Eschweiler Feuerwehr plädiert für kleine Lebensretter

Von: Tobias Röber
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Die wenigen Minuten, einen Rauchmelder anzubringen, sollte sich jeder nehmen. Er kann Leben retten. Foto: imago/Jochen Tack

Eschweiler. Paul Velten-Christopher erinnert sich noch gut an diesen Einsatz vor einigen Jahren. In Nothberg, direkt in der Nähe des Marktplatzes, wurde die Feuerwehr zu einem Brand gerufen. In der Küche war ein Feuer ausgebrochen, der Vater hatte sich auf der ersten Etage schlafen gelegt. Dass er sich und seinen Sohn ins Freie retten konnte, verdankt er einem kleinen Helfer.

Dem Rauchmelder nämlich, der angefangen hatte, zu piepsen. Paul Velten-Christopher, stellvertretender Wachleiter, und seine Kollegen freuen sich über solche Erlebnisse. Allerdings ärgern sie sich wesentlich öfter. Nur die wenigsten Haushalte haben Rauchmelder installiert. Bis Ende 2016 muss das anders werden. Was für Neubauten schon jetzt gilt, muss dann auch in Altbeständen umgesetzt sein: die Ausstattung mit eben diesen kleinen Lebensrettern.

Rauchvergiftungen

„Darüber freuen wir uns natürlich sehr“, sagt Paul Velten-Christopher. Die Zahl der Einsätze im sogenannten abwehrenden Brandschutz ist in Eschweiler mit 241 gar nicht einmal extrem hoch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass in dieser Zahl 40 Fehleinsätze und 55 Fehlalarme einer Brandmeldeanlage enthalten sind. Dennoch erleben die Feuerwehrleute oft genug Situationen, in denen ein Rauchmelder Schlimmeres verhindert hätte. Wachleiter Axel Johnen erwähnt in diesem Zusammenhang neben den Todesfällen (der letzte war 2010) die Rauchvergiftungen, die mit entsprechender Ausstattung verringert werden könnten. Denn Brandrauch ist immer giftig. So kann er Salzsäure- und Blausäuredämpfe enthalten, etwa wenn PVC, Schaumstoffmatratzen, Polstermöbel, Wolle, Seide oder Daunen brennen. Diese Reiz- und Atemgifte haben Wirkungen auf Blut, Nerven und Zellen. Kohlendioxid entsteht vorwiegend bei offenen Bränden. Es ist farb- und geruchlos, steigert die Atemtätigkeit und damit den Blutdruck. Die Folge: Atemlähmung und dann Erstickung. Kohlenmonoxid entsteht beim Verbrennen fast aller organischen Produkte. Es ist ebenfalls farb- und geruchlos. Es verbindet sich 205 Mal schneller mit dem Hämoglobin im Blut als mit dem Sauerstoff in der Luft. Atemlähmung und Erstickung sind die Folge. „Drei tiefe Atemzüge reichen, um tief bewusstlos zu werden“, sagt Velten-Christopher.

Dass in Deutschland Nachholbedarf besteht, belegen einige Zahlen. Gerade einmal 31 Prozent der Haushalte sind mit einem Rauchmelder ausgestattet. Zum Vergleich: In Schweden sind es 70, in Großbritannien 75 und in den USA gar 93 Prozent.

Es muss also etwas getan werden. Sorgen bereitet Axel Johnen die Kontrolle, ob wirklich Rauchmelder angebracht werden und ob diese auch regelmäßig getauscht werden. „Rauchmelder haben ein Verfallsdatum“, betont Johnen. Die Optik im Inneren des Melders ist irgendwann hinüber, dann muss ein neuer Rauchmelder her. Und Johnen und seine Kollegen erleben sehr oft, dass sie nach einem Brand mit den Betroffenen sprechen und diese das Argument bringen: „Ich hatte den Rauchmelder die ganze Zeit zu Hause liegen, aber noch keine Zeit ihn anzubringen.“ Manchmal kann genau das tödlich ausgehen.

Mythen in den Köpfen

Das liegt auch daran, dass in vielen Köpfen noch Mythen existieren. Etwa, dass zehn Minuten Zeit bleiben, um im Falle eines Brandes die Wohnung zu verlassen. Irrtum, es bleiben nur zwei bis vier Minuten, sagt Velten-Christopher. Ein anderer Mythos: „Die Hitze wird mich früh genug wecken.“ Der größte Irrtum: Schon nach wenigen Minuten erreichen die bei Bränden freigesetzten Gase lebensbedrohliche Konzentrationen. Auch auf den Geruchssinn darf man sich nicht verlassen. Der hat nachts Pause. Dazu passt auch folgende Statistik: 65 Prozent der Brände ereignen sich tagsüber. Die Zahl der Brandtoten liegt nachts jedoch bei 70 Prozent.

Rauch ist eben schneller und lautloser als Feuer. Bereits zwei bis drei tiefe Atemzüge können tödlich sein.

In diesem Zusammenhang weisen Axel Johnen und Paul Velten-Christopher auf eine weitere Sache hin: die häufigsten Brandursachen. Auch da werde oft am falschen Ende gespart. So seien elektrische Geräte und Leitungen eine große Gefahrenquelle. Vor allem dann, wenn es sich etwa um billige Steckdosenleisten handelt. Auch billige Lichterketten etwa an Weihnachten seien gefährlich.

Daher plädieren die Feuerwehrleute dafür, sich Rauchmelder anzuschaffen und auch zu installieren. Ab 20 Euro aufwärts seien gute Rauchmelder zu haben. Eine Investition, die sich lohnt und Leben retten kann.

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