Eschweiler/Stolberg - Familie „Sternenhaus“ will nicht mehr weg

Familie „Sternenhaus“ will nicht mehr weg

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Ein starkes Team: FSJ‘ler Florian Lieser, Trudi Rath, Daniel Horn, Reiner Bürschgens, Guido Möbus (hinten, v.l.), Nicole Hund, Ilona Stuhlweißenburg (vorne, v.l.) und La­brador-Hündin Emma. Foto: Doris Kinkel-Schlachter

Eschweiler/Stolberg. Knapp ein Jahr ist es nun her, dass Guido Möbus sagte: „Wir sind die neuen Nachbarn, die ihr Umfeld kennenlernen wollen.“ Und als Zugezogener bot er „seinen neuen Nachbarn“ auch an, gerne mal vorbeizuschauen, um zu sehen, dass im Sternenhaus ein netter bunter Haufen lebt.

Das haben die Nachbarn auch gemacht, und bei der offiziellen Eröffnung am Freitag sind Gerda Keppel sowie Jörg Beissel (Kleine Offene Tür) mit von der Partie. „Jörg von der KOT war eine tolle Brücke für unsere Kinder, um hier auf dem Donnerberg Fuß zu fassen“, betont der Teamleiter vom „Sternenhaus“.

Acht Kinder im Alter von elf bis 16 Jahren finden Platz in der traumapädagogischen Wohngruppe, die sich Sternenhaus nennt und dem Haus St. Josef angehört. Fast ein Jahr nach dem Umzug von der Dürener Straße zur Höhenstraße auf dem Donnerberg „kann ich sagen: Wir sind angekommen“, sagt Guido Möbus in die Runde der zahlreich erschienenen Gäste. Und fügt zum Schluss hinzu: „Wir möchten hier auch nicht mehr weg!“

Als die Außenwohngruppe der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe auf der Suche nach einer neuen Bleibe war, konnte das Vorhaben nicht so einfach umgesetzt werden. „Acht Kinder, sieben Mitarbeiter und ein Hund sind nicht so einfach unterzubringen“, erinnert sich der Teamleiter. K.o.-Kriterium war dann noch der Satz „...wir kommen von der Jugendhilfe“. Die vorherige Einrichtung in der Dürener Straße hatte den Ansprüchen nicht mehr genügt: Es war ein altes Haus mit kleinen Fenstern, beengtem Garten, mitten in der Stadt. Da gab es wenig Platz sich zu entfalten. Aber Platz, Licht, Wärme – das sind Faktoren, die die jungen Bewohner brauchen – und im Sternenhaus auf dem Donnerberg finden.

Die familiär eingerichtete Wohngruppe befindet sich im ehemaligen Pfarrhaus, das nach dem Auszug von Pastor Ferdi Bruckes längere Zeit leer gestanden hatte. Pastor Bobby van den Berg, der als erster und auch am längsten – über 20 Jahre – in dem Anfang der 80er Jahre errichteten Pfarrhaus gewohnt hat, zeigt sich bei der Eröffnungsfeier begeistert von der gemütlichen Atmosphäre, die das Haus jetzt ausstrahlt.

Es gibt ein Wohnzimmer mit einer gemütlichen Sitzecke. Der alte Holzofen ist geblieben. „Spätestens beim Anblick des Ofens habe ich gesagt: Hier können wir uns wohlfühlen“, sagt Guido Möbus.

Überall hängen Bilder, die die jungen Bewohner zeigen, mal mit, mal ohne Betreuer, aber immer gut gelaunt. Im Flur hängen Stundenpläne sowie Termine. Oben wohnen die vier Mädchen und vier Jungen, bei drei Zimmern stehen die Türen auf, die anderen sind verschlossen – Privatsphäre zählt eben auch. Ein Junge ist Gladbach-Fan, die Fahne der Fohlenelf hängt über seinem Bett, die Farben in seinem Zimmer: grün, weiß, schwarz. „Unsere Kinder und Jugendlichen planen, gehen mit einkaufen und werden so viel mit einbezogen wie nur irgendwie möglich. Mitspracherecht ist uns sehr wichtig“, sagt Erzieher Reiner Bürschgens.

Die jungen Menschen leben eine Zeit lang im Sternenhaus, bis sie wieder „rückgeführt“ werden können. Das dauert, denn die seelischen Verletzungen der Kinder sitzen tief. Die speziell geschulten Pädagogen stehen ihnen rund um die Uhr zur Seite. „Die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen sollen in einer heilsamen Umgebung aufwachsen und Selbstwirksamkeit erleben.

Die Grundlage unserer Arbeit ist eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen. Wir helfen ihnen dabei vorhandene Ressourcen freizulegen, ihre körperliche und psychische Entwicklung zu fördern und sich sozial zu integrieren. Die Grundidee unseres Konzeptes ist, das die Kinder und Jugendlichen in einem inneren und äußeren sicheren Ort aufwachsen und hier zur Ruhe kommen“, erklärt Möbus.

Wochentags geht es schon um 5 Uhr los: aufstehen, frühstücken, Schulbank drücken. „Von der Förder- über die Haupt-, Real- und Gesamtschule ist alles dabei“, sagt Bürschgens. Am Nachmittag isst die Gruppe gemeinsam zu Mittag, dann werden Hausaufgaben gemacht, bevor das Vergnügen kommt. „Bei uns läuft alles wie in jeder anderen Familie auch.“

Und wie in einer Familie gibt es auch Regeln. Das kennen die meisten nicht, „denn damals gab es oft niemanden, der sich um sie gekümmert hat. Und somit gab es auch keine Regelnt“, sagt Möbus. Die Aufgabe der Erzieher ist es herauszufinden, wovor die Kinder und Jugendlichen sich fürchten, und ihnen diese Angst zu nehmen. „Wir wollen sie bestmöglich vorbereiten, damit sie mit 18 Jahren hier ausziehen und selbstständig durchs Leben ziehen können.“

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