Eschweiler - „Faktor X”: Projekt als Impuls für ganz Deutschland

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„Faktor X”: Projekt als Impuls für ganz Deutschland

Von: Tobias Röber
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Zeigten sich zufrieden mit den
Zeigten sich zufrieden mit den Ergebnissen des Projekts: Stephan Baldin (Stiftung Kathy Beys), Christine Dern vom betreuenden Architektenbüro aus Dortmund, Harald Faerber (Sieger des Wettbewerbs), der Jury-Vorsitzende Professor Rolf Westerheide, Baudezernent Hermann Gödde und Achim Lückoff von RWE Power (v.l.).

Eschweiler. Bürgermeister Rudi Bertram und die Jury des städtebaulichen Wettbewerbs „Faktor X - Ressourceneffizientes Bauen und Wohnen” gerieten am Freitag ins Schwärmen. Im Rathaus wurden die Siegerentwürfe vorgestellt.

Das Besondere: Es sei ein in Deutschland bislang einmaliger Wettbewerb, betonten alle unisono. Jury-Vorsitzender Professor Rolf Westerheide drückte es wie folgt aus: „Das Projekt ist ein Impulsgeber und wegweisend für die Zukunft.”

Das Projekt hatte die Stadt Eschweiler in Zusammenarbeit mit der Aachener Stiftung Kathy Beys und der RWE Power AG gestartet. Ein besonderer Fokus liegt bei diesem Wettbewerb auf dem „Faktor X”. Innovation, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sollen darin verbunden werden. Es wurde ausdrücklich betont, dass es nicht nur um Energieeffizienz gehe. Ressourceneffizienz gehe weit darüber hinaus.

So sollen Gebäude etwa problemlos umgewidmet oder umgebaut werden, die Lebenserwartung von Bauteilen muss ebenso berücksichtigt werden wie der Wartungsaufwand. Auch Fragen nach der Wiederverwertbarkeit spielen eine große Rolle. Weitere Potenziale sollen im Bereich des Zusammenlebens der Bewohner geschaffen werden. So könnten Autos, Werkstätten und Büroinfrastruktur gemeinsam genutzt werden.

Bei dem Gelände in Dürwiß handelt es sich im überwiegenden Teil um den ehemaligen Sportplatz des SC Bewegung Laurenzberg. 1971 wurde dieser eingeweiht, 2001 wieder aufgegeben. Der Verein bezog den Sportpark am See nur wenige Meter weiter.

Die Jury diskutierte intensiv, die Entscheidungen für die drei Erstplatzierten fiel schließlich einstimmig. Zur Jury unter dem Vorsitz von Professor Rolf Westerheide, Architekt und Stadtplaner der RWTH Aachen, gehörten Hermann Gödde (Baudezernent der Stadt Eschweiler), Stephan Baldin (Aachener Stiftung Kathy Beys), Professor Dr. Harry Lehmann vom Bundesumweltamt) und Achim Lückoff (Leiter der Bauflächenentwicklung bei RWE Power).

Den ersten Platz belegte das „Büro E. + H. Faerber - Büro für Architektur und Innenarchitektur” aus Mainz. Dafür gab es ein Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro. Der zweite Rang mit 7000 Euro ging an „team 51,5 Grad architekten” aus Wuppertal und London, und der dritte Preis, der mit 6000 Euro dotiert war, ging an „reicher haase associierte GmbH” aus Aachen. Zudem gab es einen Anerkennungspreis in Höhe von 5000 Euro für die „Gruppe Angepasste Technologie” (GrAT) der TU Wien mit dem Architekten Scheicher”.

Der Gewinner-Entwurf sieht ein verdichtetes, kleinstädtisch wirkendes Viertel mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bauformen und Nutzungen vor. In seinem Zentrum soll es demnach einen Platz mit windmühlenartiger Randbebauung und einem Wasserspielplatz geben. Die Vorschläge zur Ressourceneffizienz stufte die Jury als „Stand der Technik” ein. Sprich: Neues gibt es nicht, eine Überarbeitung soll noch erfolgen. Das Fazit zu diesem Entwurf: Die Arbeit sei ein wertvoller Wettbewerbsbeitrag und könne mit leichten Einschränkungen Vorbildcharakter und hohe Identifikation erzeugen.

Besonders wurde auf Platz zwei hingewiesen. Nach diesem Entwurf soll es als zentrales Element eine Allmende geben. Das ist eine Fläche, die gemeinsam von allen Bewohnern genutzt werden kann.

Ebenfalls nicht außer Acht soll auch beiden weiteren Planungen der Entwurf gelassen werden, der mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde. Zwar war dieser Entwurf aus städtebaulicher Sicht alles andere als besonders, das Ressourcenkonzept überzeugte jedoch umso mehr. Die Baukonstruktion mit nachwachsenden Rohstoffen wie Lehm und Stroh hat sich Hermann Gödde in Wien bereits angesehen. Dort wurde ein solches Haus gebaut.

Entlang der Sebastianus- und der Karl-Arnold-Straße gibt es bereits Wohnbebauung mit bis zu drei Geschossen. Neue Gebäude müssen sich natürlich in dieses Bild einfügen. Die unbebauten Grundstücke - es geht um rund drei Hektar gehören der Stadt Eschweiler zu zwei Dritteln und der RWE Power AG.

Wie geht es jetzt weiter? „Die Pläne werden nicht wieder in der Schublade verschwinden”, versprach Hermann Gödde am Freitag. Das Bebauungsplanverfahren solle nun auf den Weg gebracht werden, sagte Gödde. Einen genauen Zeitplan gebe es noch nicht. Es gebe jedoch bereits interessierte Investoren. Auf die ist die Stadt auch angewiesen. Das Ziel ist, dass 2013/14 die ersten baureifen Grundstücke angeboten werden können.

Die eingereichten Entwürfe kann sich jeder Interessierte bis zum 14. September im Foyer des Rathauses ansehen. Das Projekt wird zudem in Kürze beim Europäischen Ressourcenforum präsentiert. Vielleicht gibt es im Anschluss für Jury und Bürgermeister noch mehr Grund, ins Schwärmen zu geraten.
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