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Energiekosten: Die Bremse treten, ehe Kosten explodieren

Von: rpm
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„Ziehen Sie Ihr Haus warm an!” So warb das Bundesbauministerium schon 2008 für CO2-einsparende Gebäudesanierung. An der energetischen Sanierung des Altbaubestands führt kein Weg vorbei, sollen die Energie-Ausgaben künftig überschaubar bleiben, betont auch Prof. Dr. Peter Doetsch. Foto: ddp

Eschweiler. Erdöl wird knapper. Und immer teurer. Sowohl in der Gewinnung als auch im Verbraucherpreis. Alternativen müssen her. So schnell wie möglich. Und so schnell wie möglich gilt es auch, Energiesparpotenziale zu nutzen. Sollte mit Energie weiterhin so verschenderisch umgegangen werden wie bis dato, werden die Kosten allen über den Kopf wachsen.

In seiner Rede beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters im Eschweiler Ratssaal zeichnete RWTH-Professor Dr.-Ing. Peter Doetsch ein wenig erfreuliches Szenario dessen, was uns in Sachen Energie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwartet. „Klimawandel, Ressourcenschutz und Versorgungssicherheit - welche Energiezukunft müssen wir uns leisten?”, lautete das Thema seines Vortrags, in dem Doetsch nicht nur internationale Entwicklungen und Forderungen an die Politik aufzeigte, sondern auch deutlich machte, was Bürger vor Ort kurzfristig tun können.

Ein paar Zahlen: 27 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs finden derzeit in den privaten Haushalten statt. Davon wiederum werden 80 Prozent für Wärme und nur etwa 1 Prozent für Beleuchtung aufgebracht - „welchen Effekt hat hier das Verbot von Glühlampen?”, fragte Doetsch.

Rechnet man Individualverkehr, Konsum und Dienstleistungen hinzu, so verursachen die privaten Haushalte mit 84 Prozent mehr als 4/5 des gesamten Primärenergieverbrauchs. „Sie haben somit den größten Einfluss, direkt oder indirekt, diesen persönlichen Energieverbrauch zukünftig zu senken”, betont Doetsch. „Die Forderungen an die Industrie, ihren Energieverbrauch zu senken, sind nur die halbe Wahrheit. Durch intelligenten, energiesparenden Konsum und Dienstleistung und die Anpasssung der individuellen Mobilität hat der Verbraucher die Möglichkeit, einen deutlichen Beitrag zur Reduktion der Energieverbräuche insgesamt, damit zur persönlichen Kosteneinsparung und zum Klimaschutz einzusparen. Die Verbraucher haben Marktmacht!”

Gleichzeitig müssten auch die Energiesysteme den Anforderungen an eine sparsamere Zukunft Rechnung tragen. Beispiel Mobilität: 99 Prozent der Verkehrsleistung wird heute mit Verbrennungsmotoren bestritten, die eine Effizienz von 20 bis 40 Prozent aufweisen. Und auch bei der Stromerzeugung im derzeitigen Energiemix mit mehr als 80 Prozent fossilen Energieträgern beträgt der Effizienzgrad gerade 34 Prozent.

Die drastisch steigenden Energieverbräuche, nicht zuletzt ausgelöst durch den wirtschaftlichen Aufschwung in China und Indien, gehen einher mit sich verknappenden konventionellen Energieressourcen und einem explosionsartigen Anstieg der Kosten.

Nicht nur die Ölförderung werde immer aufwendiger und teurer, auch bei der Kohle sei das Fördermaximum bereits absehbar. „Wenn Regierungen nicht oder nur wenig mehr unternehmen als heute, wird der Verbrauch deutlich zunehmen, die Kosten steigen, das wirtschaftliche Wachstum durch die Ölnutzung immer weiter belastet, die Verwundbarkeit gegenüber Lieferausfällen vergrößert und die Umwelt nachhaltig beschädigt”, zitierte Doetsch Feststellungen der Internationalen Energie-Agentur aus dem gerade zu Ende gegangenen Jahr.

Seit 1995 seien die Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland für Energie bei nahezu konstantem Verbrauch um fast 70 Prozent gestiegen - Ende offen. Noch weit dramatischer zeigt sich die Entwicklung bei öffentlichen Gebäuden in Eschweiler: „Obwohl der Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden insgesamt um rund 8 Prozent abgenommen hat, stiegen die Kosten seit 2004 um gut 135 Prozent an”, konstatierte Doetsch.

Dringender Handlungsbedarf ist vor allem bei privaten Wohngebäuden gegeben: Hier liegen etwa 70 Prozent der vor 1977 erbauten Häuser in ihrem Heizwärmebedarf deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 13,5 l Heizöläquivalent je Quadratmeter. „Hier können durch eine wirtschaftlich optimale Sanierung im Schnitt 70 Prozent der Energieverbräuche eingespart werden”, betont Professor Doetsch. Derzeitiger Stand der Sanierung in Deutschland: Etwa 32 Prozent der Häuser besitzen ein Wärmeschutzverglasung, bei 30 Pozent sind die Fassaden saniert, bei 15 Prozent Fußboden/Kellerdecke, das Dach bei 50 Prozent, die oberste Geschossdecke bei 40 Prozent. 15 Prozent der Heizkessel sind derzeit älter als 15 Jahre.

In Eschweiler, so Doetsch, betrage die Sanierungsquote weniger als 30 Prozent - insgesamt gelten hier rund 7300 Einfamilienhäuser und 1500 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 820000 Quadratmetern Wohnfläche - allesamt vor 1977 errichtet - als sanierungsbedürftg.

Für die Reduktion des Heizwämebedarfs seien insbesondere drei Maßnahmen verantwortlich: Dämmung der Außenwände, des Dachs oder der obersten Geschossdecke und Erneuerung der Heiztechnik, vornehmlich unter Einsatz Erneuerbarer Energien. Diese und weitere Maßnahmen könnten aus einer Energieschleuder mit 27 Liter Heizölverbrauch je Quadratmeter ein „4-Liter-Haus” machen. Sinnvolle Einzelmaßnahmen wie Kellerdecken- oder Dachdämmung amortisieren sich bereits nach kurzer Zeit.

Dagegen könne der alleinige Austausch von Fenstern zu einer Verschiebung der Kältepunkte in Richtung Mauerwerk und zur Gefahr von Schimmelbildung führen. „Wenn sanieren, dann richtig und mit professioneller Hilfe durch Architekt, Bausachverständigen und Handwerk.”

Zu Professor Dr. Peter Doetschs Forderungen gehören Umbau und Verdichtung des innerstädtischen Wohnraums, Rückbau von Randlagen, gemeinschaftliche Projektierung und Finanzierung, Wärmecontracting und ein städtisches Netzwerk „Altbausanierung” als Anlaufstelle für Immobilienbesitzer.
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