Feuerwehr ist nach wie vor Männerdomäne

Von: Tobias Röber
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Stefanie Paul fühlt sich in der Feuerwehr pudelwohl. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Es ist immer noch ein wenig exotisch. Wenn sich Stefanie Paul, 27 Jahre alt, ihre Uniform anzieht, ist sie meistens nur von Männern umgeben. Im Jubiläumsjahr – die indestädtische Feuerwehr feiert in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag – ist Stefanie Paul eine von sieben Feuerwehrfrauen.

„Ich wollte schon immer etwas tun, was nicht jeder macht“, sagt die 27-Jährige und lacht. Das – so kann man getrost sagen – hat sie geschafft. Rund 250 aktive Feuerwehrleute gibt es in der Inde-stadt, darunter eben nur sieben Frauen. Stefanie Paul war nicht „familiär vorbelastet“. Ihr Vater kennt Harald Pütz, über ihn kam die junge Eschweilerin zu einer großen Übung. Das war im Jahr 1998, und Stefanie Paul gefiel diese Übung offensichtlich so gut, dass sie bei der Feuerwehr blieb. „Ich kannte hier anfangs niemanden“, erinnert sie sich.

Spatenstich mit Antwerpes

Vier Mädchen gab es in der Jugendgruppe Stadtmitte, alle jedoch älter und somit der Jugendgruppe kurze Zeit später entwachsen. „Kein Problem“, sagt Stefanie Paul und nennt die tolle Kameradschaft als einen Grund, warum es sich lohnt, auch als Frau zur Feuerwehr zu gehen. „Ich bin toll aufgenommen worden und es war nie ein Problem, dass ich ein Mädchen bin“, blickt sie zurück.

Im Jahr des 125-jährigen Bestehens blicken die Feuerwehrkameraden natürlich auch intensiv auf die bewegte Geschichte zurück. Schon im Jahr 1848 entstand in der Indestadt ein Brandschutz-Corps. Im Dezember 1889 wurde schließlich die Freiwillige Feuerwehr Eschweiler gegründet, und am 10. Januar 1890 wurden 2000 Reichsmark für die Ausrüstung bewilligt. Wenig später stellte die Stadt der Feuerwehr die Schule am Hehlrather Weg als Übungsobjekt zur Verfügung.

Bis 1934 befand sich die Feuer- und Rettungswache an der Rosenallee, in unmittelbarer Nähe zum Talbahnhof und zum Hauptpostamt. Der erste Spatenstich für den Neubau am Florianweg erfolgte am 1. Oktober 1986 und wurde vom Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes vorgenommen. Ende Januar 1989 zog die Feuerwehr ins neue Domizil, in dem sie bis heute untergebracht ist.

Zur Geschichte gehören selbstredend vor allem unzählige Einsätze, von denen einige große besonders in den Köpfen hängengeblieben sind. Der Großbrand bei Wenzel & Weidmann im Jahr 1985 etwa.

Viele dieser Einsätze kennt Stefanie Paul nur vom Hörensagen, aber selbstverständlich war sie inzwischen bei vielen dabei. Etwa am 26. Juli 2007 an der Röthgener Burg. Ein Pferd war damals dort eingeklemmt und wurde von der Feuerwehr gerettet. Ebenfalls in Erinnerung ist der Brand des „Uferlos“ geblieben. „Da musste ich gleich dreimal unter Atemschutz rein“, erinnert sich die 27-Jährige, die seit 24 Jahren in der KG Ulk Oberröthgen tanzt. Angst habe sie nicht gehabt, allerdings ein mulmiges Gefühl am nächsten Tag, als sie durch die Räume ging. „Da habe ich gesehen, was alles von der Decke gefallen ist“, sagt sie.

Bei Einsätzen und Übungen wird zwischen Mann und Frau nicht unterschieden. Jeder muss gleich mit anpacken, sagt Axel Johnen, Leiter der Eschweiler Feuerwache. Dennoch gebe es Veränderungen. Als Johnen noch Leiter der Feuerwache in Weisweiler war, zogen sich Männer und Frauen direkt nebeneinander um. „Das war aber kein Problem“, sagt er. Dennoch gibt es inzwischen gerade bei Neubauten immer auch separate Umkleidekabinen.

Stefanie Paul hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert, derzeit studiert sie Wirtschaftsingenieurwesen in Aachen. Dass sie bei der Feuerwehr weitermacht, ist für die 27-Jährige klar. Ihr Arbeitgeber legte ihr übrigens während der Ausbildung nie Steine in den Weg, wenn während der Arbeit Einsätze anstanden.

Stefanie Paul und Axel Johnen ermuntern Frauen, in die Feuerwehr einzutreten. Auch, wenn der Wachleiter weiß, dass Frauen bei einer Schwangerschaft natürlich sofort aus dem Dienst raus sind. Es gebe aber zum Beispiel im Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung

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