Eschweiler Mundart als erste Fremdsprache lernen

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Mit Opa und Oma Platt lernen:
Mit Opa und Oma Platt lernen: Die Volkshochschule bietet einen neuen Kurs Foto: imago/INSADCO

Eschweiler. Die Eschweiler Volkshochschule veröffentlicht am 1. Februar ihr neues Programm. Mitten drin: Ein Kurs für Kinder (begleitet von ihren Großeltern), damit sie die Eschweiler Mundart „als erste Fremdsprache” lernen.

Marga Müller, in der VHS zuständig für Fremdsprachen und immer gut für interessante Experimente und neue Ideen: „Viele deutsche Kinder, die ja meistens einsprachig aufwachsen, sind von primärer Mehrsprachigkeit abgeschnitten und kommen oft erst im Alter von zehn Jahren in Kontakt mit einer Fremdsprache. Der Zeitpunkt des Zweitsprachenerwerbs spielt aber eine wichtige Rolle; je früher desto besser. Mehrsprachigkeit ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Warum also nicht mit ?Eischwieler Platt ganz früh in eine zweite Sprache starten?”

Sprachkurse für Kinder (und deren Großeltern) hat Müller schon lange entwickelt - dabei aber vor allem Englisch und Spanisch ins Blickfeld gerückt. Und auch jetzt werden die Kinder zwischen vier und zehn Jahren nach Alter in Gruppen eingeteilt.

Als Kursleiterin hat die VHS Sigrid Hendryk, eine Realschullehrerin, gewonnen. Leo Braun und der Eschweiler Geschichtsverein helfen in der Auswahl des Unterrichtsmaterials.

„Spricht man Eschweiler Platt, bewahrt man eigene Kultur und Identität. Denn in 30 Jahren könnte der Eschweiler Karneval sonst ganz anders aussehen: Wie viele Menschen werden dann noch Platt richtig sprechen können? Wie viele Pflegekräfte gibt es in Seniorenheimen, die ihre alten Eschweiler Patienten kaum verstehen? Man sollte sich deshalb nicht schämen, hiesige Mundart zu lernen und zu sprechen”, sagt Müller.

Manche Dialekte sind in Deutschland bereits ausgestorben. Viele Menschen sprechen zwar neben der Hochsprache noch das „Häusliche”, einen Dialekt oder gar eine andere Fremdsprache - je nach Herkunft - aber eben nicht mehr „perfekt”. In dem VHS-Kurs wird deshalb das „richtige” Sprechen geübt, die Welt der mundartlichen Möglichkeiten aufgezeigt, das Auftreten auf einer Bühne probiert und zu neuen eigenen Geschichten motiviert.

Und daran ist nicht nur der Geschichtsverein interessiert. „Man sollte keine Angst haben, dass die Kinder kein richtiges Hochdeutsch mehr sprechen, wenn sie zusätzlich den eigenen muttersprachlichen Dialekt lernen. Es gibt schließlich so viele Eschweiler Bürger, die ?nur auf Platt aufgewachsen sind und trotzdem ganz selbstverständlich Hochdeutsch sprechen. Und damals war die Schulzeit bedeutend kürzer als heute”, sagt Müller.

Wer sich übrigens mit „Mehrsprachigkeit für Enkel” als Thema befassen will, findet im neuen VHS-Programmheft einen entsprechenden Vortrag: „Wie Kinder Fremdsprachen lernen, und wie sie mehrsprachig werden.”

Der Termin dafür: Mittwoch, 22. Februar (Aschermittwoch), im VHS-Haus um 18.30 Uhr. Die Veranstaltung ist zwar kostenlos, die VHS bittet aber um vorherige Anmeldung. Der Mundartkurs für Kinder und Großeltern startet dann zwei Wochen später am Donnerstag, 8. März. Anmeldung und weitere Informationen in der Volkshochschule, Kaiserstr. 4a, unter Telefon 70270.
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