ESW-Röhrenwerke: Zurücklehnen gibts hier nicht

Von: Rudolf Müller
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Verfolgte bei ESW die Fertigun
Verfolgte bei ESW die Fertigung hochwertiger Spezialrohre vom rotglühenden Metallstrang zum Endprodukt: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Mitte). Links neben ihr Landtagskandidat Stefan Kämmerling und die ESW-Geschäftsführer Herbert und Stefan Lenzen. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Die Frau hat einen Terminkalender, der weniger stresserprobte Gemüter in Angst und Schrecken versetzen würde. Und dennoch nahm NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sich fast eineinhalb Stunden Zeit, sich gemeinsam mit dem Eschweiler SPD-Landtagskandidaten Stefan Kämmerling in den ESW-Röhrenwerken umzusehen und mit der Geschäftsführung aktuelle Probleme zu erörtern.

Dass es ausgerechnet die Röhrenwerke waren, denen Kraft auf ihrer Tour durchs Land einen Besuch abstattete, kam nicht von ungefähr: Das Firmengelände im Stadtteil Aue ist einer der ältesten Industriestandorte im Land. Schon 1917 wurden hier Nahtlosrohre gefertigt.

1978 erhielt das Unternehmen mit dem so genannten Planetenschrägwalzwerk, mitfinanziert aus Bundes- und Landesmitteln, eine der modernsten Fertigungsstraßen weltweit. Dennoch verkaufte der EBV-Konzern die Firma kurz darauf an die bayerische Maxhütte - und die machte wenig später pleite. Was folgte, war ein ungewöhnlicher Kraftakt, der nur mit massiver Unterstützung des Landes möglich war.

„Der Konkursverwalter sagte uns: ?Ihr könnt den Laden komplett haben - aber dafür übernehmt ihr alle 240 Mitarbeiter!”, erzählt Geschäftsführer Herbert Lenzen. Lenzen und seine Mitstreiter taten nicht nur das, sondern gaben den 240 ESWlern sogar unbefristete Verträge.

25 Jahre ist das im Oktober her. Heute beschäftigt das Unternehmen 340 Mitarbeiter, hat in der Zwischenzeit 193 Azubis ausgebildet und fast alle übernommen. Und Standardrohre sind längst nicht mehr das Kerngeschäft: ESW hat sich auf hochwertige Rohre spezialisiert, wie sie auf Erdgas- und Ölplattformen zum Einsatz kommen. Und liefert neben Lkw-Achsen auch Rohre für den Kraftwerksbau.

Und genau hier liegt der „Knackpunkt”, den auch Hannelore Kraft kennt: Die Energiewende in der Bundesrepublik hat die Kraftwerksbetreiber verunsichert. „Weil keiner weiß, wies weitergeht, investiert derzeit auch niemand.” Dabei sei selbst den Grünen klar: „Es wird auch künftig neue fossile Kraftwerke geben müssen, um alte wie auch Kernkraftwerke zu ersetzen.”

Allerdings: Planung und Vorbereitung brauchen enorm Zeit - und das schlägt sich in der Auftragslage von ESW nieder. Hannelore Kraft: „Um hier Sicherheit zu schaffen, fordere ich seit langem vom Bund einen Energie-Masterplan.”
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