Eschweiler: Einkaufsstadt? Wohnstadt? Oder Erlebnisstadt?

Von: ran
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Die nördliche Innenstadt soll runderneuert werden. Doch darüber, was zur Aufwertungf beiträgt und was nicht, gehen die Auffassungen weit auseinander. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Innerhalb einer guten Dreiviertelstunde „stürmte“ Klaus-Dieter Bartholomy als Vorsitzender des Citymanagement Eschweiler e. V. am Dienstagabend in der Gaststätte „Haus Lersch“ durch die Mitgliederversammlung des Vereins.

Aus gutem Grund, schließlich stand im Anschluss eine Podiumsdiskussion mit den fünf Kandidaten, die sich am 25. Mai für das Amt des Bürgermeisters bewerben, auf der Tagesordnung.

Und so erlebten die Gäste zunächst einen Parforceritt mit Rückblicken auf die Stadtfeste 2013 und das Frühlings-Stadtfest 2014, bevor ein Ausblick auf das zweite und dritte Drittel des laufenden Jahres folgte.

Von Freitag, 5. September, bis Sonntag, 7. September, steigt das nächste Stadtfest mit der „Indeschau“ auf dem Marktplatz, der Autoschau in der südlichen Innenstadt und dem verkaufsoffenen Sonntag. Rund um den „Tag des Karnevals“ dreht sich dann das dritte Stadtfest des Jahres vom 6. bis zum 9. November. Der verkaufsoffene Sonntag am 21. Dezember bildet schließlich den Abschluss des „Citymanagement-Jahres“.

„Ein Datum, dem ein Wunschtraum vorangeht“, erklärte Klaus-Dieter Bartholomy. Und dieser Wunschtraum heißt „Weihnachtsmarkt“. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, am dritten und vierten Adventswochenende, das heißt vom 12. bis zum 14. sowie vom 19. bis zum 21. Dezember, einen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen. 49 Prozent sind erledigt. Aber es sind noch viele dicke Bretter zu bohren“, so der Vorsitzende, der allerdings einen Hoffnungsschimmer zu vermelden hatte. „Die finanzielle Unterstützung, die wir von Unternehmen erhalten, die nicht Mitglied des Citymanagement-Vereins sind, ist beeindruckend. Also: Wir versuchen es“, blickte Klaus-Dieter Bartholomy rund siebeneinhalb Monate nach vorne, bevor sich die Aufmerksamkeit der Gäste auf (in alphabetischer Reihenfolge) Wilfried Berndt (CDU), Rudi Bertram (SPD), Albert Borchardt (Die Linke), Christian Braune (FDP) und Franz-Dieter Pieta (Bündnis90/Die Grünen) richtete.

Im Vorfeld der Versammlung waren zahlreiche Fragen per Post, Fax oder E-Mail bei den Verantwortlichen des Citymanagements eingegangen, denen sich das Kandidatenquintett stellte. Unter der Überschrift „Städtebauliche Präferenzen“ ging es zunächst um die Fragen „Eschweiler - Einkaufs- oder Wohnstadt?“, Neugestaltung des Indeufers, Rückbau der Indestraße, „Fußgängerzonen - mehr oder weniger?“, Zukunft des City-Centers sowie die mögliche Umgestaltung des Marktplatzes.

Parkleitsystem und Stadtbusse

Bei letzterem Punkt herrscht nahezu Einigkeit: „Finger weg vom Marktplatz“, formulierte es Franz-Dieter Pieta besonders deutlich. Bürgermeister Rudi Bertram betonte allerdings, dass nicht vergessen werden dürfe, dass der Marktplatz Teil des Gesamtkonzepts „nördliche Innenstadt“ sei. „Die kranken Bäume und die Hubbel´ kommen weg. Mehr ist nicht geplant“, versprach der Amtsinhaber, der die Gestaltung der südlichen Innenstadt eine „Erfolgsgeschichte“ nannte.

Unterschiedliche Meinungen brachte das Thema „Einkaufs- oder Wohnstadt“ zutage. Wilfried Berndt spricht Eschweiler derzeit das Prädikat „Einkaufsstadt“ ab. „Noch im Jahr 2005 konnte bei einer Kaufkraft von 285 Millionen Euro ein Umsatz von 310 Millionen Euro verzeichnet werden. Im Jahr 2010 standen bei acht Millionen Euro mehr Kaufkraft 24 Millionen Euro weniger Umsatz zu Buche. Dies zeigt, dass Eschweiler momentan keine Einkaufsstadt mehr ist.“

Ein Parkleit- sowie ein Stadtbussystem und eine größere Anzahl an Events sollen Abhilfe schaffen.

Albert Borchardt bevorzugt in der Frage Einkaufs- oder Wohnstadt eher den Begriff „Erlebnisstadt“. „Der Impuls, die Inde als Chance für die Stadt zu begreifen, ist wichtig. Ein Zugang zum Fluss, mitten in der Stadt und verbunden mit einem Rückbau der Indestraße, wäre ein Anreiz. Darüber hinaus sollte nicht immer alles auf die grüne Wiese gebaut werden“, so der Kandidat der Linken. Stattdessen gelte es, den Fachhandel, auch gegenüber der Konkurrenz aus dem Internet, zu stärken.

Deutlich gegen einen Rückbau der Indestraße positioniert sich die Eschweiler FDP mit Christian Braune. „Glauben sie etwa, dies würde zu weniger Straßenverkehr führen? Ein Rückbau der Inde-straße brächte nur verstärkten Schleichverkehr auf den gerade erst sanierten Nebenstraßen.“ Eine Meinung, der Franz-Dieter Pieta deutlich widersprach: „Reden sie mit Verkehrsplanern. Was Sie behaupten, stimmt nicht!“ Die Entwicklung der Uferstraße ist laut Christian Braune aber immerhin ein wunderschöner Ansatz. „Jetzt gilt es, Eschweiler mit seiner Nähe zur RWTH als funktionierende Handelsstadt zum Wohnen und zum Leben zukunftsfähig zu machen und die Chance zu nutzen, neue Zielgruppen in die Indestadt zu holen“, so der Liberale. Aufgabe der Politik sei es, den Gewerbetreibenden keine Vorschriften vorzulegen, sondern ihnen Steine aus dem Weg zu räumen.

Großes Thema: Sauberkeit

Am Platz des ehemaligen Hertie-Gebäudes wünscht sich Franz-Dieter Pieta erneut einen „Vollsortimenter“, also ein Geschäft mit einer breiten Angebotspalette. „Als Einkaufsstadt steht Eschweiler meiner Meinung nach ganz gut da, könnte aber wesentlich besser da stehen.“ Dem Rückbau der Inde-straße steht der Grüne positiv gegenüber. „Ich sehe Eschweiler nicht als Drive-In-Stadt, sondern als Ort für einen längeren Aufenthalt der Käufer.“ In puncto „Fußgängerzone“ ließ Wilfried Berndt keine Zweifel aufkommen. „Die Menschen wollen die Fußgängerzone erhalten. Also haben wir dies umzusetzen.“

In der Schlussrunde durfte das Thema „Sauberkeit“ natürlich nicht fehlen. Rudi Bertram räumte ein, dass auf Grund von Umstrukturierungen bei den Stadtbetrieben Versäumnisse hervorgetreten seien. „Dies kann und muss verbessert werden.“ Doch in einem Punkt waren sich die Kandidaten einig: Sauberkeit fange vor der eigenen Haustüre an. „Jeder sollte sich Bemühen, als Vorbild zu agieren“, so Christian Braune.

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