Eschweiler - Eschweiler Tafel: Pilze aus Paris, Katzenfutter und Babyspinat

Eschweiler Tafel: Pilze aus Paris, Katzenfutter und Babyspinat

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
5213343.jpg
Mit Freude bei der Sache: Gerd Erkens (links) und Toni Peters fahren für die Eschweiler Tafel und sammeln immer dienstags Lebensmittel ein. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Ein kurzer Blick genügt Gerd Erkens, und schon ist die Laune – zumindest kurzzeitig – im Keller. „Wo ist das Brot?“, fragt er. Toni Peters, 70 Jahre alt, zuckt kurz mit den Schultern. Wenig später sitzt das Duo wieder im Wagen. Ohne Brot. „Normalerweise stehen hier immer um die 20 Kisten mit Brot“, sagt Peters. Er fährt seit zehn Jahren für die Eschweiler Tafel. Gerd Erkens (65) ist seit fünf Jahren dabei. Immer dienstags sind die beiden unterwegs. Wir haben sie bei einer Tour begleitet.

Los geht es um 8 Uhr morgens am Autohaus Zittel an der Rue de Wattrelos. Dort steht der Transporter, mit dem die derzeit 20 Fahrer Tag für Tag die Lebensmittel einsammeln. Der Wagen wurde übrigens im Juni 2006 an die Tafel übergeben, während des Sommermärchens. Das Autohaus wartet den Wagen, im Winter steht er dort in einer Garage. Das erspart Peters, Erkens & Co. unter anderem das Freikratzen der Scheiben.

Und dann geht es auch schon los. Nach fünf Minuten sind die ersten beiden Discountmärkte erreicht. Das Prozedere ist fast immer gleich. Fahrer Toni Peters hält vor dem Eingang, Gerd Erkens betritt das Geschäft und kündigt die Tafel mit einem „Guten Morgen“ an. Erklären muss er nichts. Auf der grünen Jacke steht in großen Buchstaben Eschweiler Tafel, und die meisten Fahrer sind schon lange dabei, also bekannt.

Gerd Erkens geht durch das Geschäft zum Wareneingang. Die Lebensmittel stehen dort schon bereit. Toni Peters ist inzwischen rückwärts bis an das Tor gerollt. Am ersten Discounter gibt es unter anderem Salat, Kohlrabi und Kiwis. Am zweiten Discounter gibt es auch wieder Salat und unter anderem eine kaputte Müslipackung. In diesem Geschäft muss Gerd Erkens einen Schein ausfüllen und damit die Abgabe der Lebensmittel bestätigen. Manche Läden fordern das, andere nicht.

Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wo ist Walter? Zumindest stellt sich Toni Peters diese. Walter steht nämlich jeden Dienstag mit Frau und Tochter vor dem einen Discounter, wie Toni Peters erklärt. Und man wird den Eindruck nicht los, dass Toni Peters „Gott und die Welt“ in Eschweiler kennt.

Was bei den nächsten Supermärkten alles hinzukommt, wissen die beiden natürlich nicht. Die Vielfalt ist groß. Von Hähnchenflügeln und Champignons aus Paris über Katzenfutter bis hin zu Bio-Babyspinat ist so ziemlich alles dabei. Und sehr wichtig: Die Ware ist im Lauf der Jahre besser geworden. Das betonen Peters und Erkens. Noch vor einigen Jahren habe man sehr viel mehr wegwerfen müssen. Auch die Akzeptanz der Tafel habe sich verändert. Kam es früher vor, dass die Supermarktleitung die Tafel-Mitarbeiter lange warten ließ oder auch nicht ganz so freundliche behandelte, habe sich das nun grundlegend geändert, sagen die beiden.

Es geht zu vielen weiteren Märkten und zu einer Weisweiler Bäckerei. Die Inhaberin kennt das Duo und begrüßt es mit einem knackigen: „Aufwachen!“ Einige Körbe mit Brot für die Tafel hat sie schon bereitgestellt. Ein Lachen folgt. Und als Bonbon gibt es für das Duo ein kleines Überraschungspaket mit leckeren Brötchen.

Die Stimmung ist locker und fröhlich im Wagen. Die Teams sind so zusammengesetzt, dass sie zueinander passen. Toni Peters und Gerd Erkens kennen sich schon seit vielen Jahren. Als Toni Peters pensioniert wurde, sprach ihn eine Bekannte an und fragte, ob er sich das Ehrenamt bei der Eschweiler Tafel vorstellen könne. Konnte er und kann er auch weiterhin. „Es macht Spaß“, sagt Toni Peters. Ans Aufhören denkt er nicht. „Wenn ich diesen elektrischen Türöffner kapiert habe, dann höre ich auf“, sagt er und lacht. Dieser Öffner für die Hecktüre sorgt in der Tat hin und wieder für Irritationen. Bei Gerd Erkens verlief der Weg ähnlich. „Für mich war der Weg nicht weit. Ich habe im Einzelhandel gearbeitet“, erklärt er.

Um kurz nach 10 Uhr ist der Wagen gut gefüllt. Zeit, zum Geschäft der Tafel an der Röthgener Straße zu fahren und auszuladen. Einige Mitarbeiter warten bereits. So dauert es nur wenige Minuten, bis die Lebensmittel. Länger dauert das Aussortieren. Denn Toni Peters, Gerd Erkens und die übrigen Fahrer müssen alles mitnehmen, was sie in den Geschäften bekommen. Ausgesiebt wird im Geschäft. Dort werden die Waren dann auf die Regale und Kühltheke verteilt. So wie in einem „normalen“ Supermarkt.

Gerd Erkens und Toni Peters nutzen den Abstecher zur Tafel für ein kurzes Frühstück. Die Überraschungspakete der Weisweiler Bäckerei warten.

Dann heißt es: zurück in den Wagen und ab auf die Straße. Es geht unter anderem bis nach Langerwehe und Jüngesdorf, nach Kinzweiler und Mariadorf.

Die Route ist jeden Tag in etwa identisch, mit kleinen Ausnahmen.

Irgendwann gegen Mittag oder am frühen Nachmittag sind die Fahrer fertig. Bis 14.30 Uhr sind die Waren in die Regale geräumt. Dann beginnt der Verkauf im Geschäft. Und nächsten Dienstag machen sich Toni Peters und Gerd Erkens wieder auf den Weg. Sie hoffen, dass sie dann auch wieder rund 20 Kisten Brot einladen dürfen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert