stehen am Samstagabend aufregende Stunden bevor. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Der Uhrzeiger tickt unaufhaltsam! Nur noch wenige Stunden bis zum Anpfiff des Champions-League-Finales zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion. Auch für Marc Eschweiler, Gründer und Vorsitzender des Bayern-München-Fanclub „Eischwiele Jonge“, ist der Samstag (natürlich) ein ganz besonderer Tag.

Von Routine keine Spur, obwohl „seine“ Bayern, und damit in gewisser Weise auch er, zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren im weltweit größten Spiels des Vereinsfußballs stehen. Doch gerade dies weckt negative Erinnerungen.

Die Niederlagen gegen Inter Mailand im Jahr 2010 und vor allem die gerade einmal zwölf Monate zurückliegende „Katastrophe“ im „Finale dahoam“ gegen Chelsea London, die Marc Eschweiler vor Ort in der Allianz-Arena erlebte, haben sich tief in das Gedächtnis eingegraben. „Die Stimmung mach dem Abpfiff glich die einer Beerdigung“, blickt der Indestädter zurück.

Und nun Dortmund! „Dem großen Konkurrenten aus Deutschland zu unterliegen, wäre natürlich noch schlimmer, als gegen eine Mannschaft aus dem Ausland zu verlieren“, betont er. „Eine Niederlage am Samstagabend, und wir können diese Saison trotz aller Rekorde in die Tonne kloppen“, wählt der „Eischwiele Jong“ drastische Worte.

Schließlich kann er sich die Häme, die ihm als Bayern-Fan dann entgegenschlagen würde, bereits im voraus vorstellen. „Natürlich ist es nicht immer leicht, in dieser Region Anhänger des FC Bayern zu sein. Doch auf Grund der zahlreichen Erfolge haben wir meistens die Lacher auf unserer Seite“, gibt sich Marc Eschweiler selbstbewusst.

Vor allem in den zurückliegenden Monaten, in denen Schweinsteiger, Lahm, Müller, Robben und Ribery nahezu jeden Gegner national wie international in Grund und Boden spielten, gab es viel zu feiern. „Wobei ein Titelgewinn in letzter Sekunde wie damals 2001, als sich die Schalker für einige Minuten bereits als Deutsche Meister wähnten, noch schöner ist als eine Meisterschaft, die Wochen vor Saisonschluss bereits unter Dach und Fach gebracht ist.“

Madrid und Mailand

Vor inzwischen mehr als zehn Jahren entwickelte der gelernte Schlosser die Idee, einen offiziellen Fanclub zu gründen. Nicht zuletzt, weil es so leichter ist, Karten zu bekommen. „Wir fahren ein- bis zweimal pro Jahr nach München, besuchen aber so viele Auswärtsspiele wie möglich. Und zwar sowohl national als auch international.“

So sah der 37-Jährige bereits Spiele des FCB in Manchester, Madrid, Mailand, Lyon oder Brüssel. Selbstverständlich wäre Marc Eschweiler auch am Samstag gerne mit einigen Freunden seines inzwischen 20 Mann starken Fanclubs in der britischen Hauptstadt, um das große Spiel vor Ort im Wembley-Stadion verfolgen zu können, doch diesmal war es unmöglich, an Karten zu kommen.

„Wir haben alles in die Waagschale geworfen und sogar versucht, über Borussia Dortmund an Tickets zu gelangen. Leider umsonst! Schade, denn eine Karte zu bekommen, wäre wie ein Lottogewinn gewesen.“ Also müssen die „Eischwiele Jonge“ am Samstag mit dem Fernsehgerät vorlieb nehmen.

Treffpunkt 17.30 Uhr

Um 17.30 Uhr ist Treffpunkt bei einem Clubmitglied, dann folgt die Vorbereitung und die Bekämpfung der Nervosität, denn gemischte Gefühle sind durchaus vorhanden. Aber auch das Vertrauen in eine Mannschaft, die in dieser Saison bereits Großes geleistet habe. „Ich hoffe, dass alle Spieler so heiß auf den Titel sind, dass nichts anbrennen wird. Dennoch glaube ich, dass es gegen Real Madrid leichter gewesen wäre“, hat Marc Eschweiler die bittere 2:5-Niederlage gegen die Dortmunder Borussia im DFB-Pokalfinale des vorigen Jahres nicht vergessen.

Aber über eine dritte Champions-League-Finalniederlage innerhalb von vier Jahren wollen die „Eischwiele Jonge“ eigentlich gar nicht nachdenken. „Ich tippe auf einen 2:1-Sieg nach Toren von Müller und Ribery“, geht Marc Eschweiler ins Detail. Und danach? „Geht‘s in die Stadt. Einen Grund, ein oder zwei Bier zu trinken, liefert ein Fußballspiel schließlich immer“, weiß der Bayern-Fan aus glanzvollen und bitteren Erfahrungen.

Um eine dieser beiden Erfahrungen ist Marc Eschweiler am Samstagabend reicher. Um welche, das weiß er in wenigen Stunden...

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