Eschweiler - Festhalle: Hier war Weisweiler beinahe großstädtisch

Festhalle: Hier war Weisweiler beinahe großstädtisch

Von: Elisa Zander
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Da geht es am Wochenende wieder rund: Auf dieser Bühne, wo einst Heinz Erhardt und Rudi Carrell auftraten, feiern heute meist Karnevalisten und ortsansässige Vereine. Auch Ottmar Krauthausen ist dabei. Foto: Elisa Zander
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Aufnahme aus den 1960er Jahren: An der Fassade der Halle hat sich bis heute fast nichts verändert. Foto: Archiv EGV

Eschweiler. Zarah Leander, Willy Millowitsch, Heinz Erhardt, Rudi Carrell – auf der Bühne der Weisweiler Festhalle haben schon die ganz Großen des Showbusiness gestanden. „Howard Carpendale und Millowitsch habe ich hier sogar noch live erlebt“, erinnert sich Ottmar Krauthausen. Er war gerade acht Jahre alt, als die Halle am 22. Mai 1963 feierlich eröffnet wurde.

Bei dem Fest war er nicht dabei. Aber sein Leben ist bis heute eng mit der Halle verbunden. Erst war er Gast, später dann selbst Künstler auf der Bühne, wenn er mit den Blauen Funken, wo er 13 Jahre Vorsitzender war, dort Karnevalssitzungen feierte. Seit zweieinhalb Jahren ist er nun Pächter, betreibt die Halle, hält die Fäden in der Hand. „Ich kenne sie in- und auswendig.“

Zehn bis zwölf Stunden verbringt er täglich vor Ort, seinem zweiten Zuhause. An Veranstaltungstagen werden es auch schon mal 18 Stunden. Davon gibt es jährlich „zwischen 40 und 50“, schätzt Krauthausen. Doch mittlerweile wird die Festhalle nicht mehr nur für Feierlichkeiten genutzt. Tanztraining findet hier statt, Karnevalsgruppen studieren Auftritte ein, Musikgruppen üben Lieder. „Dadurch sind wir auch in der Woche voll ausgelastet.“

Kabarett, Musik, Theater

Das war mal anders. In den „glorreichen Zeiten“, wie Ottmar Krauthausen die Jahre nennt, „gab es ein Mal im Monat interessante, besondere Veranstaltungen, zu denen man gehen konnte“. Kabarett, Musik, Theater. „Die, die samstags bei Dieter Thomas Heck in der Hitparade waren, kamen eine Woche später zu uns. Auf kulturellem Gebiet hatte Weisweiler Großstadtcharakter.“

Mit dem Bau wurde im September 1960 begonnen. Weisweiler, damals 6000 Einwohner und eine der reichsten Gemeinden Deutschlands, gehörte noch dem Kreis Düren an. „Es gab sehr hohe Gewerbesteuereinnahmen. Und das Geld musste man unterbringen.“ Es wurden Schwimmbäder und Schulen gebaut. Und dann die Festhalle. „Etwas wie das Eurogress oder die Arena in Düren gab es nicht“, erzählt Ottmar Krauthausen. „Die Halle war im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern die einzige ihrer Art.“

Ort für Vereine

Die „glorreichen Zeiten“ nahmen „ein jähes Ende mit der kommunalen Neuregelung 1972. Eschweiler hatte nicht diesen Reichtum, darum war es nicht möglich, diesen Stil weiterzuführen.“ Heute ist die Festhalle mehr ein Ort, wo Vereine ihre Veranstaltungen abhalten. Menschen aus Karneval, Musik und Sport stehen dann auf der Bühne, auf der einst Zarah Leander sang.

Damit habe sich natürlich auch das Flair geändert, sagt Krauthausen. „Die Menschen sind mobiler geworden. Früher kamen nur Menschen aus der nahen Umgebung. Wenn heute die Paveier hier auftreten, feiern hier auch Menschen aus Bergheim, Aachen und Köln.“

In den 50 Jahren ist an der Halle fast nichts verändert worden. Hier und da wurde etwas saniert, die Technik erneuert. „Aber alles, was charakteristisch für den Saal ist, ist noch so, wie es war.“ Eben so, wie Architekt Alfons Schmitt es damals entwarf und baute. Dazu gehört beispielsweise die Holzvertäfelung. Und auch die blauen Vorhänge an den Fenstern sind noch von 1963. Viele Besucher fänden, das gerade deswegen, durch die „heimelige Atmosphäre“, die Festhalle die schönste ihrer Art sei.

Viele Menschen aus dem Stadtteil können Geschichten und Anekdoten zu der Festhalle erzählen, weiß Krauthausen. Eine, die ihm direkt einfällt, ist der Besuch von Willy Brandt, der in den 1960er Jahren, noch in seiner Amtszeit als regierender Bürgermeister von Berlin, nach Weisweiler kam.

„Da brach hier ein richtiger Hype aus“, erinnert er sich. „Jeder wollte ihn sehen, ihm die Hand schütteln.“ Gegenüber der Halle waren zu der Zeit noch Obstwiesen. „Einige Menschen waren in die Bäume geklettert, um einen Blick auf Brandt werfen zu können.“ Krauthausen selber hatte „keine Chance“, näher an den hohen Besuch heranzukommen. Doch von der Rede, die Brandt an diesem Tag in der Festhalle hielt, bekommt er noch manchmal erzählt.

Schulkind von 1963 gesucht

Davon wird sicher auch wieder die Rede sein, wenn in diesem Jahr am 25. Mai das Jubiläum der Halle gefeiert wird. Das Programm, das seinerzeit zur Eröffnung gestaltet wurde, wird aufgegriffen. Mit dem Bamberger Marsch, den die damalige Feuerwehrkapelle zu Beginn spielte, wird auch der diesjährige Festakt eröffnet.

Ein Programmpunkt aber steht noch aus: Ein Schulkind der damaligen Volksschule Weisweiler ein Gedicht hatte damals ein Gedicht aufgesagt. „Diese Person suchen wir noch. Es wäre toll, wenn er oder sie das gleiche Gedicht noch einmal aufsagen würde.“ Die besagte Person kann sich mit Ottmar Krauthausen unter Telefon 961450 in Verbindung setzen.

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