FDP lädt zu einer Diskussionsrunde zum Thema Integration ein

Von: ran
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Nannten in einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Eschweiler FDP ihre Standpunkte zum Thema „Integration“: Kasim Ramic, Miriam Zaidouni, Nora Hamidi, Hamad Mohamad, Ferdi Küsek, Chaa Baba und Abbas Issifou. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Integration! Ein großes Wort, das die Teilhabe aller Menschen, unabhängig ihrer kulturellen oder sozialen Herkunft, am gesellschaftlichen Leben beschreibt. Doch wie steht es um die Integration in unserem Land, in unserer Region und nicht zuletzt in unserer Stadt?

Zu einer Diskussionsrunde zum Thema Integration hatten nun die Verantwortlichen der Eschweiler FDP in das Bistro des Hotels de Ville eingeladen. Dabei war mit Dr. Joachim Stamp nicht nur der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP-Landtagsfraktion zu Gast. Im Mittelpunkt der Gespräche standen mit Nora Hamidi, Miriam Zaidouni, Ferdi Küsek, Kasim Ramic, Hamad Mohamad, Abbas Issifou und Chaa Baba sieben Menschen unterschiedlichster Herkunft, die in Eschweiler und Umgebung ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Die fünf Erstgenannten kandidieren bei der Wahl am 25. Mai als Liste „Internationales Team“ für den Integrationsrat der Stadt Eschweiler, die beiden Letztgenannten präsentieren den togolesischen Kulturverein „Kezebidi“, der am 19. April zum wiederholten Mal zum „Internationalen togolesischen Kulturtag“ in die Festhalle Kinzweiler einlädt.

„In den 50er Jahren begann Deutschland, Menschen aus anderen Ländern anzuwerben. Auch heutzutage ist die Bundesrepublik, obwohl dies von vielen Personen nach wie vor geleugnet wird, auf Zuwanderung angewiesen. Wir befinden uns in einem internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe, deren oft hochwertige Abschlüsse wir nicht anerkennen“, legte der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Christian Braune zur Begrüßung gleich den Finger in eine Wunde. Dr. Joachim Stamp betonte, das Ziel müsse eine „offene Gesellschaft sein, in der es möglich ist, über Reibungen zu sprechen“.

Wer im in Deutschland bestehenden Rechtsrahmen an der Weiterentwicklung der Gesellschaft teilnehmen möchte, müsse herzlich willkommen geheißen werden. „Doch Probleme müssen offen benannt und diskutiert werden können. So ist die Feststellung, dass manche Stadtteile von Armutsintegration betroffen sind, keine Stigmatisierung. Allerdings kommt es immer auch auf den Ton an, wie solche Probleme angesprochen werden“, so der „Integrations-Sprecher“ der FDP-Landtagsfraktion.

Bei der demografischen Entwicklung, die Deutschland bevorstehe, liege die Zuwanderung im nationalen Interesse. „Auch, um den Wohlstand zu festigen.“ Deshalb gelte es, vermehrt Studien- und Ausbildungsabschlüsse von Zuwanderern anzuerkennen. Darüber hinaus sei die Verweigerung der doppelten Staatsbürgerschaft eine kleinkarierte, geradezu anachronistische Verhaltensweise. „Pluralität muss das Gebot der Stunde lauten“, so Dr. Joachim Stamp. Bedenklich stimmen müsse, dass die Bildungschancen in Nordrhein-Westfalen sehr stark abhängig von der Abstammung seien. „Selbstverständlich muss sein, dass Rassismus in jeder Form keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf“, schloss der Landespolitiker zunächst seine Ausführungen.

Über ihre Situation in Eschweiler berichtete anschließend Nora Hamidi, in der Indestadt aufgewachsene medizinisch-technische Radiologie-Assistentin marokkanischer Herkunft, die seit fünf Jahren Mitglied des Integrationsrats ist: „Ich fühle, dass Eschweiler meine Heimat ist und ich ein Teil dieser Stadt und Deutschlands bin. Als Kind habe ich mich während des Urlaubs in Marokko immer gefragt, wann wir wieder nach Hause fahren“, zeichnete sie ein positives Bild Eschweilers. Aber erfährt sie nicht trotzdem Alltagsrassismus? „Ja, immer wieder! Aber ich bin ein selbstbewusster Mensch, der sich seinen Weg freischaufelt!“ Dennoch gab sie ein Beispiel von erlebtem Alltagsrassismus: „Als ich eine Bekannte spanischer Herkunft zum Ausländeramt der Städteregion Aachen in die Kaiserstadt begleitet habe, hat sich das angefühlt, als ob es dort niemandem passt, dass wir hier sind“, sprach Nora Hamidi deutliche Worte.

Aus politischen Gründen verließ der heute 39-jährige Abbas Issifou sein Heimatland Togo in Richtung Deutschland. Der in Aachen wohnhafte Landschaftsbauer betonte die Offenheit, die ihm und dem togolesischen Kulturverein in Eschweiler entgegengebracht worden sei und werde. „Integration bedeutet Offenheit von beiden Seiten“, unterstrich er. Dennoch werde ihm und anderen Migranten täglich vor Augen geführt, nicht aus Deutschland zu stammen. „Die Wohnungssuche ist schwierig. Ein Vermieter teilt mit, die in Frage kommende Wohnung sei bereits vermietet. Doch am nächsten Tag lese ich in der Zeitung, dass sie nach wie vor zu haben ist“, brachte auch Abbas Issifou ein anschauliches Beispiel an.

Sein Landsmann Chaa Baba, der auf einer dem deutschen Gymnasium vergleichbaren Schule in Togo die deutsche Sprache erlernte, führte an, dass die Anerkennung als politischer Flüchtling in Deutschland sehr lange dauere. „Bei den Behörden hört man oft nichts anderes als Fragen, wo dieses oder jenes Papier sei.“

Eine Anmerkung, die Christian Braune aufnahm: „Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, stellen nicht selten die intellektuelle Elite ihres Heimatlandes dar. Und wir machen diese Menschen häufig zu Hilfsarbeitern!“ Deshalb müssten die zur Zeit noch geltenden Arbeitsverbote verschwinden. „Darüber hinaus muss diesen Menschen zumindest der Zugang zu den Volkshochschulen kostenfrei möglich gemacht werden, damit sie sich weiterbilden können“, erklärte der FDP-Stadtverbandsvorsitzende.

Kurz darauf brachte Hans-Jürgen Krieger, Sprecher der FDP im Eschweiler Integrationsrat, das Thema „muttersprachlicher Unterricht“ auf die Tagesordnung. Ein Thema, zu dem sich Nora Hamidi deutlich äußerte: „Für mich lautet die Frage, was bringt meine Kinder hier nach vorne. Die Antwort: Deutsch, Englisch, Mathematik. Natürlich möchte ich auch, dass meine Kinder die Sprache ihrer Großeltern und Vorfahren sprechen, nämlich Arabisch. Dies sollte aber nicht im Schulunterricht, sondern durch private Initiativen geschehen.“

Entscheidend sei, die vorhandenen Probleme gemeinsam anzugehen und diese nicht von der Hautfarbe oder Herkunft abzuleiten. Ferdi Küsek, Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter, erklärte, als Kind von Türken als Deutscher und von Deutschen als Türke angesehen worden zu sein. „Ich hatte das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören und fühlte mich als Außenseiter“, so der gebürtige Eschweiler, der seit seinem zehnten Lebensjahr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist. Die Wende habe ein Zeugnis mit weniger guten Noten gebracht. „Als ich dieses Schriftstück in der Hand hielt, war dies der Anreiz, meinem Vater zu beweisen, dass ich etwas kann“, so Ferdi Küsek, Kandidat der Liste „Internationales Team“ bei der Wahl des Integrationsrats.

„Wir wollen ihnen zuhören und auch nach den Wahlen am 25. Mai ähnliche Veranstaltungen abhalten, um permanent mit ihnen im Gespräch zu bleiben. Wir hoffen, dass dann auch Vertreter anderer Parteien hinzukommen“, erklärte Christian Braune. Das Schlusswort gehörte aber Nora Hamidi: „Eigentlich wollte ich nach fünf Jahren als Mitglied des Integrationsrats aufhören. Die Alternativen lauteten, mich zurückzuziehen oder Menschen zu finden, die ähnlich denken wie ich. Und ich habe diese Menschen gefunden. Gemeinsam wollen wir nun auch andere infizieren, um die Situation in Eschweiler, auch in Sachen Integration, weiter zu verbessern.“

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