Europäischer Sozialpreis 2009 an Heiner Buttenberg

Von: Stefan Herrmann
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„Das ist unser Mann für 2009!”: Moderator und Europavereinsvorsitzender Peter Schöner (links) ist stolz, Heiner Buttenberg als Träger des Europpäischen Sozialpreises präsentieren zu können.

Eschweiler. Es ist das Fremde, was Menschen oftmals Angst macht. Eine Möglichkeit, dem Neuen, dem Unbekannten zu begegnen, ist das Errichten von Mauern, das Ziehen von Zäunen, das Ausheben von Gräben. Dann regiert das Diktat des Wegschauens, Vorurteile entstehen. Heiner Buttenberg hat einen anderen Weg gewählt.

Damals, Anfang der 90er, als er vom Leid der Straßenkinder in Rumänien erfuhr. Der erfolgreiche Koch und Hotelier schaute hin. Mehr noch: Er handelte, ließ sein altes Leben, bestehend aus Golfclubs, Sportwagen und Restaurant auf Mallorca hinter sich.

Er stellte sich dem Fremden und gewann mehr, als er jemals zu träumen wagte. Der heute 63-Jährige schenkte Kindern in Rumänien Hoffnung und sie erwidern es mit Dankbarkeit, mit Lachen, mit Lebensfreude. Für seine außergewöhnlichen Verdienste wurde Heiner Buttenberg nun mit dem Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler 2009 ausgezeichnet.

Im Beisein seiner Frau Andrea, seiner fast 90-jährigen Eltern sowie vieler Weggefährten und Unterstützer nahm der Gründer der „Heiner-Buttenberg-Stiftung” die Medaille am Samstagnachmittag im Ratssaal aus den Händen des Europaverein-Vorsitzenden Peter Schöner entgegen. Seit 1997 verleiht die gemeinnützige Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB) am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, den Sozialpreis.

„Als Bürger der Europäischen Union erleben wir Defizite wie Armut und soziale Ausgrenzung an der Basis. Mit unserer Initiative wollen wir das öffentliche Bewusstsein für die Risiken von Armut und sozialer Ausgrenzung stärken und die Wahrnehmung für ihre vielfältigen Ursachen und Auswirkungen schärfen”, begrüßte GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs die zahlreichen Gäste, darunter die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt sowie Manfred Groß, den 1. Beigeordneten der Stadt Meckenheim, Johannes Winckler, den rumänischen Generalkonsul Dr. Vlad Vasiliu und zahlreiche Eschweiler Ratsmitglieder.

Es war eine Veranstaltung der honorigen Worte, des Dankes, der Anerkennung. Etwas, so Peter Schöner, was viel zu selten in der Öffentlichkeit geschehe für Menschen wie Heiner Buttenberg, die mit sozialem Engagement deutschland-, europa- und weltweit aktiv sind. Leute, die anderen Menschen in Not helfen.

Buttenberg ist das, was man einen Macher nennt. Im rumänischen Buzias errichtete er auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück das Kinderdorf „Hänsel und Gretel”, in dem 16 junge Menschen ein Zuhause gefunden haben. Doch das ist nicht alles: Er baute das Kinderheim „Andrea”, das Mutter-Kind-Haus „Ana-Maria”, ein Medizinzentrum, eine Sozialküche, Ausbildungsstätten und vieles mehr.

Dabei lief sein Leben jahrzehntelang in völlig anderen Bahnen, abseits der wohltätigen Arbeit. Der gebürtige Frankfurter machte nach seiner Kochlehre große Karriere. Ihm gehörten ein Restaurant auf Mallorca und natürlich seine „goldene Kuh”, ein 92-Zimmer-Hotel in Meckenheim. Das brachte er in seine Stiftung ein. Seine Frau Andrea zahlt als Betreiberin der Stiftung eine Pacht. Geld, das direkt in die Heiner-Buttenberg-Stiftung fließt. Geld, das gepaart mit viel Durchsetzungsvermögen, einer ordentlichen Portion Idealismus und dem unerschütterlichen Willen, etwas zu bewegen, rumänischen Kindern eine Zukunft ermöglicht.

„Was Heiner Buttenberg macht, das ist Zivilgesellschaft pur”, umschreibt Laudator Ralf Rytlweski das Wirken des langjährigen Promi-Kochs und Hoteliers. Der Professor der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin lobt die integrative Leistung Buttenbergs. Das Fremde schrecke ihn nicht ab.

Der Graben, jahrzehntelang symbolisiert durch den Eisernen Vorhang, und die sich auch in den Köpfen der Menschen gebildeten Barrieren stellten für den Stiftungsgründer kein Hindernis dar. Vielmehr fungiere Buttenberg, so Rytlewski, als „interkultureller Brückenbauer”: Er trägt Deutsches nach Rumänien und Rumänisches nach Deutschland. „Bei Buttenberg folgte der guten Rede und der guten Gesinnung auch eine gute Handlung”, sagt Professor Rytlewski.

Der Geehrte dankte vor allem seinen Helfern. „Ohne diese wäre nichts möglich”, betonte er. Das rumänische Sozialsystem ist reich an Defiziten. Es trifft, wie so oft, vor allem die Schwächsten, die Kinder. Der osteuropäische Staat wurde von der Weltwirtschaftskrise hart getroffen.

Ein weiterer Grund für Buttenberg und sein Team, nicht nachzulassen. Denn gerade die Zahl der so genannten Migrationswaisen - der Kinder, die von ihren auf der Suche nach Arbeit ausgewanderten Eltern zurückgelassen wurden - steigt in Rumänien wieder dramatisch an. Man spricht von 100.000 betroffenen Kindern und mehr.

Solange Heiner Buttenberg von solchen Geschichten hört, die völlig verwahrlosten jungen Menschen sieht, kennt er keine Rast. „Ich fühle mich angetrieben, Kindern zu helfen. Aus diesem Zweck rede ich meinen Mitmenschen ins Gewissen, damit diese unsere Arbeit mit der Stiftung unterstützen”, kämpft der Visionär weiter gegen Behörden-Windmühlen vor Ort, die Skeptiker daheim und auch gegen das nicht erst seit der Krise sinkende Spendenaufkommen.

Heiner Buttenberg ist und bleibt ein Macher. So hat er seine erste Karriere in der Gastronomie und im Hotelgewerbe betrieben, so zeigt er bedingungslosen Einsatz für seine zweite Karriere, die da heißt: jungen Menschen auf diesem paradiesischem Flecken Erde im Banat, an einem Berghang nahe Buzias im Südwesten Rumäniens ein besseres Leben zu ermöglichen.

Für Peter Schöner steht fest: „Kinder sind unser Kapital, keine Dollar- und Euronoten!”

Heiner Buttenberg, würdiger Träger des Europäischen Sozialpreises 2009, investiert in die richtigen Werte. Zukünftige Krise ausgeschlossen.
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