Ernte: Endspurt in der „wichtigsten Zeit des Jahres"

Von: Christina Handschuhmacher
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Endspurt in der für Landwirte wichtigsten Zeit des Jahres: Am Freitag werden die Eschweiler Landwirte Hubert Mock und Hubert Reinartz die Weizenernte beenden. Foto: Handschuhmacher
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Der Ertrag in diesem Jahr ist besser als erwartet. Aber die stark gesunkenen Weizenpreise bereiten den Landwirten Sorge. Foto: Handschuhmacher
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Landwirt Hubert Reinartz fährt das Getreide zur Bezugs- und Absatzgenossenschaft. Foto: Handschuhmacher
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Hat der Mähdrescher auch alle Körner erwischt? Landwirt Hubert Mock und Tochter Celina kontrollieren den Weizen. Foto: Handschuhmacher

Eschweiler. Mit ruhigen Bewegungen manövriert Hubert Mock den Mähdrescher über das Feld. Das 7,5 Meter lange Schneidwerk erfasst die eben noch aufrecht stehenden Weizenhalme, die im nächsten Moment als Strohschneise hinter der Maschine zurückbleiben.

Auf einem kleinen Monitor im Führerhaus sieht der Eschweiler Landwirt genau, was sich im Inneren seiner Maschine tut. Auf dem Display wird angezeigt, wie viel er pro Stunde erntet und was er am Tag bisher geerntet hat. Alle zwei Minuten misst der Mähdrescher die Feuchtigkeit des Weizens, denn die darf in keinem Fall zu hoch sein. „Die Obergrenze liegt bei 15,5 Prozent“, sagt Hubert Mock.

Der Himmel über Eschweiler ist an diesem Vormittag blau und wolkenlos, die Sonne strahlt - optimale Bedingungen für die Weizenernte. Am 1. August haben die Landwirte mit der Ernte des sogenannten Winterweizens begonnen. Verhältnismäßig früh - im Vergleich zu den Vorjahren: „Aufgrund der Trockenheit ernten wir in diesem Jahr schon Anfang August“, erzählt Hubert Reinartz, der mit Hubert Mock und einem dritten Eschweiler Landwirt eine Betriebsgemeinschaft bildet. Meist beginne die Ernte Mitte August, doch dann wird in diesem Jahr schon fast alles gelaufen sein.

Bei der Weizenernte kommt es auf jeden Tag an. Per Handprobe testen die Landwirte, ob der Weizen reif ist. Dabei werden die Ähren in der Hand zerrieben, so dass die Körner herausspringen. Die Körner gibt der Landwirt anschließend in ein Feuchtigkeitsmessgerät, das anzeigt, wie hoch der Wasseranteil im Kern ist. Ist kein Gerät zur Hand, lässt sich das aber auch mit den Zähnen testen. „Die Körner müssen zwischen den Zähnen knacken, dann sind sie gut“, erklärt Hubert Mock. Bleibt der Weizen zu lange in der Erde, beginnt das Korn in der Erde zu sprießen. Hinzu kommt: „Bei jedem Regen und jedem Sturm lockern sich zudem die Körner in der Ähre bis sie irgendwann auf dem Boden landen und quasi verloren sind“, so Mock.

Damit das nicht passiert, ist eine rechtzeitige Ernte wichtig. „Das ist die wichtigste Zeit des Jahres. Momentan geht es um die Arbeit von einem ganzen Jahr und die wollen wir nun natürlich optimal einfahren“, sagt Landwirt Reinartz. Im August in Urlaub fahren? Ein absolutes Tabu für die beiden Landwirte. Stattdessen sind sie momentan bis zu 15 Stunden täglich auf ihren Feldern unterwegs. Oft von morgens um 10 Uhr bis nachts um 2 oder 3. Selbst zum Essen geht es dann nicht nach Hause. Die Ehefrauen wechseln sich ab und bringen mittags und abends Getränke ins Feld. Voraussichtlich zwei Tage noch wird dieser Ausnahmezustand mit wenig Schlaf und keiner freien Zeit anhalten - Hubert Mock geht davon aus, dass gegen Ende der Woche der Weizen eingeholt sein wird. Endspurt in der Erntezeit also.

Und wie fällt die bisherige Bilanz für die Ernte 2013 aus? Hubert Mock ist durchaus zufrieden: „Wir haben mit weniger Ertrag gerechnet. Die Ernte fällt in diesem Jahr sehr gut aus.“ Zwischen acht und zehn Tonnen Getreide pro Hektar - ein Hektar umfasst 10.000 Quadratmeter - sind es. Das variiert und hängt vom Zustand des Bodens, vom Niederschlag und der Weizensorte ab.

Nur die derzeitigen Weizenpreise versetzen die beiden Landwirte nicht in Begeisterungszustände. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Weizenpreis um 20 bis 25 Prozent gefallen, sagt Hubert Reinartz. Für 100 Kilogramm Getreide gibt es nur noch 15 Euro, zuvor lag der Preis bei 20 Euro. „Das sind eben die Weltmarkt-Preise. In Ländern wie den USA, Kanada und der Ukraine sind gute Ernten eingefahren worden und das drückt den Preis.“

Und was kommt nach dem Ernte-Marathon? Schlaf nachholen und die Ruhe genießen? „Als nächstes sind die Zuckerrüben dran“, sagt Hubert Mock. „Die werden ab Mitte September geerntet.“ Aber auch in der Zwischenzeit wird es für den Landwirt genug zu tun geben. Der Raps muss geerntet und wieder ausgesät werden. Aus dem Stroh auf den Feldern werden Ballen gepresst. Dennoch: So anstrengend wie derzeit wird das nicht werden, sagt Hubert Mock. „Die zwei Wochen Weizenernte sind wirklich extrem. Aber es sind ja nur zwei Wochen im Jahr.“

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