Er steckt je sechs Gabeln in fünf Fonduetöpfe

Von: Dirk Müller
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Mit dem liebevollen Aufbau einer völlig skurrilen Krippe bringt Heinz Gröning das Publikum zum Lachen, ohne etwas zu sagen. Foto: Dirk Müller

Eschweiler. Auch wenn sein aktuelles Programm diesen Titel trägt: „Verschollen im Weihnachtsstollen“ war Heinz Gröning bei seinem kabarettistischen Gastspiel nicht. Vielmehr unterhielt er das Publikum im Talbahnhof glänzend und mit starker Bühnenpräsenz.

Zur Begrüßung sang „der unglaubliche Heinz“ a cappella „Lasst uns froh und munter sein“ und veranschaulichte damit das adventlich-humoristische Motto des Abends. In der Folge deckte er auf negative Aspekte auf: „Bei vielen Menschen springt das Fett ja schon auf die Hüften, wenn sie das Wort Weihnachten nur hören“, sagte der Mann, der beim Fondue-Essen sechs Gabeln benutzt – für jedes der fünf Töpfchen.

Mit dem Publikum absolvierte er musikalische Gymnastikübungen mit Spaßfaktor, schlüpfte für eine Weihnachtsumfrage witzig in diverse Rollen. Laute Lacher erntete Gröning auch für seine Betrachtung der Christmette. Der Katholizismus sei eine Religion, bei der es im Wesentlichen ums Aufstehen, Hinknien und wieder Hinsetzen gehe. „Blöd nur, wenn man sich in der Liturgie nicht auskennt und sich an dem Bürgermeister meines Heimatkaffs orientiert, der zwar in der CDU ist, aber selbst auch nur einmal im Jahr in die Messe geht“, meinte Gröning und beschrieb humorvoll die vielsagende Mine des Pfarrers bei dieser Christmette.

Suche nach seiner Frau

Auch über den Namen seines Programms klärte er auf. Es sei an einem Morgen des Heiligabends gewesen, als er nach Hause kam, und seine Frau suchte. „Ich durchquerte den Flur, das Esszimmer, die Küche, das Wohnzimmer und das Klo, um auf die Veranda zu gelangen, suchte im Schlafzimmer, in der Dunkelkammer, im Kühlraum, im Arbeitszimmer, in der Räucherkammer, im Bad und im Gästezimmer, aber Maria war nicht da – keine Spur von ihr in der gesamten Zweizimmerwohnung“, führte der Kabarettist aus, dass ihm nur ein Schluss blieb: „Maria war verschollen im Weihnachtsstollen.“

Gröning gestaltete den Abend abwechslungs- und pointenreich sowie interaktiv. Immer wieder bezog er gekonnt die Gäste im Talbahnhof in das lustige Geschehen mit ein. Schon der Griff zur Gitarre wurde von „dem unglaublichen Heinz“ zelebriert und für seine gekonnten musikalischen Einlagen belohnte das Publikum ihn mit viel Applaus. „Dieses Lied ist für alle, die an Heiligabend nicht mit uns am Tisch sitzen können – sondern in der Küche stehen und schon das Dessert vorbereiten“, kündigte er eine gefühlvolle Hommage an, bei der aus „Back for good“ der Boygroup Take That das Weihnachtslied „Mama backt so gut“ wurde.

Weihnachtslieder wie bei Dylan

Völlig geräuschlosen Humor vom Feinsten präsentierte Gröning, als er einen kleinen Christbaum schmückte und dann eine äußerst skurrile Krippe liebevoll aufbaute. Vor einem coolen Rap drohte er dezent: „Ey, isch bin Knecht Ruprecht, isch weiss wo dein Haus wohnt!“, entlarvte widersprüchliche Texte und „krasse Inhalte“ in Weihnachtliedern, indem er diese als Herbert Grömemeyer, Rammstein, Bob Dylan, die Bee Gees oder Elvis Presley im jeweils typischen Stil intonierte.

Gröning machte selbst vor adventlichen Avantgardegedichten nicht halt und bereitete dem begeisterten Publikum im Talbahnhof einen Abend, der durchweg froh und munter war.

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