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Englerth-Obelisk kein Fall für die Abrissbirne

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Bedeutend: Die Grabstätte der
Bedeutend: Die Grabstätte der Familie Englerth mit dem Obelisken wird jetzt unter Denkmalschutz gestellt. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Seit 1984 versucht das Rheinische Amt für Denkmalpflege, den ältesten Teil des katholischen Friedhofs an der Dürener Straße oder zumindest einige bedeutende Grabstellen unter Denkmalschutz zu stellen.

Die Pfarre St. Peter und Paul hatte immer wieder Einwände und schuf nach 1997 Tatsachen: Drei denkmalwerte Grabstätten wurden abgeräumt, ohne dass die Stadt davon erfuhr. Jetzt besteht Aussicht, dass zumindest eine einzelne Grabstätte unter Schutz gestellt wird.

Der Planungsausschuss des Stadtrats beschloss einstimmig, dass die Grabstätte der Familie Englerth auf dem Friedhof an der Dürener Straße in die Denkmalliste eingetragen wird. Sie beauftrage die Stadtverwaltung, das Verfahren zur Unterschutzstellung durchzuführen. Der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) als früherer Nutzungsberechtigter wird dann weiterhin die Pflege des Denkmals gewährleisten, hieß es in der Sitzung des Ausschusses.

Erster Bürgermeister

Auf dieser Grabstätte im alten Teil des Friedhofs liegen unter anderem Carl und Christine Englerth begraben. Carl Englerth (1753 - 1814) war der erste Bürgermeister von Eschweiler. Unter der napoleonischen Besatzung war er 1794 zum Beigeordneten des Canton dEschweiler berufen worden, 1800 wurde er Bürgermeister der Mairie dEschweiler. Der Familie gehörten auch Abbaukonzessionen für Steinkohle aus dem Eschweiler Kohlberg.

Nach seinem Tod 1814 übernahm seine Ehefrau Christine, geborene Wültgens, (1770 - 1838) die Leitung der Bergbaufirma. Ihr gelang es, die Abbaurechte für 90 Prozent des Eschweiler Kohlbergs zu erlangen. Die tatkräftige und erfolgreiche Unternehmerin gilt als Gründerin des Eschweiler Bergwerksvereins, der aus dem Unternehmen der Familie Wültgens/Englerth hervorging.

Auch der Name von Friedrich Englerth steht auf dem Obelisken, der an die Verstorbenen der Familie erinnert. Friedrich, der drittälteste Sohn von Christine und Carl Englerth, war von 1822 bis 1831 Bürgermeister von Eschweiler.

Ihm gehörte auch die Eschweiler Burg. Er hatte die Ruine samt Umland 1838 gekauft und auf den Fundamenten eine neue Burg errichtet, die so genannte Kaffeemöll. 1858 verkaufte er diese an die Pfarre St. Peter und Paul, die dort das St.-Antonius-Hospital einrichtete.

Im Januar diesen Jahres schlug der Eschweiler Geschichtsverein Alarm. Die Nutzungsrechte an dem Englerth-Denkmal lagen bisher beim EBV, aber der Nutzungsvertrag läuft aus. Damit bestand die Gefahr, dass auch diese Grabstätte beseitigt wird. Das soll nun nicht mehr geschehen. Und für zwei weitere noch vorhandene denkmalwerte Grabstätten hat die Stadt jetzt von der Pfarrgemeinde die Zusicherung, dass diese nicht wie die drei anderen ohne Rücksprache abgeräumt werden, versicherte die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses.

Ursprünglich hatte das Rheinische Amt für Denkmalpflege 1984 beantragt, den alten Teil des Friedhofs in die Denkmalliste der Stadt einzutragen. Es handelt sich um des westlichen Teil des Friedhofs. Entstanden ist dieser Friedhof in der Franzosenzeit.

Bis dahin, also bis Ende des 18. Jahrhunderts, war es üblich, die Toten auf dem Kirchhof rund um die Pfarrkirche St. Peter und Paul oder auch im Gotteshaus selber zu bestatten, wenn es sich um höher gestellte Personen handelte. Auf Anweisung der Franzosen wurde der Friedhof 1798 auf das Gelände außerhalb des Ortes verlagert, südlich der Dürener Straße. Auf dem Kirchhof durfte nicht mehr beerdigt werden.

Der Antrag der Denkmalschützer wurde sehr zögerlich behandelt. Erst 1991 wurde das Verfahren für die Unterschutzstellung eingeleitet, steht in der Beratungsvorlage für die Kommunalpolitiker. Bei einem Ortstermin wurden schließlich 13 Grabstätten und ein einzelner Grabstein in der Umfassungsmauer des Friedhofs als denkmalwert eingeschätzt.

Jahrelanges Verfahren

Gegen die Anerkennung dieser 14 Denkmäler äußerte die Pfarrgemeinde erhebliche Bedenken. Vor allem, weil dadurch die Kosten für die Erhaltung und Pflege der Grabstätten auf die Gemeinde zukamen. Auch sei die Zahl der erhaltenswerten Grabstätten einfach zu groß. Nach diesen Einwänden war erst einmal Ruhe. Erst 1997 wurde das Verfahren wieder aufgegriffen. Nach einem erneuten Ortstermin reduzierte das Amt für Denkmalpflege in seinem Antrag die Zahl der denkmalwerten Grabstätten auf sechs. Wieder äußerte die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Bedenken, wieder ruhte daraufhin das Verfahren. Im Lauf der folgenden Jahre wurden dann drei der sechs künftigen Denkmäler abgeräumt, ohne dass die Stadt als Untere Denkmalbehörde davon Kenntnis erhielt.

Als Begründung für die jetzt laufende Unterschutzstellung führt die Stadt die herausragende Bedeutung der Familie Englerth für den Bergbau im Aachener Revier, für die wirtschaftliche Entwicklung von Eschweiler und auch für den Bergarbeiter-Wohnungsbau an. Die Grabstätte sei erhaltenswert „aus wissenschaftlichen, besonders industrie- und ortsgeschichtlichen Gründen.”

Eschweiler Denkmalliste zählt 195 Baudenkmäler

In der Denkmalliste der Stadt Eschweiler sind zurzeit 195 Baudenkmäler und neun Bodendenkmäler eingetragen. Zu den Baudenkmäler gehören etwa Wohnhäuser, das Alte Rathaus oder die Kapelle St. Antonius.

Zu den Bodendenkmälern zählen unter anderem Motten, das sind mittelalterliche Burghügel, sowie auch Reste des Klosters St. Jöris, eben all das, was weitgehend unter der Erde liegt, von dem nur noch Fundamente übrig sind, wie Brigitte Lammertz-Dreßler vom Denkmalamt erklärt.

Die Eintragung eines Bau- oder Bodendenkmals in die Denkmalliste erfolgt auf Antrag des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, auf Antrag des Eigentürmers oder seitens der Denkmalbehörde. „Die Liste erweitert sich ständig”, sagt Brigitter Lammertz-Dreßler.
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