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Feier auf dem Markt: SPD blickt zurück auf 150 Jahre

Von: ran
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Sorgten für Stimmung während der Jubiläumsfeier der Eschweiler SPD: die Musiker der Band „Fleuth 53“. Foto: Andreas Röchter
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Auf der Suche nach sozialdemokratischen Wurzeln in der Region: der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär Achim Großmann. Foto: Andreas Röchter
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73 Jahre Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Franz Rütt (auf der Fotografie rechts zu sehen) trat der Partei 1919 bei und blieb ihr bis zu seinem Tod im Jahr 1992 treu. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Als Ferdinand Lassalle am 23. Mai 1863 im Leipziger Versammlungslokal „Pantheon“ den „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ gründete, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass aus dieser Bewegung einmal eine Partei hervorgehen würde, die zeitweise mehr als eine Million Mitglieder zählte.

150 Jahre später blicken die Verantwortlichen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf eine äußerst bewegte Geschichte und zahlreiche Errungenschaften zurück. Der Weg dahin war allerdings steinig. Viele Sozialdemokraten zahlten für ihre Überzeugungen einen sehr hohen Preis. Nicht zuletzt daran erinnerte der SPD-Stadtverband am Samstag während seiner Jubiläumsfeier auf dem Eschweiler Marktplatz.

Bürgermeister Rudi Bertram begrüßte zunächst neben Gewerkschaftsmitgliedern und Vertretern der Naturfreunde sowie der Arbeiterwohlfahrt auch Abgesandte anderer Parteien, um dann eine „Liebeserklärung“ in Richtung „seiner“ SPD abzugeben. „Als ich mich heute morgen vorbereitete, war ich einmal mehr von den Menschen beeindruckt, die die SPD geprägt haben. Ob Ferdinand Lassalle, August Bebel, Friedrich Ebert, Otto Wels, Kurt Schumacher oder Willy Brandt, um nur einige Namen zu nennen. Wie entschieden diese Personen, trotz teilweise schwerster Repressalien, für die Überzeugungen der SPD eingetreten sind. Auch deshalb bin ich stolz, Teil dieser SPD zu sein. Und ich werde dies auch weiterhin nach außen tragen“, so der Bürgermeister.

Auch Eschweiler sei durch die Arbeit von Sozialdemokraten wie Fritz Koch, Erich Berschkeit oder Günter Wagner geprägt. Fast noch wichtiger seien aber die Menschen aus der zweiten und der dritten Reihe, die oft im Verborgenen arbeiteten.

„In der Zukunft liegen riesige Aufgaben vor uns. Deshalb müssen wir als SPD weiterhin auf die Menschen zugehen. Arbeiten wir daran, dass in 50 Jahren jemand hier stehen und mit Stolz auf 200 Jahre SPD zurückblicken kann“, schloss Rudi Bertram seine Ausführungen, um den Stab an den Stadtverbandsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling weiterzugeben. Dieser betonte, dass keine andere deutsche Partei auf eine Tradition wie die SPD verweisen könne.

„Die SPD ist der stabile demokratische Anker dieses Landes. Dabei war sie immer in der Lage, auf veränderte Lebensrealitäten zu reagieren und damit immer auf der Höhe der Zeit.“ Selbst in den dunkelsten Stunden der Geschichte Deutschlands habe die SPD für die Demokratie sowie Menschen- und Bürgerrechte gekämpft. Im Vergleich zu den Anfängen dieses Kampfes habe sich vieles zum Guten verändert, doch hätten Sozialdemokraten für manche Errungenschaft selbst mit dem Leben bezahlt.

Dabei seien es oft die „kleinen“ Leute gewesen, die innerhalb der SPD Geschichte schrieben. „Das beweist, dass Herkunft nichts mit Haltung zu tun hat“, so Stefan Kämmerling, der anschließend unter dem Applaus der Zuhörer verkündete, dass Bürgermeister Rudi Bertram am 25. Mai 2014 erneut für das Amt des Eschweiler Verwaltungschefs kandidieren wird.

Acht Monate früher bewirbt sich der Alsdorfer Detlef Loosz für ein Bundestagsmandat. In einem kurzen Grußwort erklärte er, dass die SPD seit 150 Jahren für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit stehe. „Werte, die von der derzeitigen Bundesregierung mit Füßen getreten werden“, kritisierte er. Deshalb gelte es, bis zur Bundestagswahl um jede Stimme zu kämpfen.

Josef Kreies, stellvertretender Vorsitzender der Eschweiler Ortsgruppe der „Naturfreunde“, hob die vergleichbaren Wurzeln von SPD und Naturfreunden hervor. „Beide stammen aus der Arbeiterbewegung, engagieren sich für eine soziale und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gesellschaft und bekennen sich zum demokratischen Sozialismus.“ Abschließend nahm er die Sozialdemokraten mit einem Zitat von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in die Pflicht.

„Nicht jeder Naturfreund muss Mitglied der SPD sein, aber jeder SPD-Mandatsträger sollte Mitglied der Naturfreunde sein“, wies er auf zahlreich vorhandene Mitgliedsanträge hin. Thomas Ladwig erinnerte als Vorsitzender des Awo-Ortsverbands Eschweiler-Mitte daran, dass mit der Sozialdemokratin Marie Juchacz die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt als erste Frau nach Erlangung des Frauenwahlrechts am 19. Februar 1919 eine Rede vor der Weimarer Nationalversammlung hielt.

Weit zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts blickte dann Achim Großmann, Parlamentarischer Staatssekretär a. D. und Leiter der Geschichtswerkstatt der SPD im Unterbezirk Kreis Aachen.

„Ich plane, ein Buch zu schreiben über die Entwicklung der sozialdemokratischen Idee im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen in der Zeit von 1816 bis 1914“, machte der ehemalige Bundestagsabgeordnete deutlich. „In dieser Zeit wurden Menschen mit sozialdemokratischen Überzeugungen verfolgt und diffamiert. Ich möchte deren Geschichte erzählen, weil ich überzeugt bin, dass wir es diesen Menschen schuldig sind, uns an sie zu erinnern und uns vor ihnen zu verneigen.“

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seien Wochenarbeitszeiten von über 80 Stunden und Kinderarbeit Normalität gewesen. „Arbeiter waren Lohnsklaven, die Wohnverhältnisse katastrophal und in Sachen Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit herrschte Fehlanzeige.“ Nachdem 1850 erstmals sozialdemokratische Schriften in Eschweiler verteilt worden seien, habe 1869 die erste große Versammlung in Bergrath vor 80 Zuhörern stattgefunden. Bei den Reichstagswahlen des Jahres 1871 habe dann erstmals ein Sozialdemokrat in Eschweiler Stimmen erhalten.

„Doch der immense Druck der Polizei und das spätere Sozialistengesetz bereiteten dem zarten Pflänzchen´ Sozialdemokratie zunächst ein Ende“, so Achim Großmann. Und selbst nach der Aufhebung des Gesetzes seien Repressalien an der Tagesordnung gewesen. Der Versuch, die sozialdemokratische Bewegung gänzlich zu zerschlagen, sei jedoch zum Scheitern verurteilt gewesen.

Musikalisch gestaltet wurde die Jubiläumsfeier von der Band „Fleuth 53“. Nach den Reden war für die Gäste noch ausreichend Zeit, sich bei herrlichem Sommerwetter und kühlen Getränken auszutauschen.

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