Eschweiler - Es ist kein Betrug, aber eine fiese Masche

Es ist kein Betrug, aber eine fiese Masche

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Vorsicht Falle: Private Dienst
Vorsicht Falle: Private Dienstleister verschicken Briefe mit amtlichen Aussehen, um Firmen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Foto: imago

Eschweiler. Das Schreiben, das Manfred Waltermann in seinem Briefkasten gefunden hat, wirkt wie ein offizielles Formular einer Behörde. In dem Brief der Gewerbeauskunft-Zentrale (GWE) steht die Adresse des Empfängers, der Name des Betriebs und die zugehörige Telefonnummer.

Die Angaben sollen überprüft, ergänzt und an die GWE zurückgeschickt werden.

Das hat Waltermann nicht getan - zum Glück. Der Vordruck erweckt zwar den Eindruck eines behördlichen Schreibens, in Wahrheit handelt es sich aber um ein kostenpflichtiges Vertragsangebot eines privaten Dienstleisters. Firmen, die auf das Schreiben antworten, bekommen dann eine Rechnung über rund 900 Euro. Als Gegenleistung erhält die Firma einen Eintrag im Internetportal der GWE.

Evergreen des Schwindels

Dieses Schreiben dürften einige Betriebe der Indestadt erhalten haben. „Adressbuchschwindel ist ein Evergreen. Damit haben wir jeden Tag mehrfach zu tun”, sagt Christoph Schönberger, Geschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. Die Gewerbeauskunft-Zentrale ist der IHK bestens bekannt, seit mehreren Monaten versendet das Düsseldorfer Unternehmen seine Formulare an Firmen, Vereine und sogar Behörden.

Freiwillige Angaben

Um Betrug dürfte es sich in diesem Fall nicht handeln. Die Angaben, die man macht, sind freiwillig, und in den klein auf der Rückseite aufgedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind die Vertragsinhalte aufgelistet. Fragwürdig ist jedoch die Masche. Auf der vorderen Seite finden sich lediglich die monatlichen Kosten für den Gewerbeeintrag. Eine komplette Kostenaufstellung findet sich aber nicht. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Erst durch die AGB auf der Rückseite erfährt man, dass man einen Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit abschließt, der sich automatisch um weitere zwei Jahre verlängert, wenn nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird.

Ein Urteil des Landesgerichts Düsseldorf vom 15. April 2011 bescheinigt der GWE, dass die so genannten „Offerten” rechtswidrig sind. Das Unternehmen hat aber Berufung eingelegt, die Verhandlung ist für Februar 2012 terminiert.

Seit Juli verschickt die GWE wieder selbst verstärkt Mahnbriefe, denen ein aktuelles Urteil des Amtsgericht Köln beigefügt ist. Demnach sollen die Verträge rechtskonform entstanden sein. Allerdings habe sich das Amtsgericht Köln nicht mit der Agrumentation des Landesgerichts auseinandergesetzt, heißt es von Seiten der IHK. Die Kölner Entscheidung habe keinerlei Wirkung für andere Fälle. Nicht alle Gerichte würden die Auffassung teilen.

Selbst wenn solch ein Unternehmen rechtskräftig verurteilt wird, ist es schwer, den Betreibern das Handwerk zulegen. „Dagegen ist kein Kraut gewachsen”, sagt Schönberger. Meistens würde unter einem anderen Namen einfach eine neue Firma eröffnet. Es helfe nur, für diese Masche zu sensibilisieren.

Einerseits müsse man von einem Kaufmann erwarten können, dass er ein Formular genau anschaue, bevor er etwas unterschreibe. Trotzdem würden viele darauf hereinfallen. „Das passiert auch größeren Firmen, weil das Schreiben mit einer Rechnung oder einem bestehenden Vertrag verwechselt wird”, erklärt Schönberger. Oft seien auch Existenzgründer betroffen, wenn sie sich in das Handelsregister eintragen lassen. Das werde nämlich von Unternehmen wie der GWE systematisch ausgewertet. Neue Firmen würden gezielt angeschrieben. Aufgrund der zeitlichen Nähe und der amtlichen Aufmachung des Schreibens würden viele Betroffene den Vorgang dann für nötig halten und in die Falle gehen.

Der Nutzen solcher Angebote sei, von einigen seriösen Ausnahmen abgesehen, meist gleich Null. „Das ist Geldverschwendung”, sagt Schönberger.

Wer ein Angebot von der GWE erhält, solle am besten nichts unterschreiben und sich an die IHK wenden. Die leitet die Sache dann an den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) weiter, der auch das Urteil vor dem Landgericht Düsseldorf gegen die GWE erwirkt hatte.

Nicht unter Druck setzen lassen

Wer auf das Schreiben geantwortet hat, dem rät Schönberger, sofort ein Einschreiben mit Rückschein abzuschicken und den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Zusätzlich sollte man den Vertrag sofort kündigen, damit er nicht ewig weiterläuft. Auf keinen Fall solle man den geforderten Betrag zahlen und sich auch nicht unter Druck setzen lassen, rät Schönberger. Stattdessen empfehle es sich, sich an die IHK zu wenden.
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