Eschweiler - Flugplatz Merzbrück: 97 Einsprüche eingereicht

Flugplatz Merzbrück: 97 Einsprüche eingereicht

Von: Sarah Maria Berners
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97 Einsprüche gegen die Planungen für den Flughafen Merzbrück: Der Technische Beigeordnete der Stadt, Hermann Gödde (links), hat einen dicken Stapel mit Einwänden der St. Jöriser Bürger von Heio van Norden, Barbara Olbrich und Christian Olbrich (v.l.) entgegengenommen. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Mit einem dicken Stapel Papier sind die drei UWG-Politiker Christian und Barbara Olbrich mit Heio van Norden ins Büro des Technischen Beigeordneten Hermann Gödde gekommen. Es ist ein Stapel von Einsprüchen. Einsprüche gegen die Planungen zum Ausbau des Flugplatzes Merzbrück.

97 Bürger aus St. Jöris haben den Vordruck unterschrieben - 97 von 840. Dazu kommt ein ausführliches Papier, das Haio van Norden und Christian Olbrich unterzeichnet haben, weitere 20 Bürger sollen selbst einen Einspruch verfasst haben. „Hätte ich frühzeitig gewusst, dass auch Bürger aus anderen Stadtteilen unterzeichnen dürfen, hätte ich noch viel mehr Stimmen gesammelt”, fügt Barbara Olbrich hinzu, als wollte sie dem Stapel noch etwas mehr Gewicht geben.

Nur eine Alibiveranstaltung?

Unmengen von Einsprüchen, wie man es angesichts des brisanten Themas vielleicht vermuten würde, sind bisher beim Technischen Beigeordneten nicht eingegangen. Und jetzt wäre es auch zu spät. Spätestens bis Mittwochabend, 24 Uhr, mussten die Bürger ihre Anregungen, Bedenken und Wünsche zu den Ausbauplänen einreichen. Der Packen wird nun zur zuständigen Luftaufsichtsbehörde bei der Bezirksregierung in Düsseldorf weitergeleitet, wo sich Fachleute mit den Anregungen der Bürger befassen.

Und an dieser Stelle hakt es bereits. Viele Bürger hätten Zweifel geäußert, ob es denn überhaupt noch etwas bringe, seine Meinung kundzutun, erzählt Christian Olbrich. „Viele wollten wissen, ob die Beteiligung der Bürger nicht ohnehin nur eine Alibiveranstaltung sei.”

Ergebnisoffenes Verfahren

„Es handelt sich um ein rechtsstaatliches und ergebnisoffenes Verfahren”, betont Gödde. Für die Bezirksregierung gelte es nun, zwischen den unterschiedlichen Argumenten abzuwägen, die Interessen der Anwohner, der Geschäftsreisenden, der Gewerbetreibenden zu beachten. Im nächsten Vierteljahr sei mit einer Rückmeldung der Bezirksregierung zu rechnen.

Bisher ist für den Flugplatz Merzbrück eine Verschwenkung der Start- und Landebahn um zehn Grad in Richtung Süden geplant. Weg von Broichweiden und näher ran an St. Jöris und Verlautenheide also. Die neue Start- und Landebahn soll, um den EU-Richtlinien zu entsprechen, 1160 statt der bisherigen 520 Meter lang werden. Davon sollen 947 Meter für Starts und Landungen zur Verfügung stehen.

Die Lärmbelastung soll sich laut einem Gutachten nicht verschlechtern. „Auch ich wohne seit 63 Jahren im schönen und beschaulichen St. Jöris und würde mich auch wehren, wenn tatsächlich eine Verschlechterung eintreten würde”, sagt etwa Willi Bündgens, der Mitglied der CDU-Fraktion in der Städteregion ist. Die ermittelten Daten insbesondere zum Lärmschutz hätten bisher auch keine negativen Ergebnisse für St. Jöris erbracht.

„Gutachten nicht vollständig”

Das Gutachten zweifeln die Kritiker jedoch an und unterstellen dem Gutachter Befangenheit, da er selbst Flugsportler sei. Gödde stellte jedoch fest, dass er das Gutachten für unabhängig halte. „Bei mehr Flugbewegungen und größeren und lauteren Flugzeugen, wird es lauter - und nicht leiser, wie es im Gutachten steht”, sagen die Kritiker. Olbrich und van Norden sprechen von 10.000 prognostizierten Flugbewegungen.

Uwe Zink, Geschäftsführer der Flugplatz Aachen-Merzbrück (FAM) GmbH, hat bisher jedoch von Steigerungen um 1000 bis 2000 Flugbewegungen in einigen Jahren gesprochen. Zudem halten Olbrich und van Norden das Gutachten für nicht vollständig, weil die entscheidenden Flugzeuge nicht gemessen worden seien.

Neben dem die Gemüter erregenen Lärmaspekt haben die engagieren Bürger neun weitere Begründungen für ihren Einspruch verfasst. Sie merken unter anderem an, dass die geplante Platzrunde - also die Flugwege von Geschäftsflugzeugen - so, wie geplant, nicht erfolgen könnten. Des Weiteren kritisieren sie, dass die Breite der Start- und Landebahn und damit auch der Sicher-heitsabstand reduziert werde. Die Landebahn halten sie für zu kurz, den Bedarf für einen Neubau für nicht nachgewiesen. Zudem werde wertvolles Weide und Ackerland in eine Asphaltpiste verwandelt und die Notwendigkeit des Bahn für die Ansiedlung von Firmen sei zweifelhaft.

„Bei dem geplanten Neubau geht es um deutlich mehr als nur den Erhalt des Status Quo”, konstatieren van Norden und Olbrich in ihrem Schreiben. Daraus könne man nur schließen, dass für die Zukunft ganz andere Dinge geplant seien, sagen sie und spekulieren über Düsenjets auf Merzbrück. Zink hatte erst kürzlich gesagt, dass Düsenjets grundsätzlich nicht zugelassen würden.

Natürlich spielen auch die Finanzen im Einspruch eine Rolle. Die unterzeichnenden Bürger halten es für verantwortungslos, dass sich hochverschuldete Gemeinden mit Eigenanteilen und höheren Betriebskosten weiter belasten. Olbrich und van Norden sehen anders als Uwe Zink auch die 50-prozentige Landesförderung in Gefahr, da die neue NRW-Regierung Verkehrslandeplätze nicht weiter Subventionieren wolle.

Lauter soll es in St. Jöris laut Gutachten allerdings durch die neue Einflugschneise des ADAC-Rettungshubschraubers an der Neusener Straße werden. Die neue Flugroute des Helikopters hängt mit den veränderten Flugwegen durch die Verschwenkung der Landebahn zusammen.

Auch hier wollen die Kritiker genau wissen, warum die Flugroute so verlaufen soll, schlüssig erscheint ihnen das bisher nicht.

Allerdings soll dieser Aspekt nicht im Zentrum der Kritik stehen, da gegen den Rettungshubschrauber per se ja nichts einzuwenden sei, da dieser ja für die Rettung von Menschenleben wichtig sei. „Da müssen Bürger Einschränkungen in Kauf nehmen”, sagt Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter.

Wer mehr über die ausführlichen Einsprüche und detailierten Kritikpunkte von Heio van Norden und Christian Olbrich wissen möchte, kann sich unter Tel. (02403) 35677 an Olbrich wenden.

Am 16. März gibt es eine Bürgerversammlung m Sportheim, bei der über das Thema Merzbrück debatiert wird. Die Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

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