Radarfallen Blitzen Freisteller

Fahrradunfälle: Sicher im Sattel gilt nicht an der Inde

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Fast täglich dreht Sabine Overath eine Runde auf ihrem E-Bike. Für die Rentnerin gehört das Fahrradfahren zu ihrem Alltag dazu und ist mittlerweile zu einer großen Leidenschaft geworden. Doch so gerne sie auch ihre Runden dreht, für sie steht fest: „Für mich ist Eschweiler als Radfahrer eine Katastrophe.“

Vor ihrem Umzug, der sie und ihren Mann vor zweieinhalb Jahren nach Röhe führte, sei sie über 20 Jahre lang in Heinsberg mit dem Fahrrad gefahren. „Da habe ich nie das erlebt, was ich hier erlebt habe“, ist sie sich sicher.

Auf ihrem Weg in die Innenstadt ist die 68-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bereits vier Mal von Autos oder Bussen gestreift worden. Seitdem fährt die Rentnerin mit ihrem E-Bike auf dem Bürgersteig. „Ich als Radfahrerin suche mir den Weg aus, auf dem ich mich sicher fühle. Was ist mir wohl wichtiger: ein Strafzettel oder mein Leben?“

Die Radwege in der Indestadt sind zusammen 54,5 Kilometer lang. 14 Kilometer davon sind beidseitig befahrbar. Trotzdem gebe es viele Stellen, an denen Radfahrer besonders vorsichtig sein müssen, weiß Horst Lilleike. Mehrmals in der Woche fährt der 55-Jährige mit dem Rad zu seiner Arbeitsstelle, die sich in Aachen befindet. So auch vor drei Wochen. Doch bis in die Kaiserstadt kam er an diesem Tag nicht. Auf der August-Thyssen-Straße in Höhe der ehemaligen Eissporthalle wurde er von einer Autofahrerin angefahren. „Sie wollte links in die Jahnstraße einbiegen und hat mich dabei komplett übersehen“, berichtet Lilleike. Prellungen und schmerzhafte Verspannungen im Hals- und Schulterbereich trug der Verkehrsplaner von dem Unfall davon.

Doch er hatte Glück. Der 55-Jährige flog in hohem Bogen über die Motorhaube des Pkw und landete mit dem Kopf voran auf dem Asphalt. Sein Helm bewahrte ihn vor schlimmeren Verletzungen. Er ist sich sicher: „Hätte ich den nicht getragen, würde ich jetzt nicht mehr hier sitzen.“

Von Verletzungen ist Sabine Overath bisher verschont geblieben. Doch dies ist nicht immer der Fall, wie die Unfallstatistik der Polizei zeigt. Im vergangenen Jahr verunglückten in der Indestadt 37 Radfahrer. 2012 waren es sogar 13 Fälle mehr. Die positive Entwicklung führt die Polizei aufs Projekt „FahrSICHERad en Oche“ mit Schwerpunkt Eschweiler zurück.

Auf ihrem Weg in die Innenstadt nutzt Sabine Overath mittlerweile den Bürgersteig oder fährt auf den darin integrierten Radwegen. Dass diese jedoch keineswegs ungefährlich sind, berichtet Lilleike. Als Beispiel nennt er den Radweg an der Talstraße. Dort müsse man nicht nur auf Fußgänger, sondern auch auf abgesenkte Ein- und Ausfahrten achten sowie Parkbuchten umfahren.

Aus diesem Grund hat der 55-Jährige beschlossen: „Ich fahre dort nie auf dem Radweg, das ist einfach zu unkomfortabel.“ Seiner Meinung nach wurde die Situation an der Indestraße besser gelöst. Dort fahren Radfahrer auf einem Radfahrstreifen. „Das ist sicherer, weil man dort frühzeitig von den Autofahrern gesehen wird“, meint Lilleike.

Sabine Overath ist jedoch ganz anderer Meinung. In Höhe der Steinstraße fuhren ein Bus und ein Lkw auf den beiden Spuren nebeneinander. Overath, die auf dem Fahrradweg unterwegs war, wurde von dem Bus gestreift. „Da bleibt für einen Fahrradfahrer nicht viel Platz“, meint sie. Dass es Radfahrer in der Indestadt nicht einfach haben, scheint auch die Polizei zu wissen, wie Overath berichtet. Als sie im vergangenen Jahr auf dem Weg in die Innenstadt war und auf der Steinstraße einen Polizeibulli sah, hielt die 68-Jährige an. Der Polizist gab ihr jedoch keinen Strafzettel, sondern schaute sie zunächst verwundert an. Overath erklärte ihm, dass ihr durchaus bewusst sei, dass sie mit ihrem Fahrrad nicht auf dem Bürgersteig fahren dürfe. Die Reaktion des Polizisten überraschte sie dann doch. „Der Polizist sagte mir, dass er hier auch nicht auf der Straße fahren würde“, erzählt sie.

Rückendeckung erhält die Rentnerin auch von den Fußgängern, denen sie auf ihren Touren begegnet. „Ich fahre regelmäßig an der Inde vorbei und die Fußgänger sagen mir immer, dass ich nicht absteigen muss, sondern einfach nur zu klingeln brauche. Das finde ich erstaunlich“, so Overath. Trotzdem sei es für sie eine Selbstverständlichkeit, auf die Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Zwar habe jeder mal einen schlechten Tag, jedoch ist sie sich sicher: „Wenn ich nicht mehr so Fahrrad fahren kann, wie ich es gerne möchte, dann ist das schon sehr traurig.“

„Automatisch Bremse eingebaut“

Seit seinem Unfall ist auch Lilleike vorsichtiger geworden. „Man hat quasi automatisch eine Bremse eingebaut“, meint er. Auf das Fahrradfahren verzichtet er trotzdem nicht. Nur kurz nach seinem Unfall saß er bereits wieder im Sattel. Auch Sabine Overath geht ihrer Leidenschaft weiterhin nach und nimmt für eine sichere Fahrt gerne einen Strafzettel in Kauf.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert