Eschweiler Radsporttage: Ein Hauch Tour de France

Von: Patrick Nowicki
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Radsportelite in Eschweiler: Während Jens Voigt (Mitte) Rede und Antwort steht, bereitet sich Andé Greipel (links) aufs Rennen vor. Fünf Jahre lang lockte der Indeland-Radsporttag Profis und Amateure nach Eschweiler. In diesem Jahr macht er eine Pause – weil Sponsoren fehlen. Foto: Patrick Nowicki
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Auch das ist der Radsporttag: Nachwuchsradler warten auf den Startschuss an der Uferstraße. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Einmal im Jahr, an einem Septembersonntag, wehte ein Hauch von Tour de France durch die Eschweiler Innenstadt. Beim Eschweiler Radsporttag traten schließlich Rennfahrer mit Weltformat an. Die deutschen Meister Robert Wagner und André Greipel zählten zu den Startern.

Ebenso Veteran Jens Voigt, der am Sonntag seine große Radsportkarriere beendete. In diesem Jahr werden die Sportfans in der Stadt jedoch auf das Spektakel verzichten müssen. Der Radsporttag gönnt sich eine Pause – weil schlichtweg Sponsoren fehlen.

„Wir benötigen einen fünfstelligen Betrag, um den Radsporttag stemmen zu können“, sagt Orgnaisator Rüdiger Systermans. Er habe viele Gespräche geführt, aber letztlich sei unter dem Strich der Betrag nicht zusammengekommen. Und eine „abgespeckte“ Version des Radsporttages wollte man nicht anbieten.

„Das wäre bei den Menschen und Radsportfreunden auch nicht gut angekommen“, betont auch Bürgermeister Rudi Bertram, der wie Systermans Wert darauf legt, dass man im nächsten Jahr einen erneuten Anlauf nehmen werde. „Wir setzen uns im Winter zusammen und schauen, was möglich ist“, sagt der Verwaltungschef. Er sei optimistisch.

Der Indeland-Radsporttag war nämlich weit mehr als nur ein Profirennen allererster Güte. Schon am Mittag gingen die Jüngsten auf die Runde durch die Innenstadt. Die Zusammenarbeit, auch mit den Schulen, trägt Früchte, denn daraus entwickelte sich die Nachwuchsgruppe von ESG Radsport, die sich immer freitags zum Training trifft.

Bertram spricht darum auch immer von einem „Breitensportereignis“. „Wir vergessen immer die Leistung, die hinter jedem Sport steckt, und würdigen nur noch die großen Stars“, kritisiert er. Dabei sei es in jedem Sport wichtig, auch die jungen Leute heranzuführen und zu begeistern.

Dazu sind natürlich auch „Leuchttürme“ nötig. Solche wie André Greipel, der in dieser Saison bei der Tour de France eine Etappe gewann und im Jahr 2012 als Erster über die Ziellinie auf der Uferstraße spurtete. Oder eben Jens Voigt sowie der mehrmalige Tour-de-France-Starter Luke Roberts – sie alle kamen nach Eschweiler, wenn der Trainings- und Rennplan es zuließ.

Die Veranstaltung im Indeland war bei den Radsportlern sehr beliebt. Wohl auch, weil es in einer Zeit ins Leben gerufen wurde, als der Radsport, von Dopingskandalen zerrüttet, am Boden lag. „Wir schwammen gegen den Trend und schufen eine neue Veranstaltung, während andere ihre Rennen absagten“, erinnert sich Markus Ganser, der beim Indeland-Radsporttag für die Meldungen zuständig war und als ehemaliger Profi beste Kontakte in der Szene pflegt. Fünf Mal fand das Rennen bisher statt – mit großer Resonanz an der Strecke.

Verbunden war es auch immer mit sozialem Engagement: Organisator Rüdiger Systermans sammelte mit seinen Mitstreitern für die Aktion „Kein Kind ohne Mahlzeit“, die die Armut bekämpft und Kindern ermöglicht, ein gesundes Frühstück in der Schule zu sich zu nehmen, auch wenn die Eltern das Geld dafür nicht aufbringen können.

Zwar fällt der Radsporttag aus, aber die Aktion will Systermans dennoch auch in diesem Jahr unterstützen. Er sammelte 1000 Euro, die er am Montag Bürgermeister Rudi Bertram überreichte. Der Verwaltungschef bedankte sich mit den Worten: „Jeder Cent hilft uns.“

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – so möchte Bertram die aktuelle Entscheidung zum Indeland-Radsporttag deuten. Seine Überlegungen zielen auch darauf, dass er Schulen und Vereine noch enger vernetzen möchte. „Vielleicht auch Schwerpunkte setzen“, sagt er. Also eine Schule würde im Bewegungsangebot verstärkt auf Radsport setzen, eine andere auf Handball oder Schwimmen. Das kommt zumindest bei Systermans, Ganser & Co. gut an.

Ganser, der selbst als Radsportler viele Rundfahrten absolviert hat und derzeit bei Triathlon-Veranstaltungen antritt, würde sich wünschen, wenn der Radsport auch in Eschweiler im nächsten Jahr wieder eine wichtige Rolle spielen kann. „Die Einschaltquoten bei der Tour de France haben gezeigt, dass das Interesse da ist“, meint er.

Allerdings bemängelt auch er manchmal den Respekt: „Wenn einer bei einem Rennen über fünf Stunden zwei Sekunden nach dem Sieger über die Ziellinie rollt, dann ist auch das eine Superleistung.“ Da werde in Deutschland zu viel in Schwarz und Weiß gesehen.

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